Ein nicht aufhaltbarer Boom?
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 30. Mai 2007 07:30 Uhr
ENL5462
Das Orakel Alan Greenspan hat seine Ansichten über den davonlaufenden chinesischen Aktienmarkt geäußert. Anlässlich eines Treffens in Madrid sagte der einstige Chef der amerikanischen Zentralbank, dass der China-Boom „sicherlich nicht tragfähig ist“ und dass „es an einem bestimmten Punkt eine dramatische Korrektur geben wird.“
Ich habe das natürlich nicht nur über die Aktienbörse in Shanghai gesagt, sondern über einige andere Dinge auch. Und bislang hat es keine Korrektur irgendeiner Art gegeben. Kein Geschrei, keine Tränen, nicht einmal einige wenige arme Seelen, die von hohen Gebäuden springen.
Doch dieses eine Mal bin ich in absoluter Harmonie mit dem einstigen Chef der Zentralbank. Es wird eine Korrektur geben. Wie dramatisch wird sie ausfallen? Wann wird sie kommen?
Wer könnte das sagen? Doch niemals hat die Welt bislang eine Blase erlebt, die nicht irgendwann geplatzt wäre. Niemals hat es einen Boom ohne eine Korrektur gegeben. Kein Dummkopf ist je heil davongekommen.
Also hisse ich auch weiterhin die “Crash-Warnflagge” … während ich mir absolut darüber im Klaren bin, dass sie schon so lange da oben hängt, dass die Leute anfangen, sich hinter meinem Rücken über mich lustig zu machen. Wenn ich nicht bald meinen Crash kriege, dann werden sie mir bald offen ins Gesicht lachen.
Aber hey … das Leben hält für jeden seine eigenen Schwierigkeiten bereit.
“Ich weiß nicht”, fing der englische Finanzkolumnist Simon Nixon während eines Mittagessens gestern an. „Es gibt eine Menge Bedrohungen, denen dieser Boom ausgesetzt ist ... so wie jedes Mal. Aber ich fange an zu glauben, dass ein Crash in China den Boom nicht aufhalten würde. Sie haben gesehen, was passierte, als es vor wenigen Monaten die große Explosion bei den Hedgefonds gab. Niemanden hat das interessiert. Und als der amerikanische Immobilienboom sein Ende erreicht hatte, schien auch das keinen Unterschied zu machen. Ich bin mir nicht sicher, ob es überhaupt irgendetwas gibt, was diesen Boom aufhalten kann.“
Simon hat übertrieben, um sein Argument voranzubringen. Es fließt so viel Saft in die Finanzanlagewerte – aus so vielen verschiedenen Richtungen ... dass es schwer ist zu erkennen, was die Sache noch stoppen könnte. Investoren schütteln ein Unglück nach dem anderen einfach ab ... zuversichtlich, dass fast ganz egal was passieren wird, die Vermögenswerte steigen werden.
Sie haben natürlich recht. Die Preise für Vermögenswerte werden steigen, als wollten sie nie wieder fallen – bis sie dann fallen.
“Fusionen und Firmenkäufe treiben einen alle Rekorde brechenden Lauf auf die Wertpapiere an”, war eine große Schlagzeile der Financial Times in der vergangenen Woche. Der S&P500 ist auf einem Rekordhoch. Europäische Aktien waren in sechseinhalb Jahren nie höher. Der Dow wird in Rekordbereichen getradet. Und Ron Baron, Gründer des gleichnamigen Investmentunternehmens, zahlte den höchsten Preis, der je für ein Haus bezahlt wurde – 103 Millionen Dollar für ein 40 Morgen Grundstück in East Hampton, New York, einer Gegend, in der viele der überbezahlten Leute aus der Finanzindustrie ihre Häuser haben.
Gleichzeitig ist in China der Shanghai Composite Index um 1,5% auf ein erneutes Rekordhoch gestiegen.
“Es scheint kein Ende in Sicht zu sein, für die Liquidität nicht und auch für die Einschätzung der Aktienpreise“, sagt eine Stratege bei Cantor Fitzgerald.
Ich unterbreche kurz, um eine Frage zu stellen. Wann erscheinen die wirklich großen Korrekturen, liebe Leser? Wenn die Leute sie kommen sehen, oder wenn sie sie NICHT kommen sehen?
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