Ein Vergleich, der Sie reich machen kann!
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 07. März 2007 18:00 Uhr
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Ich habe von Ihnen in den letzten Tagen vermehrt Mails mit Anfragen zu dem Thema Zinsen, Zinssenkungen und Marktentwicklung erhalten. Sie schrieben, dass andere Kommentatoren dazu eine andere Meinung haben. Ich kann leider nichts dagegen machen, dass andere Menschen andere Meinungen haben. Ich bin sogar froh, dass es so ist, denn sonst könnte man an den Börsen kein Geld verdienen. Aber da das Thema im Moment sowieso hoch brisant ist und wir vor wichtigen Entscheidungen stehen, will ich das noch einmal ausführlich und, ich hoffe, logisch verständlich darlegen. Wenn Sie diese Zusammenhänge verstehen, werden Sie es wesentlich einfacher haben, an den Börsen langfristig viel Geld zu verdienen.
Der Vergleich:
Sie müssen sich die Börse wie einen großen See vorstellen. Es gibt einen Zufluss und einen Abfluss. (Sprich: Geld wird hinzugeführt und Geld wird abgeführt). Wenn der Zufluss größer als der Abfluss ist, dann wird der See ansteigen, sprich die Börse steigt. Wenn der Abfluss stärker als der Zufluss ist, dann wird sie eher fallen. (Es gibt zwar noch andere Faktoren, die das beeinflussen, aber es geht hier ja um eine einfache Darstellung).
Die Fed sitzt für den USA Markt sozusagen am Zufluss und kann über die Zinsen und die Geldmenge diesen zumindest teilweise steuern (sie kann für Liquidität sorgen, wohin diese Liquidität dann wirklich fließen wird, ist ein anderes Thema - siehe US-Immobilienmarkt).
Wohin mit dem Geld bei niedrigen Zinsen?
Viele fragen sich, warum denn niedrige Zinsen gut für den Aktienmarkt sind. Punkt eins ist ganz logisch: Wenn Sie größere Summen anlegen möchten und eine hohe Verzinsung erhalten, dann werden Sie lieber einen großen Teil des Geldes sicher zu hohen Zinsen anlegen und sich über die Rendite freuen, als das Geld im Aktienmarkt zu investieren. Erhalten Sie hingegen nur sehr niedrige Zinsen, dann müssen Sie sich etwas überlegen, insbesondere dann, wenn die Inflation noch vergleichsweise hoch ist. Dann gibt es fast keine Alternativen zum Aktienmarkt. Aus diesem Grund spült ein niedriger Zinssatz Geld an die Börse.
Aber es gibt noch einige andere Wege. Einen weiteren, der direkt mit den Zinsen zu tun hat, will ich Ihnen auch nicht vorenthalten: Viele Hedgefonds, aber auch institutionelle Anleger arbeiten, wenn sie kurzfristig hohe Chance sehen, oder langfristig nachhaltige, mit Krediten. Sie leihen sich Geld, um es gewinnbringend anzulegen. Das erhöht den Hebel ihrer Anlagen. Das Geld aus diesen Krediten fließt also in die verschiedenen Anlageklassen.
Niemals Kredite?
Nun sagt man den Privatpersonen immer: Oh, Gott, niemals, wirklich niemals, sollst du mit Krediten Aktien kaufen. Das ist auch so korrekt, weil die meisten Privatpersonen kein vernünftiges Geldmanagement durchhalten können. Institutionelle Investoren, besonders Hedgefonds nutzen für ihre Anlagen jedoch häufig Kredite.
Kredite bei niedrigen Zinsen
Hier steckt auch eine gewisse Logik hinter. Wenn Sie zu 1 % Geld leihen können, dann entspricht das ungefähr einer Gebühr, die man früher bei Brokern für eine Transaktion verlangt hat. Entdeckt man „sichere“ Renditechancen, kann man also mit geliehenem Geld seine Gewinnmöglichkeit dramatisch erhöhen, indem man es zum Beispiel in den Aktienmarkt investiert.
