Ein Resümee nach 2 Jahren Europa

in Rohstoff Daily
vom


 

Heute möchte ich zuerst ein wenig in die Vergangenheit blicken. Denn ich habe mir heute mal wieder die Zeit genommen ein paar alte Beiträge die ich hier im Rohstoff Daily verfasst hatte zu lesen.

 

Dabei stieß ich auf meinen Beitrag vom 17. Juni 2010 (hier ein Auszug):


 

"Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit?

 

Glaubt man Angie, dann hat Spanien mit seinen jüngsten Reformen einen wichtigen Beitrag zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit in ganz Europa geleistet.

 

Hmm, ja, nun... Zapateros Sozialisten wollen nun nach der Rentenreform, auch noch eine Arbeitsmarktreform durchführen. Da geht's dann im Grunde um die Aufweichung des Kündigungsschutzes. Seltsamerweise sind die Spanier, mit dieser "Steigerung ihrer Wettbewerbsfähigkeit" gar nicht so glücklich und planen schon den nächsten Generalstreik.

Die Spanier sind nicht beglückt und das ist auch verständlich, denn immerhin hat Spanien bereits eine Arbeitslosenquote von fast 20%.

 

Eigentlich sollte Spanien dringend etwas für sein Wachstum tun, doch stattdessen fordert die EU von Spanien (nach bereits zwei Sparpaketen) noch weitere Einsparungen. Zapatero will dieser Forderung über weitere Einschnitte bei den regionalen und kommunalen Budgets nachkommen, schließt aber auch weitere Steuererhöhungen (nach der Mehrwertsteuererhöhung) nicht aus.

Oh je, Sparen, Steuererhöhungen, Arbeitsmarktreformen, die faktisch den Kündigungsschutz aushebeln - das sind nun wahrlich keine Faktoren, welche dazu angetan wären, das Nachfragewachstum in Spanien zu unterstützen.

 

Wenn man das so sieht, muss man schon zu dem Schluss kommen, dass sich also auch Spanien wohl am besten über andere Staaten, welche das rückläufige Nachfragewachstum ausgleichen, sanieren soll.

 

Angie scheint das offenbar gut zu finden, weil sie glaubt, dass das in Deutschland funktionieren werde - und was gut für Deutschland ist, kann ja für andere Staaten auch nicht verkehrt sein! :-)

Ob sie sich da mal nicht täuscht! Denn die Spanier sind ja nicht die einzigen, die sich aus ihren Problemen raussparen sollen. Ob Griechen, Portugiesen, Iren, Briten, Belgier und Italiener, die alle müssen auch sparen. Und andere, wie die Niederländer oder die Deutschen wollen sparen! Nur die Franzosen, die grundsätzlich das Sparen nötiger hätten, als die Deutschen, sind vom europäischen Mega-Sparweg nicht sonderlich angetan.

 

Wenn nun aber alle auf einmal sparen, wer soll dann das rückläufige Nachfragewachstum ausgleichen?

 

Angie sagt, Spanien würde wettbewerbsfähiger. Wenn nun aber auch in den anderen Staaten die (Lohn)kosten sinken, verpufft dann der Effekt nicht, innerhalb Europas?

 

Angesichts dessen muss man sich dann schon die Frage stellen, mit wem Spanien da eigentlich im Wettbewerb stehen soll? Mit Bangladesch?

 

Sparen ist aber eigentlich keine schlechte Idee sofern die Grundvoraussetzungen stimmen. Wenn Deutschland spart, dann führt das zu rückläufigem Wachstum. Wenn aber ganz Europa spart, dann kann das unter Umständen, in den sowieso schon schwächelnden Ländern, die eigentlich viel früher (in guten Zeiten) wichtige Reformen hätten durchführen müssen und jetzt auf steigende Arbeitslosenzahlen blicken, sogar zu einer schweren Rezession in Europa bis hin zur Depression führen. Die Frage ist dann auch, ob die Sparbemühungen nicht schließlich verpuffen. Denn was nützt es, wenn man die Renovierung von Strandbad und Straße hinten anstellt, stattdessen aber die Kosten der Sozialleistungen steigen (nur mal grob gesagt).

 

Dreh- und Angelpunkt ist eigentlich immer das Wachstum! Denn Schulden abbauen kann man eigentlich nur dann, wenn man genug erwirtschaftet, um diesen Abbau zu bezahlen. Wir können also nur hoffen, dass die südeuropäischen Staaten es tatsächlich schaffen ihre Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. Vorerst bleibt das aber nur eine Hoffnung!

