Ein tobender Bulle(nmarkt) – Teil 2
Gary Dorsch in Traders Daily
vom 4. Juni 2008, 12:00 Uhr
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In der Vergangenheit hat ein scharfer Konjunkturrückgang in der amerikanischen Wirtschaft - dem größten Ölschlucker der Welt - normalerweise regelmäßig dazu geführt, dass die Preise von Rohöl und anderen Rohstoffen nach unten gedrückt wurden. Aber die Zentralbank wurde vollständig überrascht, als sich die Ölpreise verdoppelten, und das zu einem Zeitpunkt, zu dem die amerikanische Wirtschaft im ersten Quartal in eine Rezession abrutschte.
Der aktuelle Ölpreis steht in keinerlei Bezug zu den Grundlagen des Marktes", erklärte der saudische Ölchef Ali al-Naimi am 5. März. „Er ist an eine gewaltige Spekulation auf die Rohölfutures gekoppelt. Es gibt sogar Spekulanten, die Futures kaufen und darauf spekulieren, dass der Ölpreis bis zum Jahr 2013 die 200 Dollar Marke erreicht haben wird", sagte er.
Am 28. April 2008 stellte der Chef der OPEC, Chakib Khelil fest, dass die Rohölpreise steigen; „obwohl das Angebot angemessen ist, denn der Markt wird vom Abrutschen des Dollars getrieben. Jedes Mal wenn der Dollar um eine Prozentpunkt fällt, steigt gleichzeitig der Preis eines Barrels Öl um 4% und umgekehrt. Wenn der Dollar sich also z.B. um 10% erholen würde, dann besteht die Wahrscheinlichkeit, dass die Ölpreise um 40% fallen werden", stellte er fest.
Doch eine so einfache Logik hat ihre Grenzen. China, Indien, Russland und der Nahe Osten verbrauchen heute zusammen mehr Rohöl als die Vereinigten Staaten. Sie verbrennen am Tag 20,7 Millionen Barrel, das ist ein Anstieg von 4% gegenüber dem Vorjahr, heißt es von der Internationalen Energieagentur.
Die Schwellenökonomien gleichen den Durchhang des Ölmarktes aus. Sie können eine Kontraktion der amerikanischen Nachfrage nach Öl um 1,3% auf 20,3 Millionen Barrel in diesem Jahr mehr als ausgleichen. Somit ist es durchaus möglich, dass eine milde Rezession in den westlichen Ökonomien und in Japan die weltweite Nachfrage nach Öl nicht schwächt.
Und die großen ölexportierenden Länder wie Russland, Mexiko und auch die OPEC selbst wachsen so schnell, dass der eigene Energiebedarf innerhalb der Landesgrenzen die Menge des Öls beschränken wird, die man ins Ausland verkaufen kann. Die landeseigene Nachfrage in Saudi Arabien, in Russland, in Norwegen, im Iran und in den Vereinigten Arabischen Emiraten ist im vergangenen Jahr um 6% angestiegen.
Die Exporte aus diesen Ländern sind im gleichen Jahr um 3 % zurückgegangen. Mexikos Output fiel im Vergleich zum Vorjahr in den ersten vier Monaten des Jahres 2008 um 9%. Wenn diese Trends auch weiterhin andauern sollten, dann könnten die weltweiten Rohölexporte bis Ende 2010 um 2,5 Millionen Barrel am Tag zurückgehen. Das würde für den weltweiten Ölmarkt weitere Sorgen bedeuten.
Wenn die Rohölspekulanten des Nymex das "schwarze Gold" als einen Schutz gegen den Fall des Dollars gegenüber dem Euro kaufen, die Reservewährung Nr. 2, dann haben die Trader iN London North Sea Brent als einen Schutz gegen die Entwertung des britischen Pfunds gegenüber dem Dollar gekauft.
Die Bank of England hat die scharfe Entwertung des Pfunds gegenüber dem Euro hervorgerufen, indem sie es der amerikanischen Zentralbank, mit ihren wahnsinnigen Zinssenkungen im vergangenen November gleich tat, mit einer Senkung des Leitzinssatzes um einen Viertel-Punkt auf 5%.