Niedrige Zinsen erhöhen die Investitionsbereitschaft der Unternehmen
Niedrige Zinsen erhöhen aber natürlich auch die Investitionsbereitschaft der Unternehmen (meistens etwas zeitversetzt). Wenn man sich billig Geld leihen kann, dann kann man durch Investitionen, Zukäufe, Expansion, aber auch durch eigene Anlagegeschäfte (Beteiligungen, etc) seinen Gewinn erhöhen, was sich letzten Endes wieder positiv auf die Kurse der eigenen Aktie auswirkt. Zudem sind dann die Unternehmen in der Lage ihre Schulden umzuschichten und haben so eine geringere Zinslast. Machen die Unternehmen Gewinn, wird dieser wiederum über Dividenden oder Aktienrückkaufprogramme an die Aktionäre zurückgegeben, die natürlich dieses Geld zu einem Teil auch wieder an der Börse anlegen.
Es gibt noch viele andere Wege über die bei niedrigen Zinsen Geld an die Börse fließen kann, aber wir wollen es bei diesen Beispielen belassen.
Die letzten 7 Jahre als schönes Beispiel:
Nun erinnern wir uns, als der Crash 2000-2003 über unsere Depots rollte, hat die Fed nach und nach die Zinsen immer weiter gesenkt und somit immer mehr den Zufluss zu dem großen Börsensee geöffnet. Der Crash und der Anschlag am 11. September mit den anschließenden Kriegen hatten nämlich die Dämme der Abflussanlage schlicht weggespült. Sie kennen das, wenn ein Damm bricht, dann wird das Wasser reißend und die Lücke, sofern keine Gegenmaßnahmen getroffen werden, immer größer und größer. Das war die Situation damals.
Doch natürlich ist Liquidität nicht der einzige Faktor, der die Kurse bewegt. Kurzfristig setzten sich auch andere Faktoren durch: Da ist der Afghanistan- und Irakkrieg zu nennen, ohne die der Crash sicherlich schneller vorbei gewesen wäre. Dann die typischen Selbstläufer: Die sowieso schon fallenden Kurse bewirkten schlechte Nachrichten, die wiederum weiter fallende Kurse verursachten, etc, etc. Das heißt, wenn der Abfluss aus den Börsen hoch ist, muss natürlich der Zufluss zwischenzeitlich noch viel höher werden, damit der Wasserspiegel im See wieder ansteigen kann und so der Teufelskreis gestoppt wird. Merken muss man sich aber: Langfristig wird sich Liquidität immer durchsetzten!
2001-2003 reagierte die Fed mit immer niedrigeren Kursen. Sie trieb das Spiel so lange, bis endlich der Abfluss durch den Zufluss kompensiert wurden. Aufgrund der Intensität der Baisse und die dadurch drohenden Gefahren für die US-Wirtschaft musste sie dazu die Zinsen dramatisch senken.
Die Liquidität überschwemmte alles
Und tatsächlich, als ein wichtiger kurzfristiger Faktor den Markt nicht mehr belastete (Irakkrieg), ging alles sehr schnell. Sie erinnern sich: Die Märkte erholten sich schnell und alle Anlageklassen wurden mit Liquidität überschwemmt. In dieser Zeit kam es zu einem sehr seltenen Ereignis, das ganz deutlich diese Liquiditätsschwemme anzeigte: Es stieg alles gleichzeitig an, was nur ansteigen konnte – einträchtig stiegen Aktien, Rohstoffe, Edelmetalle, Bonds, Emerging Markets und natürlich die Häuserpreise im US-Immobilienmarkt.
Damit es nun nicht auf der anderen Seite zu einer Überschwemmung kam, die auch wiederum gefährlich für die US-Wirtschaft gewesen wäre (galoppierende Inflation), musste die Fed den Zufluss wieder vorsichtig, aber bestimmt begrenzen. Und zwar solange, wie deutlich mehr Geld zufloss als abfloss. Sprich, solange die Märkte weiter stiegen und die US-Wirtschaft brummte. Die Fed reagierte also, nachdem in 2004 klar war, dass die Märkte dynamisch gestiegen waren, indem Sie einen Zinsschritt nach dem anderen austestete - ohne Unterbrechung.
Und erst Mitte 2006 haben die Zinsen wieder ein „Normalniveau“ erreicht. Bis dahin waren sie so niedrig, dass die Märkte trotz weiter steigender Zinsen immer noch mit ausreichend Liquidität versorgt wurden.
Kurz: Die Fed hat also bis 2003 alle Hähne aufgedreht und versucht seit 2004 wieder das Normalniveau zu erreichen – nichts anderes ist in den letzten 7 Jahren geschehen.
