Ein Update zu den „Carry Trades"
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 5. Dezember 2008, 12:00 Uhr
ENL5454
*** Ein wesentlicher Grund für die weltweiten Kursrückgänge an den Aktienbörsen war bekanntlich - Trader´s Daily-Leser(innen) wissen mehr - die Rückführung der „Carry Trades".
Mit den „Carry Trades" wird dies bezeichnet (auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole, doch wichtiges Thema):
Große Spekulanten (Hedgefonds, Institutionelle...) haben sich in japanischen Yen verschuldet, zu Zinsen von teilweise weniger als 1%, und haben mit diesem Geld weltweit Aktien und Anleihen gekauft. Das brachte nur Gewinn, solange a) die gekauften Titel stiegen und b) der Yen nicht deutlich aufwertete. Beides änderte sich, die Carry Trades wurden entsprechend massiv zurückgefahren.
Das bedeutete in den letzten Wochen und Monaten: Verkauf der mit den Yen-Krediten gekauften Anlagen, Tilgung der in Yen anfallenden Schulden. Dies führte natürlich zu Druck auf die „mit Yen-Krediten gekauften Anlagen".
Dazu gibt es mittlerweile auch Zahlen, die diese Entwicklung belegen.
*** Konkret: Die aus japanischer Sicht erfolgten Fremdwährungsanlagen (mit Yen wurden Papiere in fremder Währung gekauft, wie USD oder EUR) sind von 38 Billionen Yen im Oktober 2007 auf unter 30 Billionen Yen im Oktober 2008 gefallen.
Und die amerikanische Behörde CFTC (www.ctfc.gov) meldet: Bei den Yen-Futures besteht von Seiten der großen Spekulanten keine Netto-Short-Position mehr (was bedeuten würde, dass diese Yen verkaufen und dafür Anlagen in anderer Währung kaufen) - sondern im Gegenteil, eine Netto-Long-Positonierung (was tendenziell bedeutet, dass Yen gekauft und dafür Fremdwährungsanlagen verkauft werden).
Diese Zahlen stützen diese Aussage: Die Rückwicklung der Carry Trades ist noch nicht abgeschlossen.
Von dieser Seite aus also keine Entwarnung für die großen Weltbörsen.
Ich wünsche Ihnen ein angenehmes Wochenende!
Ihr
Michael Vaupel