Ein wenig Chaos
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 05. Februar 2003 18:00 Uhr
ENL5454
Als Trader sollte man seiner Zeit immer ein wenig voraus sein. Aber gestern war ich der Zeit dann doch etwas zu sehr voraus. Natürlich sollen erst heute, am Mittwoch, die Beweise vorgelegt werden. Ein vorverlegter Zahnarzttermin – verwirrend genug, führte dazu, dass für mich bereits gestern "Mittwoch" war. Den Dienstag hatte ich verloren. Ich hoffe, ich habe dadurch keine Verwirrung gestiftet. Auf jeden Fall möchte ich mich für diesen Fehler entschuldigen.
Aber vielleicht kennen Sie das, wenn einmal irgendetwas "chaotisch" ist, dann scheint dieses Chaos auch andere Dinge ins "Chaos" zu ziehen. Anscheinend ist Chaos ansteckend. So brach heute morgen erst einmal für mehrer Stunden mein Internetanschluss zusammen. Seitdem kriecht meine Internetverbindung so vor sich hin. Es erinnert etwas an die Zeit, als ich mit einem 9600er Modem durch Netz schlich, vielleicht kennen Sie das auch noch.
Aber auch die weltpolitische und weltwirtschaftliche Situation scheint ähnlichen Gesetzen unterworfen zu sein. Es wird scheinbar immer chaotischer: So bleibt es nicht nur beim Irakkonflikt, nun folgt die Nordkoreakrise. Und auch in Deutschland sind wieder schlechte Nachrichten zu vermelden: Im Januar sind in Deutschland 4,6 Millionen Menschen arbeitslos. Das ist ein unerwartet hoher Anstieg um 400.000 Menschen. Das "Chaos" breitet sich weiter aus. Erst zum Schluss wird aus dem Chaos wieder Ordnung. Aber ob dieser Punkt bald erreicht sein wird?
Heute wird Powell nun die Beweise vorlegen. Um 16.00 Uhr wird seine Rede vor dem Sicherheitsrat beginnen. Damit könnte der heutige Tag Grundlage für eine Entscheidung werden – je nachdem wie überzeugend die Beweise sind. Im Vorfeld dieser Beweisvorlage stiegen die Kurse der Indizes wieder leicht an. Grund hierfür dürften die Medien sein, die im Moment nicht mehr davon ausgehen, dass diese Beweise aussagekräftig genug sind. Sollte sich das bestätigen könnte es zu einer kleinen Zwischenrallye kommen.
Ein britisches Geheimdienstpapier, das intensive Kontakte zwischen dem Irak und der EL-Kaida bezweifelt, sorgt heute für Aufregung. Sie wissen, sowohl die USA als auch die Briten haben mehrfach auf eine solche Verbindung hingewiesen. Dabei ist die Begründung, die in diesem Papier angegeben wird, seit geraumer Zeit bekannt: Natürlich gibt es ideologisch gesehen einen tiefen Graben zwischen dem Irak und der EL-Kaida. Die im Irak herrschende Baath Partei kann mit der religiös-fundamentalistischen Ideologie der El-Kaida nicht viel anfangen. Umgekehrt ist es nicht anders. Trotzdem ist es in der Geschichte oft genug vorgekommen, dass sich anfänglich unvereinbare Ideologien aufgrund eines gemeinsamen Feindbildes zusammengerauft haben.
Doch hier muss man auf den Wortlaut achten: Aus Amerika ist zu vernehmen, dass zwar Hinweise auf Kontakte vorhanden seien, es aber keine konkreten Hinweise auf eine Allianz gäbe. Insofern wiedersprechen sich der Inhalt des Geheimdienstpapiers nicht wirklich mit den Aussagen der Amerikaner und Briten.