Ein tobender Bulle(nmarkt) - Teil 1
Gary Dorsch in Traders Daily
vom 3. Juni 2008, 13:18 Uhr
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In einem Interview mit dem Daily Telegraph sagte George Soros, dass ein schwacher Dollar, das schrumpfende Angebot von den alternden Ölfeldern, die Subventionen für Brennstoffe von Seiten der Regierung und eine Rekordnachfrage aus Indien und China den parabelförmigen Anstieg der Energiepreise erklären könnte.
Gleichzeitig wies er aber auch darauf hin, dass der Rohölmarkt in auffälliger Weise durch Spekulationen aufgebläht sei. „Die Spekulationen haben einen immer stärkeren Einfluss auf die Preise, die eine parabelartige Form annehmen. Diese Form ist ein Charakteristikum von Blasen."
Doch Soros warnte, dass eine Ölblase nicht platzen würde, solange die Vereinigten Staaten und die britischen Ökonomien nicht in eine Rezession abrutschen, woraufhin die Ölpreise dann dramatisch einbrechen könnten: „Man darf auch damit rechnen, dass die Blase irgendwann eine Korrektur erfahren wird, dies ist jedoch nicht wahrscheinlich, ehe nicht eine Rezession auch wirklich die Nachfrage reduziert. Der Anstieg der Preise von Öl und Lebensmitteln wird dazu führen, dass die Rezession noch schwerer und wirkungsvoller ausfällt."
Es ist gefährlich in einem wütenden Bullenmarkt nach der Spitze zu greifen, da Blasen sich weiter ausdehnen können, als sich irgendjemand vorher hätte ausmalen können. Am 20. Mai sagte T-Boone Pickens gegenüber dem Sender CNBC, dass er damit rechnen würde, dass der Ölpreis auch weiterhin steigen würde: „Ich gehe davon aus, dass er in diesem Jahr noch die 150 Dollar Marke erreicht haben wird", stellte er fest.
Am nächsten Tag forderte der bald abzusetzende israelische Premierminister Ehud Olmert eine Marineblockade des Iran durch die Vereinigten Staaten. Wenn es dazu kommt, dann könnte der Ölpreis bald die 200 Dollar pro Barrel erreichen.
Wer sorgt dafür, dass sich die Blase am weltweiten Ölmarkt ausdehnt? Die amerikanische Zentralbank ist der Hauptschuldige, weil sie den Leitzinssatz von 325 Basispunkten auf negative 2%- angepasst an die Inflation - gesenkt hat und die amerikanische Geldmenge M3 gegenüber dem Vorjahr um 16,5% erhöht hat.
Grund dafür war der verzweifelt Versuch, ein Abrutschen des untergehenden amerikanischen Bankensektors zu stoppen. Indem man die Zinssätze bis in den negativen Bereich hinein senkte, hoffte die Zentralbank, zu mehr Spekulation bei den Rohstoffen anzuregen. Indem sie den Dollar nach unten drückt, wollte sie die Preise für die auf den Dollar notierten Rohstoffe nach oben treiben - so auch die Preise von Rohöl und Gold.
Bislang haben die aggressiven Zinssenkungen der Zentralbank noch keine nennenswerte Zugkraft am S&P Bankenindex zur Folge gehabt. Dieser liegt auch weiterhin in der Nähe der Tiefstwerte aus dem Monat Mai danieder und damit um 40% unter den Werten von vor einem Jahr. Damals hatten die Banken Hunderte von Milliarden an Verlusten aufgrund der giftig gewordenen minderwertigen amerikanischen Hypothekenschulden bekannt machen müssen.
Das einseitige Interesse der Zentralbank an einer Rettung des Bankensektors - ohne sich dabei um die inflationären Folgen des eigenen Tuns zu kümmern - hat dazu geführt, dass die „Hüter des Rohöls" aufgetaucht sind. Sie bestrafen die Zentralbanker mit deutlich höheren Ölpreisen, immer dann, wenn diese auf eine missbräuchliche Weise mit der Geldmenge umgehen.