Ein Zwischenfall bei SeaWorld – aus dem Polizeibericht
Christoph Corbett in Traders Daily
vom 14. Dezember 2006 12:00 Uhr
ENL5454
Ein Orka (Killerwal), der einen seiner Trainer bei einer Show in SeaWorld unter Wasser zog, war vermutlich wegen eines Streits mit einem anderen Wal, wegen des Wetters oder eines irritierten Magens schlecht gelaunt, sagen die Experten für Meeressäuger. „An manchen Tagen wachen sie einfach auf und sind nicht in gleicher Weise bereit, die Show zu machen, wie an anderen Tagen“, sagt Ken Balcomb, Direktor des Zentrums für Walforschung in Friday Harbor, Washington. „Solche Unfälle können vorkommen, wenn dem Trainer nicht auffällt, dass es ein solcher schlechter Tag ist.“
Aus dem Polizeibericht.
Ein Ausschnitt aus dem Polizeibericht, der einem Notruf von SewWorld Adventure Park in San Diego folgte.
Der Polizeibeamte kommt bei SeaWorld an.
Der Polizeibeamte hält fest, dass die Angestellten aussagen, ein Killerwal habe die Aufführung unterbrochen, indem er den linken Fuß des Trainers zu fassen bekam und dabei einige Touristen nassspritzte.
Der Polizeibeamte hält fest, der Trainer sei nicht ernstlich verletzt.
Der Polizeibeamte sagt, Touristen seien nass geworden.
Der Polizeibeamte sagt, der Wal habe angelehnt, das Wasserbecken zu verlassen.
Der Polizeibeamte beschreibt den Verdächtigen als einen „Killerwal“
Der Polizeibeamte gibt bekannt, der Wal habe ausgesagt, er habe den Trainer gewarnt, er sei nicht in der richtigen Stimmung, irgendwelche Tricks vorzuführen.
Der Polizeibeamte hält fest, der Wal habe ausgesagt, der Trainer habe gesagt, er trage die Verantwortung.
Der Polizeibeamte hält fest, der Wal habe gesagt, er habe zum Trainer gesagt, „das werde man noch sehen.“
Der Polizeibeamte sagt, der Wal habe dem Trainer daraufhin erklärt, er habe Verdauungsprobleme seit er bei einem All-You-Can-Eat-Buffet zu viel Plankton gegessen habe.
Der Polizeibeamte sagt, der Trainer habe daraufhin gesagt, der Wal solle sich zusammenreißen, er sei schließlich ein Profi.
Der Polizeibeamte sagt, dass sei der Moment gewesen, an dem der Wal den Trainer auf den Boden des Tanks gezogen und dabei an dessen Fuß genagt habe.
Der Polizeibeamte sagt, der Wal habe gesagt, er sei verärgert gewesen.
Der Polizeibeamte sagt auch, der Wal behaupte, man habe ihn provoziert.
Der Polizeibeamte sagt, der Wal habe nicht zulassen wollen, dass der Trainer von seiner Nase springt.
Der Polizeibeamte sagt, der Wal habe ihn gefragt, ob er wisse, wie es sich anfühlt, wenn einer von der eigenen Nase springt.
Der Polizeibeamte sagt, der Wal habe ihm erzählt, er habe den Trainer nicht verletzten wollen, ihm vielmehr einfach zeigen wollen, wer das Sagen hat.
Der Polizeibeamte sagt, der Wal habe ausgesagt, er habe lediglich am Fuß des Trainers gezogen, nicht jedoch darauf herumgekaut.
Der Polizeibeamte sagt, der Verdächtige habe ihm erzählt, dass er das Show-Geschäft und die Auftritte nicht möge. Seine Mutter habe ihn dazu gedrängt. Sie habe ihn gezwungen, Tiersendungen im Fernsehen anzusehen, Flipper und die Wiederholungen von Lloyd Bridges Sendung Sea Hunt.
Der Polizeibeamte sagt, es habe nicht so gewirkt, als habe der Wal unter Alkoholeinfluss gestanden.
Der Polizeibeamte sagt, er habe keine Gelegenheit gehabt, den Trainer selbst zu befragen, weil dieser mit einem gebrochenen Fuß im Krankenhaus gewesen sei.
Der Polizeibeamte sagt, der Wal lehne es ab, weitere Fragen zu beantworten und er habe verlangt, mit dem Anwalt der Leute von Ethical Treatment of Animals und mit seinem Agenten zu sprechen. Versuche, diese zu erreichen schlugen fehl. Es wurden Nachrichten hinterlassen.
Der Polizeibeamte hat Informationen vom Schichtleiter verlangt. Der Wal konnte nicht in Untersuchungshaft genommen werden, weil er über 500 Pfund wiegt.
Der Polizeibeamte stellt fest, dass es keine geeigneten Einrichtungen gibt, in denen große Meeressäuger festgehalten werden können.
Der Polizeibeamte stellt fest, dass die Betreiber von SeaWorld der Polizei gegenüber versichert hätten, dass der Wal in den Wasserbecken der Einrichtung verbleiben würde und dass er, falls notwendig, für weitere Befragungen zu Verfügung stehen würde.
Der Polizeibeamte klärte den Wal auf, dass er den Staat Kalifornien nicht verlassen dürfe, solange in dieser Sache ermittelt würde.
Der Polizeibeamte forderte den Wal auf, einen gültigen Führerschein des Staates Kalifornien (wovon dieser sagte, er habe keinen) und einen Personalausweis (den er hatte) auszuhändigen.
Der Polizeibeamte gibt zu Protokoll, dass der Wal auf den Namen Kasatka hört, auch bekannt unter dem Namen Shamu, auch bekannt unter dem Namen Orka.
Adresse: SeaWorld
Geburtsdatum: unbekannt.
Geburtsort: Ozean
Besondere Merkmale: Eine kleine Narbe durch ein Betäubungsmittelgewehr an der rechten, hinteren Finne, eine Narbe von einer älteren Harpunenverletzung.
Beruf: Killerwal
Gegenwärtiger Arbeitgeber: SeaWorld
Position bei SeaWorld: Aufführung dummer Tricks.
Polizeiakte: Verdächtiger ist nicht durch Straßenverkehrsverstöße auffällig geworden. Verdächtiger hat keinen gültigen Führerschein des Staates Kalifornien. Die Polizei war vorher bereits zweimal zu SeaWorld gerufen worden. In beiden Fällen handelte es sich um das Delikt des aggressiven Wasserspritzens, um eine Verletzung der Ausgangssperre und zu lautes Abspielen der CD „Gesang der Buckelwale“. Eine schriftliche Verwarnung wurde erteilt.
Der Schichtleiter beauftragt den Polizeibeamten sich mit dem Tierschutz in Verbindung zu setzen.