Eine amerikanische Tradition der Vorweihnachtszeit
Christopher Corbett in Baltimore in Traders Daily
vom 09. Oktober 2006 12:00 Uhr
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Wenn irgendwann alle Probleme der Welt gelöst sein werden, dann hoffe ich, dass die Genfer Konventionen oder die Vereinten Nationen es sich zur Aufgabe machen, den Verkauf von Weihnachtsgeschenkpapier durch amerikanische Schüler zu einem ebenso schweren internationalen Vergehen zu erklären erklären, wie Hochseepiraterie oder Flugzeugentführungen.
Und wenn sich die Staatsmänner erst einmal mit diesem Thema befassen, hoffe ich, dass sie auch gleich weitere Verbote erlassen – d.h. viel zu alte Schokoriegel zweifelhafter Herkunft, ranzige Kekse, den gefürchteten Fruitcake, Orangen, Adventskränze, Pizzasets etc. in den Schulen zu verkaufen.
Und mit Sicherheit könnte es auch ein Vertreter des Kongresses, der nach einem sicheren Thema sucht, schlechter treffen, als sich hinter einen Gesetzesentwurf zu stellen, der den Verkauf von Geschenkpapier durch Schulkinder verbietet.
Ich habe noch nie die Hysterie verstanden, die das Thema der Schulgebete auslöst. Mir ist es egal ob Kinder in der Schule beten oder nicht. Wegen mir könnten sie auch neunmal am Tag beten. Sollen sie doch in fremden Zungen sprechen, sich über den Boden rollen, sich wie durch Geisterhand in die Luft erheben, Feuer speien, Psalmen singen und die Schriften lesen... ganz gleich welche Schriften.
Ich habe mit all dem kein Problem. Ich habe kein Problem damit, wenn Kinder mit fremden Religionen konfrontiert werden. Offen gestanden, es wäre mir wirklich gleichgültig, wenn meine Tochter aus der Schule käme und einen Tschador trüge, das tibetische Buch der Toten in der Hand hielte und dem Wicca-kult beigetreten wäre. Fragt mich nur bitte nicht, ob ich etwas kaufen will.
Ich weiß, dass das ein harter Brocken für die klugen Köpfe der Amerikanischen Bürgerrechtsunion (ACLU American Civil Liberties Union) ist, aber ich würde wetten, dass der durchschnittliche Amerikaner, unabhängig von Herkunft oder Hautfarbe, vor die Frage gestellt, ob er lieber Geschenkpapier kauft oder in der Schule betet, sofort anheben würde Lieder wie „Danke für diesen guten Morgen“ zu singen. Es ist ganz einfach so: dem Verkauf von Geschenkpapier durch Schulkinder muss ein Ende gesetzt werden.
Die Kinder sind jetzt schon seit einem Monat wieder in der Schule. Ich sehe die armen Wichte wie sie die Straße entlangkommen, gebeugt unter dem Gewicht von 40 Kilogramm der großen Bögen, stolpernd wie Sherpas, schielend vor Wissen. Eines der ersten Anzeichen für den Herbst ist hier in Nordamerika die Ankunft der gefürchteten Weihnachtgeschenkpapierverkäufe. Ohne die dringend benötigten Gelder, die durch diese Anstrengungen zusammenkommen, fehlte es den Schulen an den neusten Computern, auf dem Spielplatz gäbe es zu wenige Klettergeräte, und es gäbe keine Lilien neben der neuen Turnhalle. Wirklich düstere Aussichten. Die Herzen sind schwer.
Das erinnert mich an einen alten Mickey Rooney – Judy Garland Film: „Mist, wenn wir nicht genug von diesem großartigen Geschenkpapier verkaufen, dann wird der gemeine alte Mr. Trockmorton von der Bank ‚Ivy Hall’ schließen. Kinder, das dürfen wir nicht zulassen.“
In der Stadt, in der ich lebe, überschwemmen sämtliche Privatschulen die Gemeinde mit Weihnachtspapierverkäufen. Diejenigen, die kein Geschenkpapier verkaufen, handeln mit tiefgekühltem Keksteig der in zwei-Kilo Plastikeimern geliefert wird. Diese Eimer sehen so aus, als enthielten sie diesen schnell aushärtenden Zement den man benutzt, um die Bruchstellen im Putz zu kitten (und der Teig schmeckt auch genauso). Oder sie haben irgendeinen anderen Schrott im Angebot.
Ich bin verblüfft. Die Privatschulen, so wie ich sie kenne, werden ausschließlich vom Schatzmeister und der Gemeinschaft der Leuchten in Gang gehalten, deren Kinder an der Schule eingeschrieben sind. Es ist daher für einen so einfachen Gesellen wie mich schwer zu begreifen, wie die finanzielle Zahlungsfähigkeit einer Schule vom Verkauf von Geschenkpapier abhängen kann. Aber was weiß ich schon? Augenscheinlich ist das gewaltige Preisschild an der Schulausbildung noch nicht hoch genug.
Das Formular für den Kauf von Geschenkpapier ist noch erstaunlicher als alles, was die Boten des Teufels bei der Finanzbehörde sich je haben einfallen lassen. Wir bekommen unser Formular jedes Jahr wieder zurück, weil wir falsch addiert haben. Ich denke schon darüber nach, ob ich demnächst einen Profi damit beauftrage.
Die Wahrheit ist, dass wir bei uns zuhause nicht besonders viel Geschenkpapier verwenden. Meine Tochter ist schon lange in dem Alter, in dem sie Geld vorzieht. „Ich wähle den Umschlag“, so ähnlich wie in diesen Fernsehsendungen. Aufgrund einer richterlichen Verfügung ist es mir verboten, irgendetwas für meine Frau zu kaufen, ohne dass sie es zuvor gut geheißen hat, denn alles, was sich je ohne ihre Zustimmung gekauft habe, musste danach umgetauscht werden.
Wir haben keine Verwandten in dieser Gegend, auf die wir einige wenige Rollen Geschenkpapier verwenden könnten. Und ich glaube es ist absolut nicht angemessen und sozial nicht zu verantworten, einen Nachbarn zu bitten, Geschenkpapier, Tombolatickets oder irgendetwas anderes zu kaufen – es sei denn, deren Kinder haben einen in der Vergangenheit aus den gleichen Gründen angesprochen. Seines Nachbarn Frau begehren, ist auf einem schlechten zweiten Platz, wenn man es mit der Aufforderung vergleicht, Tombolalose und das Geschenkpapier der eigenen Kinder zu kaufen. Die Folge ist, dass ich einen ganzen Wandschrank voller unbenutztem Geschenkpapier habe. Dazu noch einige Bögen. Um genau zu sein, es ist ein kleines Zimmer. Und wenn ich eines Tages sterbe, dann möchte ich in Geschenkpapier eingewickelt werden. Damit werden wir einen Teil des verdammten Geschenkpapiers endlich los.
An der Schule, die meine Tochter besuchte als sie noch jünger war, gab es ein gesundes und förderliches Maß an Wettbewerb bei allem, was man dort tat. Das betraf auch den Verkauf von Geschenkpapier. „Verkauf die meisten Rollen und du bekommst einen kostenlosen Range Rover. Zweiter Preis: Eine Woche in einem schicken Skigebiet. Dritter Preis, eine Kate Spade Handtasche“
Man konnte es aber auch so aufziehen wie wir und einfach nur das Mitleid erregende Soll erfüllen. Und was haben wir für unsere Mühen bekommen? Eine kostenlose Rolle Geschenkpapier.