Eine Art Wahnsinn
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 2. Dezember 2010, 07:30 Uhr
ENL5454
Heutzutage hat bei der Fed eine Art Wahnsinn Fuß gefasst. Dieser Punkt wurde in den USA schon einmal erreicht, von allen Investoren. Zwischen Herbst 1999 und März 2000. Da hatte auch eine Art von Wahnsinn hatte Fuß gefasst.
Fast alle Markt-Prognosen für die nächsten drei Jahre, die zu diesem Zeitpunkt abgegeben wurden, lagen daneben; die überwältigende Mehrheit ging davon aus, dass die Kurse weiter steigen - und nicht fallen - würden. Besonders 2002 war das die Ansicht, da Aktien fast nie drei Jahre in Folge fallen." Die Staranalysten Abby Cohen, Ed Yardeni, Louis Rukeyser, James Glassman, Jeremy Seigel und Peter Lynch- all die großen Namen der 1990er - glaubten immer noch, dass die Aktien steigen würden, wenn nicht im letzten oder im laufenden Jahr...dann ganz bestimmt im nächsten.
Sie scheinen sich überhaupt nicht bewusst zu sein, dass ihr eigener Optimismus die Wahrscheinlichkeiten gegen sie gerichtet hatte. Weil sie den Bullenmarkt Jahr für Jahr hoch geredet hatten, hatten sie mitgeholfen, die Mütter und Väter davon zu überzeugen, dass Aktien auf lange Sicht ein fast idiotensicheres Investment seien. Jetzt wurde bewiesen, dass nichts so gefährlich sein kann wie Erfolg.
Im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts schien nichts erfolgreicher zu sein als der amerikanische Konsumentenkapitalismus. Die Aktien begannen 1975, zu steigen...und sie setzten das mehr oder weniger bis zum März 2000 fort. Bis dahin waren alle Zweifel beseitigt worden. Die Amerikaner waren Gläubige des Aktienmarktes geworden.
Zu glauben, dass die Aktien wieder verkommen werden..."schrieb James Glassman, der schamlose Autor des Buches Dow 36.000" Anfang 2002, ist zu glauben, dass sie sich einer starken Flut widersetzen werden, die seit über 60 Jahren in die gleiche Richtung strömt."
Glassman schien nicht bemerkt zu haben, dass auf die Flut die Ebbe folgt. Glassman war wie ein Wettervorhersager, der nie aus dem Fenster sah. Es regnet, aber die Sonne kommt wieder raus. Die Aktienkurse fallen, aber sie erholen sich danach immer wieder und steigen auf ein höheres Niveau", schrieb er. Und dann - das vergaß er zu erwähnen - regnet es wieder!
Und wenn die Sonne lang genug scheint, dann hören die Leute auf, die Wolken am Horizont zu bemerken. Wer bemerkte schon in den perfekten Tagen Anfang 2000, dass sich die Chancen geändert hatten? Dass der Aktienmarkt sich im Vergleich zu dem des Jahres 1975 sehr verändert hatte und dass die wenigen Investoren, die 1975 Aktien gekauft hatten, sich sehr von den vielen Müttern und Vätern unterschieden, die 2000 ihr Geld in Aktien steckten? Wer bemerkte, wie Warren Buffett es formulierte, dass diese Leute 1975 aus den richtigen Gründen gekauft hatten - aber im Jahr 2000 aus den falschen?
In den letzten 25 Jahren des 20. Jahrhunderts betraten Millionen neuer Investoren die Bühne des Aktienmarktes, gelockt durch das Vorbild von Buffett und der Anziehungskraft, dass man etwas für nichts erhalten könnte. Und kaum einer von diesen neuen Investoren hatte einen Regenschirm dabei.
Als der Markt einbrach, wurden die Kleinanleger nass, aber sie verfielen nicht in Panik. Sie glaubten immer noch - zumindest zu Beginn des Jahres 2003 - an die Versprechen des amerikanischen Konsumentenkapitalismus und seiner Gurus. Sie glaubten an die Gründe, die dafür gegeben wurden, dass die Aktien wahrscheinlich steigen würde...weil sie so gut wie nie 4 Jahre in Folge fallen!
Die Aktien fallen normalerweise nie 4 Jahre in Folge, weil sie normalerweise nach 36 Monaten fast immer den Boden erreicht haben. Aber zu Beginn des Jahres 2003 hatten die Aktien immer noch Bewertungen, die typischer für ein Topp als für einen Boden waren. Basierend auf den Kernergebnissen hatten die Aktien des S&P 500 ein KGV von 40. Oder, wie das Barrons Magazin berechnete: Basierend auf den für 2002 genannten Ergebnissen hatten sie ein KGV von 28. So oder so - sie waren relativ teuer.