Ein Staatsbankrott trifft Sie ganz persönlich (Teil 1 von 4)

Claus Vogt (Chefredakteur "Sicheres Geld") in Investoren Wissen zum Thema Finanzkrise
vom


„Der Irrsinn ist bei Einzelnen etwas Seltenes – aber bei Gruppen, Parteien, Völkern, Zeiten die Regel.“ - Friedrich Nietzsche

Nahezu weltweit bestand – und besteht – die politische Antwort auf die geplatzte Immobilienblase und die dadurch ausgelöste Finanz- und Wirtschaftskrise in einer staatlichen Schuldenorgie, wie es sie in Friedenszeiten noch nicht gegeben hat. Zwei Gründe tragen zu dieser Entwicklung maßgeblich bei. Erstens der Glaube an die Überlegenheit von Staat und Bürokratie. Zweitens die Zyklik der Staatsfinanzen.

 

Der Glaube an den Staat führt in die Schuldenfalle

Nahezu alle zeitgenössischen Politiker jeder Couleur fühlen sich berufen, eine hyperaktive Wirtschaftspolitik zu betreiben. Sie glauben fest an die Möglichkeit und Sinnhaftigkeit einer keynesianischen Wirtschaftssteuerung und werden von namhaften Wirtschaftswissenschaftlern, die nahezu immer von Staatsgeldern leben, in diesem Glauben bestärkt. Sie und die von ihnen beratenen Politiker scheinen zu glauben, dass der Staat mit seiner schwerfälligen Bürokratie und seinen auf Mehrheitsbeschlüssen und Kompromissen beruhenden Entscheidungen bessere (vermeintlich gerechtere) Ergebnissen des Wirtschaftsprozesses herbeiführen kann als unternehmerische, marktwirtschaftliche Entscheidungen.

Dabei scheint es keine Rolle zu spielen, wie stark die empirischen Belege und die theoretischen Einwände sind, die gegen diese absurde These sprechen. Die Gläubigen sind unbelehrbar. Sie lassen sich durch Tatsachen und Logik nicht beeindrucken und setzen den eingeschlagenen Weg unbeeindruckt fort. Auch jetzt, nachdem die Krise der vergangenen Jahre sie eigentlich eines Besseren hätte belehren müssen.

 

Offizielle US-Staatsverschuldung in Mrd. Dollar, 1966 bis 2010

Anstatt zur Vernunft zu kommen, findet das Gegenteil statt: Der irrationale Glaube an die politische Machbarkeit von Wirtschaftswachstum und Wohlstandsschaffung erreicht neue Höhen. Die eigentlichen Ursachen der Krise – eine monströs falsche Geld- und Fiskalpolitik – werden nicht erkannt oder verdrängt. Stattdessen wird mit Hochdruck die Fortsetzung der falschen Geld- und Fiskalpolitik als Lösung eines Problems vermarktet, das es ohne eben diese Politik nicht geben würde. Der Alkoholiker soll mit Schnaps geheilt werden. Alle Beteiligten halten diese groteske Idee für eine geniale Therapie.

 

Die alle Parteien umfassende große Koalition der Schuldenmacher

Weltweit herrscht derzeit eine alle Parteien umfassende große Koalition wirtschaftspolitischer Hybris, eine große Koalition der Schuldenmacherei, eine große Koalition der Verantwortungslosigkeit. In diesem Sinne wurden als Antwort auf die Krise geld- und fiskalpolitische Maßnahmen beschlossen, die weit über alles hinausgehen, was die Welt bisher gesehen hat. Die Politik hat ein finanz- und wirtschaftspolitisches Experiment begonnen, dessen Ausgang dramatische Auswirkungen auf die Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft haben wird.

80 Jahre nach dem Beginn der Weltwirtschaftskrise und 65 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkriegs leben wir in spannenden, ja angespannten Zeiten. Wir vermuten, dass die kommenden vier Jahre die Entscheidung bringen werden, ob das 1971 begonnene Experiment weltweit ungedeckter Papierwährungen noch einmal verlängert werden kann oder ob der Zeitpunkt gekommen ist, an dem es das dramatische Ende nehmen wird, das von vielen weitsichtigen Denkern von Anfang an befürchtet wurde.

 

Offizielle US-Staatsverschuldung pro Kopf der Bevölkerung, 1929 bis 2009

 

Das größte wirtschaftspolitische Experiment seit dem Kommunismus

Am 15. August 1971 beschloss die US-Regierung die Beseitigung des letzten Restes einer goldgedeckten Währung, also das Ende des Bretton-Woods-Währungssystems. Seither gibt es weltweit ein System vollkommen ungedeckter Papierwährungen, deren Werthaltigkeit ausschließlich auf dem nicht erzwingbaren Wohlverhalten von Politikern beruht.

Diese revolutionäre Veränderung war und ist die Voraussetzung für das gewaltige Geldmengen- und Schuldenwachstum der vergangenen Jahrzehnte sowie für die riesigen wirtschaftlichen Ungleichgewichte und Exzesse der vergangenen Jahre. Nur mit einer ungedeckten Währung ist es für einen Staat möglich, derart über seine Verhältnisse zu leben, wie es die meisten Staaten seither tun. Eine goldgedeckte Währung legt Politikern gewissermaßen fiskalpolitische Zügel an, zwingt sie zu einem seriösen Finanzgebaren. Erst der Wegfall dieser Zügel ermöglicht es dem weiter unten beschriebenen Anreizmechanismus, seine Wirkung zu entfalten und den Weg in die Schuldenspirale einzuschlagen.

Die weltweite Einführung ungedeckter Währungen sehen wir als den eigentlichen Sündenfall an, als das größte wirtschaftspolitische Experiment seit der Einführung des Kommunismus. Alles, was danach geschehen ist, lässt sich nur vor dem Hintergrund dieses Weltwährungssystems verstehen. Das gilt auch für die beiden riesigen Spekulationsblasen der vergangenen 15 Jahre und für die Handelsbilanz-Ungleichgewichte, die nur Spiegelbilder unhaltbarer Handelsbeziehungen sind.



Es sind aber nicht nur die als Antwort auf die Krise beschlossenen Maßnahmen, die zur Zerrüttung der Staatsfinanzen führen. Die wirtschaftspolitischen Stabilisatoren, die vor Jahrzehnten eingeführt wurden und automatisch wirksam werden, tragen ebenso dazu bei. Insbesondere die steigende Arbeitslosigkeit führt zu explodierenden Staatsausgaben im Rahmen der Sozialsysteme. Gleichzeitig bedeutet eine rückläufige Wirtschaftsleistung aufgrund von Steuerausfällen ebenfalls rückläufige Staatseinnahmen.

 

 

ANMERKUNG DER REDAKTION:

Claus Vogt ist institutioneller Anleger, Bestseller-Autor und Chefredakteur des Börsendienstes "Sicheres Geld". Herr Vogt hat die Krise frühzeitig vorausgesehen und wiederholt vor ihr gewarnt. Während viele Anleger 2008 ihr Portfolio stark schrumpfen sahen, empfahl er stark profitable Kriseninvestments und zeigte seinen Lesern, wie sie sich effektiv absichern können.

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