Ein Staatsbankrott trifft Sie ganz persönlich (Teil 3 von 4)
Claus Vogt (Chefredakteur "Sicheres Geld") in Investoren Wissen
vom 5. März 2010, 16:00 Uhr
ENL5462
(Fortsetzung des Artikels vom Mittwoch. den 03.03.2010)
Schauen wir auf die USA, lernen wir auch Deutschland kennen
Werfen wir zunächst einen Blick auf die aktuelle Lage, schauen wir uns zunächst die explizite Staatsverschuldung verschiedener Länder bezogen auf ihr Bruttoinlandsprodukt (BIP) einmal an.
Unangefochtener Spitzenreiter ist Japan mit 190%. Es folgen Island, Italien und Griechenland mit jeweils rund 115%. Dann kommt eine große Gruppe von Ländern, deren offizielle Staatsverschuldung zwischen 50% und 85% des BIP liegt. Dazu gehören die USA mit 85% und Deutschland mit 73%. Der Unterschied des Verschuldungsgrads dieser beiden Länder ist also gering. Insofern kann vieles, das wir in Bezug auf die Vereinigten Staaten schreiben, problemlos auf Deutschland übertragen werden.
Das gilt umso mehr, als die USA noch immer unangefochten der globale Leithammel und das mächtigste, wichtigste Land der Welt sind. Was dort geschieht, bestimmt in einem großen Maß auch die Geschicke im Rest der Welt.

Die Krise der vergangenen Jahre hat diese Binsenweisheit, die zuvor kurz in Vergessenheit zu geraten drohte, noch einmal deutlich gemacht. Sie werden also gut daran tun, bei Ihren Analysen den Blick weiterhin dorthin zu richten.
Die explizite Staatsverschuldung
Die oben genannten Zahlen werden von Ökonomen als „explizite Staatsschulden“ bezeichnet. Dabei handelt es sich um vom Staat aufgenommene Kredite. Heutzutage findet diese Kreditaufnahme gewöhnlich an den Kapitalmärkten durch die Begebung von Staatsanleihen statt. Früher hingegen standen Staaten bei Banken in der Kreide. Diese Konstellation verschaffte so manchem Bankier großen politischen Einfluss. Der eine oder andere unglückliche Bankier musste seine exponierte Stellung allerdings mit dem Leben bezahlen, wenn ein skrupelloser Herrscher es vorzog, sich auf diese unchristliche Weise von seinen finanziellen Verpflichtungen zu befreien.
Mit dem IWF, der Weltbank und anderen supranationalen Instituten gibt es auch heute noch Banken, die Kredite an Staaten vergeben. Diese Banken befinden sich allerdings in staatlicher Hand und verfolgen mit ihrer Kreditvergabe mehr oder weniger klar definierte politische Ziele. Außerdem vergeben sie Kredite überwiegend dann, wenn ein dem Gewinnerzielungsprinzip verpflichteter Banker zu dem Ergebnis kommen müsste, den Kredit aufgrund mangelnder Kreditfähigkeit nicht zu gewähren. Die Staatsbanker schwafeln dann gewöhnlich von einem Marktversagen, das sie – natürlich auf Kosten der Steuerzahler – zum Eingreifen zwinge. Stets natürlich aufgrund übergeordneter, also höherer Ziele. Dabei scheint es den Bürokraten gar nicht in den Sinn zu kommen, dass ein Markt gerade dann nicht versagt, wenn er einem nicht kreditfähigen Kunden den gewünschten Kredit verwehrt.
Die implizite Staatsverschuldung
Neben der expliziten Staatsverschuldung gibt es allerdings noch erhebliche andere Zahlungsverpflichtungen des Staates. Sie werden als implizite Staatsverschuldung bezeichnet. Hierbei handelt es sich vor allem um Zahlungsverpflichtungen, die sich aus diversen umlagefinanzierten Sozialversicherungssystemen ergeben. Was genau verbirgt sich hinter diesem abstrakten Begriff?
Umlageverfahren nennt man Systeme, bei denen die aktive Generation der Beteiligten Beiträge einzahlt, die direkt an die nicht (mehr) Aktiven ausgezahlt werden, so wie es beispielsweise beim deutschen staatlichen Rentensystem der Fall ist. Der Staat tritt hierbei zunächst nur als Vermittler auf, der die Transferzahlungen durchführt, überwacht und vor allem natürlich erzwingt. Denn es handelt sich ja um reine Zwangssysteme. Den heutigen Einzahlern verspricht der Staat im Gegenzug für morgen einen Auszahlungsanspruch. Dieser Auszahlungsanspruch ist natürlich eine implizite Staatsschuld, denn er besteht auch dann, wenn die Summe der Einzahlungen unter der Summe der Auszahlungen liegen sollte.
Aufgrund der bekannten Demographie ergeben sich aus diesen Umlageverfahren gewaltige zukünftige Belastungen für alle westlichen Industrienationen, die allerdings nur grob geschätzt werden können. Denn neben der demographischen Entwicklung hängen sie auch noch von anderen Faktoren ab, insbesondere vom zukünftigen Wirtschaftswachstum und der Entwicklung der Lebenserwartung.
Die impliziten Staatsschulden übersteigen in fast allen Industriestaaten die expliziten um ein Vielfaches. Zu diesem Ergebnis kommen jedenfalls alle Ökonomen, die sich mit den Sozialversicherungssystemen befassen. Da es sich dabei eigentlich immer um staatsfreundliche Experten handelt, die in der Politikberatung tätig sind, liegen ihren Rechenwerken hinsichtlich des zu erwartenden Wirtschaftswachstums optimistische Prognosen zu Grunde, gewöhnlich einfache Extrapolationen der vergangenen Jahrzehnte. Im Falle einer echten Weltwirtschaftskrise würden sich diese Schätzungen also als viel zu optimistisch erweisen. In diesem Fall würden die impliziten Staatsschulden noch sehr viel höher ausfallen. Allerdings ist ihr Ausmaß auch ohne Weltwirtschaftskrise erschreckend:

Eine rühmliche Ausnahme bildet übrigens die Schweiz. Die Eidgenossen haben keine impliziten Staatsschulden aufgehäuft.
Wie Sie der Tabelle der expliziten Staatsverschuldung entnehmen können, ist Japan dem Rest der Welt ein gutes Stück voraus. Deshalb sind wir der Meinung, dass in der gegenwärtigen Lage eine nähere Betrachtung des Tabellenführers Japan unerlässlich und von großem Wert sein wird. Deshalb werden wir uns im Folgenden auch ausführlich mit Japan beschäftigen.
(Teil 4 folgt am kommenden Mittwoch hier bei Investoren Wissen)
ANMERKUNG DER REDAKTION:
Claus Vogt ist institutioneller Anleger, Bestseller-Autor und Chefredakteur des Börsendienstes "Sicheres Geld". Herr Vogt hat die Krise frühzeitig vorausgesehen und wiederholt vor ihr gewarnt. Während viele Anleger 2008 ihr Portfolio stark schrumpfen sahen, empfahl er immer wieder stark profitable Kriseninvestments und zeigte seinen Lesern, wie sie sich effektiv absichern können.
Wenn auch Sie erfahren möchten, wie Sie sich vor der Krise, die früher oder später wieder aufleben wird, effektiv schützen und sogar von ihr massiv profitieren können, oder Sie einfach die "Österreichische Schule" sehr interessiert: Der Verlag bietet ein besonderes Kennlern-Angebot für Sie an...
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