Eindrücke aus New York
Investors Daily
vom 27. Juli 2004 18:00 Uhr
ENL5454
Ich traf mich letzten Freitag in einem beliebten Restaurant in Manhattan – dem Blue Water Grill – mit Eric Fry zum Abendessen. Wir saßen draußen und waren von der Vitalität des Ortes begeistert. Das Wetter war weder zu heiß, noch zu kalt – eine Seltenheit in New York. Es ist ein eher ungewöhnlicher Sommer, hier an der Ostküste; die Hitze ist erträglich.
Immer noch bin ich darüber überrascht, wie viel Ausländer es in den großen amerikanischen Städten gibt. Kellner, Taxifahrer, Angestellte – oft kann man sie kaum verstehen. Unser Kellner vom Freitag schien aus den Vereinigten Staaten zu kommen, aber ganz offensichtlich verbringt er die meiste Zeit mit einer Gruppe von Ausländern. Er las die Tageskarte vor, als handele es sich um eine Anklage wegen Mordes. Wir konnten die Verben nicht vom Gemüse unterscheiden. Als er seinen Vortrag abgeschlossen hatte, wussten wir immer noch nicht, was die Tageskarte zu bieten hatte.
Trotzdem war das Essen gut und das Restaurant angenehm. Wir waren der Meinung, dass es mit unserem Land bergab – Richtung Hölle – geht. Aber auf welche Hölle wir zuschreiten, wissen wir selber noch nicht. Höhere Inflation ... Deflation ... Krieg ... wir wissen nicht, was wir erwarten müssen, aber wir sind überzeugt davon, dass wir auf dem Weg sind.
In den diversen New Yorker Zeitungen fielen mir die vielfältigen Auto-Werbungen auf. Nicht aus einer einzigen war ersichtlich, wie teuer ein Neuwagen im Moment sein würde. Man kann 249 Dollar monatlich zahlen, oder 469 Dollar pro Monat – bei 0 % Tilgung in den nächsten fünf Jahren. Eine Anzeige versprach sogar 6.000 Dollar bar zurückzugeben. Falls der Autopreis doch irgendwo stand, muss er sehr klein gedruckt gewesen sein.
Kein Mensch spart, weil es niemand nötig hat zu sparen, vermute ich. Alles ist "Cash-Flow", der auf den niedrigsten Zinsen seit zwei Generationen basiert ... und auf der höchsten Beschäftigtenzahl der Geschichte. Mehr Erwachsene als je zuvor haben in den USA einen Job.
Wenn man zahlungsfähig ist, kann man alles kaufen. Aber was wird geschehen, wenn die Zinsen steigen ... oder man arbeitslos wird ... ich bin wirklich gespannt, was dann passieren wird.
"Wenn das Bargeld vergeht, wird Amerika eine Plastik-Nation werden", titelt das Wall Street Journal. Automaten, die U-Bahn und gemeinnützige Organisationen nehmen mittlerweile Kreditkarten an, so der Artikel. Sogar die Verkehrspolizisten werden früher oder später Plastik annehmen. Auch McDonalds macht bei diesem "Zahl mit Plastik-Trend" mit, fügt USA Today hinzu. Scheinbar wird durch die Zahlung mit Kreditkarten der Verkauf noch angeregt.