Ein verändertes Land
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 10. Januar 2008 07:30 Uhr
ENL5454
„Der Boom bei den Sojabohnen hat Argentinien verändert“, sagte Francisco, ein Gaucho, der meine Ranch verwaltet. „Ich meine damit äußerlich. Das gute Land wurde einst für die Rinder verwendet. Und das ist der Grund, warum das argentinische Rindfleisch das beste weltweit ist. Wir hatten noch nicht einmal Weiden. Die Rinder haben sich einfach selbst an dem Gras rundgefressen.
Aber dann ist der Preis für Soja so weit gestiegen – und auch für andere Getreidesorten – dass die Farmer das nicht mehr außer Acht lassen konnten. Sie haben die Rinder verkauft und haben Soja angebaut… und sind reich geworden. Und das ist der Grund, warum es heute in Argentinien so viel Geld gibt.
Und das ist auch der Grund, warum sich der Preis für Land in den vergangenen beiden Jahren verdoppelt hat. Und die Leute kaufen immer noch. Denn selbst bei 5.000 Dollar pro Hektar, ist das Land hier immer noch günstiger als in den meisten anderen Teilen der Welt. Und wenn man die niedrigeren Arbeitslöhne mit einrechnet – und sogar die Spritpreise sind hier günstiger – dann sind wir weltweit die besten Produzenten für einige Dinge.
Nun, normalerweise schneidet Brasilien besser ab. Aber das Land in Argentinien ist flach und reich. Und die Farmer kommen aus Amerika, aus Neuseeland, aus Australien und Europa. Sie kaufen das Land. Und mit den Getreidepreisen von heute… kann man das Land in nur drei Jahren bezahlen.
Natürlich gehen die Preise für Farmprodukte auch wieder nach unten. Und es wird ihnen noch Leid tun, dass sie sich nicht an Rinder gehalten haben. Auch der Preis für Rindfleisch hat sich verdoppelt. Und wir bekommen heute fast doppelt so viel wie noch vor zwei Jahren.
“Doch es ist sehr viel leichter, von Rindfleisch auf Getreide umzustellen, als wieder zurück zu gehen. Man sagt, dass sie jetzt schon in Buenos Aires Getreide anbauen – und meint damit, dass man in der Stadt leben kann, und gleichzeitig eine Getreidefarm betreiben. Man trifft in jedem Jahr nur eine Hand voll Entscheidungen. Und die Farmer sehen ihr Land noch nicht einmal. Sie rufen einfach nur den Vorarbeiter an… oder den Auftragnehmer… und dann sagen sie ihm, was gepflanzt werden soll.“
“Doch wenn man eine Rinderfarm betreibt, dann muss man das Rind sehen. Man muss es kontrollieren, es berühren. Es markieren. Es impfen. Und sich darum kümmern, dass kein Tier krank wird. Man muss auch sicherstellen, dass sie ausreichend Wasser und Futter bekommen. Ganz besonders hier, wo es nicht sehr viel Futter und Wasser gibt.“
„Es gibt noch eine andere Redensart: ‚Es ist das Auge des Besitzers, was das Rind fett macht’. Das ist richtig. Man muss wirklich dafür arbeiten. Und aufmerksam sein. Und die Tiere gut auswählen. Und wenn man von Getreide auf Rinder umsatteln will, dann wird es einige Jahre dauern, ehe man wieder eine Herde aufgebaut hat. Und das ist der Grund, warum ich davon ausgehe, das wir die hohen Getreidepreise nur kurzfristig sehen werden… aber die hohen Rindfleischpreise deutlich länger.“
Francisco ist kein Wirtschaftswissenschaftler. Sein Kopf ist frei von Unsinn und Hokuspokus. Und davon abgesehen hat er draußen in den Ebenen auch Zeit nachzudenken.
Aber er hat vermutlich nicht ausreichend über den Unterschied zwischen dem Nominalpreis und dem effektiven Preisen nachgedacht. Wenn so viele Leute so viel Weizen und Soja anbauen, dann sollte man davon ausgehen, dass die Preise fallen. Und es ist sehr gut möglich, dass der Nominalpreis von Getreide steigt… während der Preis effektiv (angepasst an die Inflation anderer Preise) fällt.