Ein Tropfen im Eimer
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 27. Oktober 2004 18:00 Uhr
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Es sei nur "ein Tropfen im Eimer", so Stephen Roach von Morgan Stanley. Er spricht über den bisherigen Dollar-Kursverlust. Seit Januar 2002 hat der Dollar gegenüber dem Euro fast 50 % verloren. Was mich zu der Frage führt, wie groß dieser Eimer ist ... und wie viele Tropfen da noch reinpassen.
Ja, liebe(r) Leser(in), jetzt passiert wieder etwas. Oh Freude! Wie langweilig war der Sommer. Nichts passierte. Aber jetzt ... ooh là là ... jetzt hat sich der Wind gedreht.
Eine Woche vor der Wahl fiel der Dow Jones auf ein neues Jahrestief. Kein Präsident ist jemals wiedergewählt worden, wenn der Dow Jones im Wahljahr gefallen ist. Aber wir werden es sehen.
Und das Gold? Ja, der Goldpreis steigt wieder, und der Dollar fällt. Aktuell steht der Goldpreis bei rund 425 Dollar.
Und jetzt mögen Sie sich fragen, was vor sich geht. Ich werde es Ihnen sagen ... zumindest werde ich Ihnen eine Theorie präsentieren.
Zunächst einmal führten das Internet, der starke Dollar und die billigen Kredite der Fed zum großen Bullenmarkt der Jahre 1975-2000. Alan Greenspan warnte in den 1990er vor "irrationalen Übertreibungen" – da stand der Dow Jones noch unter 5.000 Punkten. Er wurde umgehend vor den Kongress zitiert, wo ihn die Politiker daran erinnerten, was er zu tun habe; irrationale Übertreibungen waren genau das, was sie wollten!
Deshalb hörte der Fed-Vorsitzende damit auf, sich Sorgen über einen Crash am Aktienmarkt zu machen, und er redete die "New Economy" schön. Der Dow Jones stieg auf über 12.000 Punkte, bevor er schließlich im Januar 2000 sein Topp erreicht hatte.
Diese Erfahrung hatte zu einer Vorliebe der Amerikaner für Spekulationsblasen geführt. Sie hatten viele Jahre lang etwas für nichts erhalten; davon wollten sie mehr.
Deshalb ließ die Fed unter Greenspan nicht den Bärenmarkt seinen Weg laufen, sondern senkte die Leitzinsen – so tief, dass sie unter der Inflationsrate lagen. Im Endeffekt vergab die Zentralbank der größten Volkswirtschaft der Welt Geld zu negativen Realzinsen. Niemals zuvor hatte die Welt eine solche Politik des leichten Geldes gesehen. Und niemals zuvor gefiel es der Welt so gut.
Das hatte zwei größere Konsequenzen. Es führte zu einer weltweiten Immobilien-Spekulationsblase. In den USA waren die Immobilienpreise jahrzehntelang nur so stark wie die Inflationsrate gestiegen, aber plötzlich stiegen sie 2 oder 3 Mal so schnell. In bestimmten Gegenden stiegen sie fast 10 Mal so schnell wie die allgemeine Inflationsrate.
Die Hausbesitzer dachten, dass sie reich würden. Sie erhöhten ihre bestehenden Hypotheken und gaben dieses zusätzliche Geld aus – hauptsächlich für Güter aus Asien. Das führte zu einer neuen Blase, bei den asiatischen Produzenten. Asien industrialisierte sich, mit halsbrecherischem Tempo. Also während die Amerikaner Dinge, die sie nicht brauchten, mit Geld, das sie nicht hatten, kauften – da bauten die Asiaten Fabriken, um eine Nachfrage, die es real gar nicht gab, befriedigen zu können. Aus Asien kommen so viele mit Gütern beladene Schiffe an die amerikanische Westküste, dass es dort "wie beim D-Day" aussehe, so ein Beobachter. Und in Houston gibt es soviel Eisenbahnverkehr, dass der kaum noch zu handhaben ist.
Das ist eine nicht haltbare Situation. Aber sie funktioniert ... solange nichts passiert, um das zu stören.
Und jetzt passiert etwas.
Ooh la la ...