Ein schöner Herbsttag in Frankreich
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 30. Oktober 2002 18:00 Uhr
ENL5454
"Alan Greenspan ist der beste Vorsitzende, den die Fed jemals gehabt hat", so Allan Meltzer, ein Professor. Mein Kollege Eric Fry glaubt ja, dass der beste Mann der Fed das tun kann, was die Fed am besten kann – die Währung zu inflationieren. Hier in Paris (Sie wissen, dass ich hier arbeite) haben wir weniger Vertrauen in die Bürokraten. Die Fed, so gab Mr. Greenspan zu, konnte nicht die sich entwickelnde Spekulationsblase an der Wall Street erkennen ... und sie hätte auch nichts dagegen tun können. Wird die Fed dann etwas gegen eine drohende Deflation tun können? Wird sie besser sein als die Bank of Japan? Oder besser als die Fed von 1931 (zum Zeitpunkt der Weltwirtschaftskrise)? Ich bin mir da nicht so sicher.
Gestern war ein herrlicher Herbsttag im Herzen von Frankreich. Aber das ist das Problem – Schriftsteller und freie Redakteure brauchen schlechtes Wetter; ansonsten halten sie sich draußen auf.
Gestern bin ich zu einem Dorf in der Nähe gefahren, um dort Steine für unser Haus zu kaufen. Der Verkäufer mit Namen Pierre lud mich zu einem Drink ein. Sowohl er als auch mein Begleiter waren Veteranen der französischen Fallschirmjäger. Und beide waren alt genug, um alte Kriegsgeschichten austauschen zu können. Nach einigen Whiskeys schwelgten sie in Erinnerungen ...
"Es war unglaublich. Schwer zu glauben – heute. Ich meine, im Zweiten Weltkrieg war es hier wie in Bosnien. Nachdem Frankreich kapituliert hatte, wurden die regulären Offiziere entlassen und nach Hause geschickt. Eigentlich hätten sie die Resistance (den Widerstand) anführen sollen – aber die lokalen Resistance-Führer waren meist Kommunisten. Oder – noch schlimmer: Sie hatten Angst vor den Offizieren."
"Ja, ich erinnere mich", so der andere. "Général Millet kam nach der Kapitulation nach Hause und wurde verhaftet. Er und ... wie hieß er noch mal ... achja, Capitain Delattre wurden eingesperrt, nicht weit weg von hier."
"Mein Vater versuchte, sie da rauszuholen. Er war der Bürgermeister des Ortes. Und eines Tages wollten die Deutschen auch meinen Vater holen. Ein deutscher Krankenwagen war verschwunden. Er musste von der Resistance geholt worden sein – wir wussten es nicht. Jedenfalls hielten die Deutschen den Bürgermeister für den Verantwortlichen. Also holten sie meinen Vater. Meine Mutter glaubte, dass sie ihn nie wiedersehen würde. Aber sie verhörten ihn nur und ließen ihn dann gehen ..."
"Das muss am Ende des Krieges gewesen sein", so der andere. "Was wirklich beschämend war, war noch nicht einmal die Art, wie die Deutschen handelten, sondern die Art, wie viele Franzosen die Situation ausnutzten, um alte Rechnungen begleichen zu können. Sie erinnern sich sicher an die Leute in Champs (einem Dorf in der Nähe), die man mit durchgeschnittener Kehle fand. Sie hatten nichts mit der Resistance zu tun. Und viele der Leute, die von sich sagten, dass sie zur Resistance gehörten, waren nur Diebe oder Anarchisten."