Ein Tojo Moment

in Kapitalschutz Akte zum Thema Weitere Börsenthemen
vom


Die japanische Zentralbank hat sich wohl an den japanischen General Tojo erinnert.

In den 1930ern hat sich der Japanische Wohlstandsraum" stark erweitert, denn die japanische kaiserliche Armee marschierte durch Asien. Aber als sich ihre Nachschublinien immer mehr in die Länge zogen, wurde Japan auch immer verwundbarer gegenüber einem Eingriff der US Navy. Doch statt seine Ziele zu begrenzen, ergriff Tojo Hideki die Flucht nach vorne und bombardierte Pearl Harbour.


Eines der ewigen Rätsel der Geschichte ist es, warum kluge Menschen so dumme Dinge tun. Ich habe darauf keine Antwort, aber ich bin glücklich zu sehen, dass die Bank of Japan, die amerikanische Fed und die Europäische Zentralbank nun handeln. Das sollte unterhaltsam werden. Banker tendieren dazu, langweilig und vorsichtig zu sein. Sie halten ihre Hosen mit Gürteln und Hosenträgern. Einerseits...andererseits..." sagen sie, sie sichern sich ab. Und jeder von ihnen hat zwei Arme! Was für eine Freude, diese vorsichtigen Pedanten nun gewagte und dumme Handlungen tun zu sehen.

Die japanische Volkswirtschaft war jetzt 20 Jahre lang unter Wasser. Das muss denen doch langweilig geworden sein. Nach der schweren See des Crashs im Jahr 1980 ist ihnen Salzwasser in die Lungen gekommen, Banken wurden überflutet. Dann hat Japan all seine monetären und fiskalpolitischen Hilfsmittel genommen, um das Boot über Wasser zu halten. Inklusive quantitative easing.

Weder erholte sich die Wirtschaft, noch sank sie.

Im Westen kam der Sturm erst vor drei Jahren auf. Lehman Brothers ging Pleite. Billionen Dollar Vermögen wurden über Bord gespült. Aber das große Schiff des modernen, degenerierten, halb-staatlichen Kapitalismus fährt immer noch...es wird mit Pumpen über Wassern gehalten, wie in Japan.

Und jetzt, wo das Schiff immer mehr sinkt, werden die Admiräle verzweifelt. Die Japaner wollen nun die Politik des quantitative easing" aggressiver betreiben. Das, was sie bis jetzt in diesem Bereich durchführen wollten - Volumen 60 Milliarden Dollar - ist trivial. Sie sagen, dass sie ein größeres Ziel brauchen....die Leitzinsen fast auf Null senken...und die da lassen, bis die Deflation besiegt ist.

Und auch die EZB unternimmt gewisse Maßnahmen in diese Richtung. So hat sie 1,4 Mrd. Euro für Irland ausgegeben, um zu verhindern, dass dieses arme kleine Irland innerhalb einer Minute unter den Wellen des Atlantiks begraben wird.


Und in den USA sieht es so aus, als ob die Fed auf ihrer nächsten Sitzung einen weiteren Anlauf in Bezug auf quantiative easing" unternehmen wird.

von
Bill Bonner
Bill Bonner

Bill Bonner ist einer der anerkanntesten Finanzexperten der USA und Bestseller-Autor. Bei uns schreibt er regelmäßig im Börsen-Newsletter Kapitalschutz Akte.


Artikel bewerten
Durschnittliche Wertung:
0 Sterne
Wertungen:
0 insgesamt
Artikel weiterempfehlen
Kommentar abgeben

* = Pflichtfeld, bitte unbedingt ausfüllen

Kommentare Kommentar abgeben

Kommentar von Dr Gunther Kümel

Es kommt in Ihrem Text zwar nicht darauf an; aber ich will Ihnen doch sagen, warum Japan 1941 die Flucht nach vorne antrat. Roosevelt wollte unbedingt Krieg gegen die Achsenmächte, die Öffentlichkeit wollte das absolut nicht. Er hatte selbst mit veritablen Kriegsakten ("shoot on sight!") Deutschland nicht zu einer Kriegserklärung nötigen können. Also brachte er Japan durch ein umfassendes Embargo (Öl) in eine verzweifelte Lage. Nicht einmal das Angebot der japanischen Delegation, die japanischen Truppen auf das Mutterland zurückzuziehen, änderte etwas an der Haltung Roosevelts. Das führte zur Flucht nach vorne. Allerdings hatten die Amerikaner den japanischen Funkcode entschlüsselt und wußten bis ins Detail von dem Angriff. Sie hätten dieses Wissen bloß veröffentlichen müssen, um ihn sicher zu verhindern. Statt dessen zog Roosevelt die größten Pötte aus Pearl Harbour ab, warnte aber den lokalen General keineswegs vor der Gefahr, ja, er verhinderte aktiv, daß die eigene Mannschaft in Paearl Harbour von den Vorgängen erfuhr. So brachte er die widerstrebende Öffentlichkeit hinter sein Vorhaben, in den Krieg einzutreten, und erreichte so auch die Kriegserklärung Deutschlands (Tansill: "Die Hintertür zum Krieg").

Antworten
Antwort von Johann Stering:

Eines der ewigen Rätsel der Geschichte ist es, warum kluge Menschen so dumme Dinge tun --> weil nicht schnell genug, kann ich Dr. Kümmel nur bestätigen. Das gehört zu den Kriegsvorwänden wie die Lusitania für WK 1(wo die Zeitungen die Warnungen der dt. Botschaft unterschlugen) oder der Tonkin-"Zwischenfall" für Vietnam u. v.a., mehr, was die USA -Eliten für Kriegsvorwände brauchten