Ein Sicherheitsnetz
James Boric in Investors Daily
vom 26. November 2003 18:00 Uhr
ENL5454
Das Jahr war 1947.
Damals war in den USA Harry Truman Praesident. Und Benjamin Graham machte das beste Investment des 20. Jahrhunderts.
Er kaufte 50 % einer kleinen Gesellschaft mit Namen Government Employees Insurance Co. (jetzt unter dem Reuterskuerzel GEICO zu finden, so nenne ich sie auch in diesem Artikel) fuer 720.000 Dollar. Das war 1947 viel Geld. Das durchschnittliche Gehalt lag damals bei 3.120 Dollar pro Jahr. Der Mindestlohn lag bei 40 Cents in der Stunde. Und man konnte fuer 1.400 Dollar ein neues Auto kaufen. Aber Graham wusste, dass diese 720.000 Dollar fuer 50 % dieser Firma ein absolutes Schnaeppchen waren.
Diese Gesellschaft, 1934 von Leo Goodwin gegruendet, verkaufte Autoversicherungen an bei der Regierung Angestellte und Beamte, direkt, per Brief. Das machte sonst keine Versicherung.
Dadurch konnte GEICO die Konkurrenz unterbieten, da kein teures Filialnetz unterhalten werden musste. Und dieser Kostenvorteil war gross. Die Gewinnmarge war hoch. Das Geschaeftsmodell war solide. Und Graham wusste das.
Aber es gab noch einen anderen Grund.
Zum Zeitpunkt des Kaufes war das Anlagevermoegen von GEICO 3,3 Millionen Dollar wert. Wenn er also 50 % der Firma fuer 720.000 Dollar kaufte, dann kaufte er damit ein Anlagevermoegen von 1,65 Millionen Dollar. Kein schlechter Deal. Selbst wenn der Aktienkurs fallen wuerde, dann koennte Graham Geld verdienen, wenn die Gesellschaft aufgeloest wuerde. Das war das Sicherheitsnetz.
Das Risiko nach unten war also minimal. GEICO hatte ein langfristig sehr gutes Wachstumspotenzial. Und ein gutes Management. Und die Gesellschaft hatte einen grossen Markt fuer ihre Produkte. Das war das perfekte Investment fuer Graham.
Und er hatte Recht. Er verdiente mit diesem Deal Geld. Er hielt sein Investment von 720.000 Dollar, bis es nicht 1,1 Millionen wert war, sondern ... 1 Milliarde Dollar! Eine Milliarde!
Warren Buffett und John Templeton waren beide Studenten von Graham, und auch sie nutzen seine "Sicherheitsnetz"-Regel.
Waehrend Buffett sich auf die USA beschraenkte, kaufte Templeton unterbewertete Aktien in Staaten wie Japan (zu einem Zeitpunkt, als die Marktkapitalisierung aller japanischen Aktien zusammen geringer war als die von IBM), Indien, Russland, Argentinien und Peru.
Graham, Buffett und Templeton waren erfolgreich, weil sie sich weigerten, den angemessenen Marktwert fuer eine Aktie zu zahlen. Das bedeutete, dass sie Aktien kauften, die sonst niemand haben wollte.
Das war zu Zeiten, als Aktien wie Coca-Cola Pennystocks waren. Aber lassen Sie uns realistisch sein – Sie und ich werden wahrscheinlich nie eine Aktie mit solchen Potenzial finden. Oder?
Falsch. Man muss nur da suchen, wo die wenigsten suchen: Bei den kleineren Aktien, den Small-Caps.
Meine Kriterien fuer eine gute kleine Aktie sind:
- Sie hat ein Kurs-Buchwert-Verhaeltnis von weniger als 1,0 und auch das Kurs-Umsatz-Verhaeltnis liegt unter 1,0
- Die Gesellschaft steigert ihre Umsaetze und ihren Netto-Gewinn von Quartal zu Quartal und von Jahr zu Jahr
- Ihr Anlagevermoegen uebersteigt die Marktkapitalisierung
- Das KGV liegt unter 20.
Es ist moeglich, dass eine oder zwei von den Aktien mit diesen Kriterien die naechste GEICO werden. Stellen Sie sich vor, Sie haetten diese Aktie.
Wer weiss ...