 

Denn vorerst setzt man lieber aufs brachiale Sparen, anstatt einen langfristigeren, aber nachhaltigeren Schuldenabbau zu betreiben. Andererseits scheinen das sowieso nur die wenigsten Staaten zu machen! Denn schließlich sind nicht nur europäische Länder hoch verschuldet, sondern auch Länder wie die USA oder Japan.

 

Das größte Problem, welches Politiker offenbar weltweit haben, ist den richtigen Zeitpunkt für ihre Aktionen zu wählen. Staaten sollten so, wie es der Durchschnittsbürger auch tun würde, gerade dann ihre Schulden abbauen, wenn es ihnen wirklich gut geht. Doch in den meisten Fällen versäumen sie genau das! Warum? Weil unser System dem Dogma des immerwährenden Wachstums unterliegt. Und das tut es leider auch jetzt immer noch. Doch jetzt fühlen sich die Europäer den Anleihengläubigern verpflichtet und pfeifen drauf. Was leider aber auch nicht die Patentlösung sein kann!

 

Auf der anderen Seite glaube ich auch nicht, dass zum Beispiel die US-Lösung die Patentlösung ist. Denn, wie man sieht, trotz Konjunkturprogrammen und massivem Schuldenaufbau, bleibt auch der US-Arbeitsmarkt ein Sorgenkind. Trotzdem können die Amerikaner ihre gegenwärtige Politik auch nicht ewig weiterführen.

 

So verlässt sich die Welt also momentan auf die wachstumsstarken Emerging Markets! Hoffen wir also, dass diese Länder auch weiterhin Lust (oder die Möglichkeit) haben "die Welt zu retten"."

 

Ende des Auszugs...

 

Seufz...

 

Und heute? Kommen alle negativen Entwicklungen aus Europa, hat die Welt Angst vor der europäischen Rezession (na ja mit Ausnahme der Amis, die aber immer davon ausgehen, dass sie einen Sonderstatus haben, obwohl ebenfalls 25% ihrer Exporte nach Europa fließen...interessanterweise haben die Amis mit ihrer stoischen Selbsterhaltung meistens sogar Erfolg), sind die Auswirkungen auch in China und Japan zu spüren.

 

Und heute? Wird den Euro-Häuptlingen gar nichts anderes übrig bleiben, als nun auf Wachstum umzuschalten, da die Nichterreichung der Defizitziele in Südeuropa den Sparweg Lügen straft. (einzige Ausnahme bildet meiner Meinung nach Griechenland, das auch weiterhin Strukturreformen umsetzen müsste). Und warum auch nicht? Die Amis versuchen es ja gar nicht mal so erfolglos und die Chinesen machen es jetzt auch wieder.

 

Und heute? Wird der EZB schließlich doch nichts anderes mehr übrig bleiben, als eine dovishe Haltung an den Tag zu legen und mit Quasi- oder komplett-QE fortzufahren. Und warum auch nicht? Machen alle anderen ja auch. Und im Übrigen auch innerhalb der Euro-Systems, wo die nationalen Notenbanken der angeschlagenen Staaten (allen voran Griechenland) den Kapitaltransfer ins Ausland durch das Anwerfen der Geld-Druckmaschinen und dadurch mögliche zunehmend Notfallkredite an die Geschäftsbanken, auszugleichen versuchen.

 

Und was heißt das? Nun ja, wenn Euro-Land ob mit oder ohne Griechen einerseits die Vertrauenskurve und zweitens auf Wachstum setzt, dann dürften die Asset-Preise bald ihre Erholung finden. Wenn...

 

So long liebe Leser...was soll man sagen?...am besten nix mehr...bis morgen und liebe Grüße

 

Ihre Miriam Kraus  

 

von
Miriam Kraus
Miriam Kraus

Miriam Kraus ist eine gesuchte freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.

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Kommentar von Blättler

Sparen aber am richtigen Ort. Wachstum, aber ein nachhaltiges. Und dann auch zur richtigen Zeit. Bildung stärken, alternative Energie forcieren, Infrastruktur ersetzen, aber nicht Luxusstrassen bauen. Das sind meine Blitzideen zu Ihrem Beitrag. Gruss aus Zürich

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