Ein vergessener Jahrestag kommt zu seinem Recht
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 11. April 2005 18:00 Uhr
ENL5454
Anfang des Monats – genauer gesagt am 2. April – hatten wir einen wichtigen Jahrestag. Thomas Woodrow Wilson stand an diesem Tag im Jahr 1917 vor dem versammelten Kongress. "Wir müssen die aufgeregten Gefühle aufgreifen", sage der US-Präsident und stimmte daraufhin zu einer hetzerischen Tirade an. Wilson versuchte den Kongress dazu zu bringen, Deutschland den Krieg zu erklären. Die Hunnen, sagte er, würden von einer "selbstsüchtigen und autokratischen Macht" regiert.
In Europa herrschte Krieg und Deutschland hatte versucht, mit U-Booten – der einzigen Waffe, die sie hatten – die englischen Häfen zu blockieren. Es war riskant, zu dieser Zeit nach England zu segeln, besonders dann, wenn das Schiff Waffen geladen hatte und jeder darüber Bescheid wusste. Die Engländer blockierten auch die deutschen Häfen. Der einzige Unterschied war, dass die Engländer eine größere Kriegsflotte hatten und die Sache besser beherrschten. Versuche gegen ihre Blockaden anzukommen, bedeuteten den fast sicheren Tod; deshalb wurde es nur von wenigen Schiffen gewagt.
Es war eine lange und komplizierte Geschichte. Rückblickend hätten die Amerikaner vielleicht besser daran getan, sich um die eigenen Angelegenheiten zu kümmern. Robert La Folette wusste das. Er sagte allen, die ihm zuhörten, dass der Kampf in Europa sich am ehesten als politische und wirtschaftliche Auseinandersetzung zwischen England und Deutschland verstehen ließe.
Aber Woodrow Wilson hatte seine eigenen Pläne. "Die Zivilisation selbst" schien in Frage gestellt, sagte er zu den Politikern. "Wir sollten für die Dinge, die wir schon immer in unseren Herzen getragen haben, kämpfen. Für die Demokratie, dafür, dass diejenigen, die von einer Regierung regiert werden, auch ein Mitspracherecht haben. Für die Rechte und Freiheiten der kleineren Nationen [er hat Mexiko, Puerto Rico und Nicaragua in diesem Zusammenhang nicht erwähnt – Länder, in die er bereits seine Truppen entsandt hatte, um sich in die innerpolitischen Konflikte einzumischen]. Und dafür, dass auf der ganzen Welt das Recht regiert, und dass alle freien Menschen eine Übereinkunft treffen, die den Nationen Sicherheit gibt und die Welt schließlich in die Freiheit führt."
Als er seine Rede beendet hatte, standen die meisten der Untiere auf den Beinen und jubelten. Tränen strömten über viele Kinnbacken. Endlich würden die Amerikaner in den Krieg ziehen. Es waren bereits 2 Millionen Menschen in diesem Krieg gestorben. Wofür wusste niemand so recht. Wilson musste auf Schwulst und viele Worte zurückgreifen, um es zu erklären. Aber jetzt war der glückliche Moment gekommen. Jetzt würden endlich auch Amerikaner sterben.
In den Zeitungen hat sich niemand an diesen Jahrestag erinnert. Wirklich schade.
Es lässt mich an die heutige Situation Amerikas denken. Stecken wir nicht in britischen Schuhen? Stehen wir nicht heute unserem eigenen Rivalen gegenüber – China?
Der Marktzyklus, die historischen Zyklen, sie sind wie die Frauen [an dieser Stelle wollen Sie, lieber Leser, vielleicht einen Stift holen und mitschreiben, damit sie mich später auch richtig zitieren], sie sind alle gleich und dennoch grundverschieden. Wenn die Preise hoch sind, dann wissen wir, dass sie fallen sollten, irgendwie, irgendwo, irgendwann. Wenn eine Nation auf zu hohem Ross sitzt, muss auch diese irgendwann wieder von dort oben herunterkommen. Denn alle Dinge vergehen. Alle Dinge verändern sich. Und alle Dinge segnen am Ende irgendwann das Zeitliche. Wie oder wann sie dahin kommen ist jedoch genauso verschieden, verwirrend und rätselhaft, wie jede Frau, die ich bislang getroffen habe.
Das ist doch etwas, über das man sich Gedanken machen kann.