Eindrücke aus China
Dan Denning in Investors Daily zum Thema Global Anlegen
vom 11. Juni 2004 18:00 Uhr
ENL5454
Ich bin derzeit der "Mann in China" für den Investor's Daily und die Makro-Strategie: Hier mein aktueller Bericht von dort:
Was derzeit in China passiert, lässt sich nicht einfach als "finanzielle Spekulationsblase" beschreiben. Es handelt sich um den Eintritt von Millionen Menschen in den globalen Marktplatz, sowohl als Konsumenten als auch als Produzenten. Rechnen Sie damit, dass China seine Dollar-Reserven in "harte" Anlagen eintauschen wird ... und zwar bevor der Dollar seinen Rückgang wieder aufnehmen wird.
Und für wirklich langfristige Investoren ist alles, das von der Entwicklung in den chinesischen der Infrastruktur, der Finanzdienstleistungen und des Gesundheitssektors profitiert, der beste Weg, um von der Entwicklung in China zu profitieren.
Aber das bedeutet nicht, dass es keine Risiken geben würde. Die Regierung verkauft Staatsbesitz, weil sie Geld braucht. Und sie braucht Geld, weil die chinesische Bevölkerung älter wird. China hat kein nennenswertes Pensionssystem. Laut Schätzungen der UNO werden im Jahr 2025 rund 13,5 % der chinesischen Bevölkerung älter als 65 Jahre sein. Das klingt gar nicht so schlimm. Aber wenn man bedenkt, dass China dann wahrscheinlich 1,7 Milliarden Einwohner haben wird, dann bedeutet das, dass es um 220 Millionen älterer Menschen geht, die kein reales soziales Sicherheitsnetz haben. Mit anderen Worten: China wird einen großen Anteil an älteren Menschen haben, die Nahrungsmittel und Gesundheitsversorgung brauchen. Wie wird China mit diesem Problem zurechtkommen?
Es gibt keine Institutionen dafür. Der Staat kann sich das nicht leisten. Die Kirche existiert nicht bzw. sie ist zu klein. Und die Familie ist durch die "Ein-Kind-Politik" systematisch eliminiert worden.
Aber man sollte auch bedenken, dass die chinesische Kultur 5.000 Jahre alt ist. Die Kommunisten können kurzfristig viel ruinieren. Nichts ist zerstörerischer als die Einbildung, dass man Hunderte Jahre Tradition und Evolution durch eine egoistische, mit zum Teil hirnrissigen Plänen geplante Volkswirtschaft ersetzen kann.
Aber das buddhistische, taoistische und konfuzianische Denken ist immer noch im Herzen Chinas. Selbst ein allmächtiger Staat könnte das nicht auslöschen. Wie sonst ließe sich erklären, dass Sun Yat Sen, der Vater der chinesischen Nation, populärer als Mao ist? China bewegt sich ins Zentrum der Weltwirtschaft, und seine traditionelle Kultur und seine sich entwickelnde Kultur des freien Marktes werden die statische Kultur ersetzen.
Der Staat kann die Kräfte, die er losgelassen hat, nicht bändigen. Und dafür sollten wir dankbar sein. China ist ein schönes Land mit freundlichen, hart arbeitenden Menschen. Der wirkliche Bullenmarkt hat gerade erst begonnen.