Man sieht deutlich, wie die Fed auf die Kursveränderungen im S&P500 reagiert. Die fallenden Kurse führten zu sinkenden Zinsen und die steigenden Kurse dann wieder zu einer Normalisierung. In der ganzen Zeit von 2003 bis 2006 hatten wir dabei ein Niedrigzinsumfeld, sprich die Märkte konnten aufgrund der Liquidität weiter steigen.
Rückkehr zur Normalität
Und darum geht es im Moment an den Börsen. Die Zinsen in den USA sind bei 5,25 %. Ein Niveau, das man aus der historischen Betrachtung als „neutral“ bezeichnen muss. Das bedeutet, der Geldzufluss hält sich in etwa die Waage mit dem Geldabfluss. Wie gesagt, es gibt noch andere Faktoren, andere Zuflüsse. Auch ohne niedrige Zinsen kann Geld dann in einen Markt fließen, wenn viele Anleger sich hohe Renditen versprechen und sich in ihrer Anlageentscheidung für den Aktienmarkt entscheiden. Das wäre zum Beispiel dann der Fall, wenn viele Anleger mit einer stark steigenden Wirtschaft 2008 rechnen (siehe z.B. WM-Effekt 2006 in Deutschland).
Und genau hier steht die Fed. Die Fed wartet zurzeit ab, ob sie bei dem aktuellen Niveau bleiben kann, die Wirtschaft und die Börse sich also auch ohne monetäre Unterstützung robust zeigen oder ob doch Maßnahmen in Form von Zinssenkungen notwendig sind, um den Markt und die Wirtschaft erneut zu stützen.
Alles, worauf Sie achten müssen
Und tatsächlich, eigentlich müssen Sie nur darauf achten, ob niedrige Zinsen im Zusammenhang mit der Marktstimmung mehr Geld in den Markt spülen oder aber aufgrund zu hoher Zinsen mehr Geld aus dem Markt abfließen wird. Das ist eigentlich alles, was Sie wissen müssen, um langfristig an den Märkt erfolgreich zu sein – sehr erfolgreich.
Da wir aktuell in einem neutralen Bereich stehen (der für größere Neuinvestitionen eher nicht geeignet ist), ist es deswegen auch für die Märkte so wichtig, ob es zu weiteren Zinserhöhungen aufgrund der Inflationsgefahren kommen wird. Passiert das, verlassen wir den neutralen Bereich. Bei zu hohen Zinsen, spätestens ab 6 %, werden Anleger ihr Geld lieber festverzinslich anlegen, als es dem Aktienmarkt in den Rachen zu schmeißen. Für andere Investoren wird das Risiko zu hoch, sich Geld zu leihen, um es zu investieren. Dann würden wir vielleicht eine ähnliche Entwicklung wie 2000-2001 erleben (siehe Chart), nur dass dann hoffentlich kein Anschlag für weitere Turbulenzen sorgt.
Senkt die Fed jedoch die Zinsen aufgrund schlechter Wirtschaftsdaten (z.B. ISM Index) bei einer moderaten Inflation wieder, dann wird das wieder neues und frisches Geld in die Börsen spülen. Die Kurse können steigen.
Natürlich können kurzfristig, wie gesagt, auch andere Faktoren den Markt beeinflussen. Zum Beispiel wenn die Carry Trades durch plötzlich auftauchende Umstände schnell abgebaut werden. Dann käme es zunächst zu einem kurzen Einbruch, die Fed würde mit niedrigen Zinsen reagieren und wir hätten ein prima Einstiegsignal.
Der oben beschriebene Vergleich ist der Grund, warum die Märkte und auch ich so sehr auf die Wirtschaftsdaten achten. Einfach, um prognostizieren zu können, wie die Fed agieren wird.
Denken Sie also bei Ihren Anlageentscheidungen immer an den Börsensee. Erreichen die US-Leitzinsen ein niedriges Niveau, dann können Sie fast blind kaufen. Steigen sie zu sehr, müssen Sie vorsichtig werden. Dann müssen Sie nur noch einige anderen Faktoren (z.B. Krieg, Sentiment, Ölpreis, Deflation, etc) im Auge behalten, welche den Zufluss beeinträchtigen könnten und schon wissen Sie, was zu tun ist.
Thats it
Ihr
Jochen Steffens
