Ein Nachtrag zum Thema "Betongold"
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 7. Mai 2010, 16:00 Uhr
ENL5454
ich fürchte, mein Beitrag gestern zum Thema "Betongold" war an der ein oder anderen Stelle ein wenig zu kurz formuliert. Daher anbei noch eine kleine Ergänzung:
Als Problem im Zusammenhang mit Immobilien sehe ich primär Schulden und die einfachen Möglichkeiten für einen bankrotten Staat, sich bei den Immobilienbesitzern zu "bedienen" (dabei ist es m.E. auch völlig illusorisch anzunehmen, dass es hier noch Unterschiede nach einzelnen Parteien gäbe. Wenn der Staat mit dem Rücken an der Wand steht, werden drastische Schritte zwangsläufig erfolgen, egal, wer gerade an der Macht ist, denn kein Politiker verkündet freiwillig den Bankrott und gibt damit seine Macht ab).
Mit meiner Warnung vor Immobilien ging es mir primär um Immobilien als Investmentobjekt auf Kredit. Es spricht natürlich überhaupt nichts gegen eine abbezahlte Immobilie zur Eigennutzung, im Gegenteil. Das halte ich sogar für ganz gut in Krisenzeiten. Auch eine abbezahlte Immobilie zur Vermietung kann m.E. Sinn machen, wenn dabei in Betracht gezogen wird, dass es in wirtschaftlichen Zeiten deutlich schwerer wird, gewisse Mietlevels zu halten (da dann Überangebot an Immobilien) und Unterhaltskosten zu bestreiten, und auch eine Geldentwertung, schwierigere Mieterfindung bzw. staatliche Zugriffe als Extremfall irgendwo eingeplant sind.
Ich sehe Schulden als ein Problem und halte Wertsteigerungen von Immobilien im ernsten Krisenfall für äußerst unwahrscheinlich, da der Immobilienpreis letztlich eine Funktion der Kreditvergabe ist. Kollabiert diese bzw. geht diese stark zurück, kann sich auch kaum jemand eine Immobilie leisten und es entsteht ein Überangebot und somit Preisverfall und Mietverfall (da sich zahlreiche Single-Haushalte in der Krise auflösen dürften, da nicht mehr bezahlbar). Die "Investoren" schneiden also in diesem Fall sehr schlecht ab. Den Eigennutzer braucht ein derartiges Szenario natürlich nicht zu kümmern, da er seine Immobilie ja nicht verkaufen möchte.
Schulden stehe ich in einer starken Währungskrise ablehnend gegenüber, da die Geschichte zeigt, dass die Gehälter in diesem Fall nicht mit gleicher Geschwindigkeit steigen wie die Zinsen bzw. der laufende Geldwertverfall. Je nachdem, wie schlimm also eine Krise wird, desto mehr des monatlichen Einkommens wird für die absoluten Grundbedürfnisse gebraucht werden. Im Extremfall werden so vermeintlich "herunterinflationierte" Zinsen immernoch zu höheren Belastungen als ohne Inflation. Fixe Zinsen hin oder her. Daher meine Warnung gestern besonders an die Anleger, welche ihre Schulden nur aus dem monatlichen Gehalt begleichen können.
Darüber hinaus gab es bereits in den 1920ern und 1930ern sogar noch zusätzlich einfache Mittel wie die Hauszinssteuer. Je nach der Schwere der Krise werden dem Staat in solchen Situationen bestimmt noch mehr populistische Ideen einfallen, wenn es darum geht, die wütendenden Massen der Bevölkerung, die nichts mehr zu verlieren haben, auf die eigene Seite zu bekommen bzw. zu "befrieden" (wir sehen derartige Ansätze ja bereits heute schon bei der ewigen Diskussion um die "starken Schultern"...).
Alleine die letzten Jahre und der erneute Griff in die Staatskasse für die Bankelobby alias "Griechenland-Bailout" zeigen doch schon, wie die Prioritäten auf Politikerseite überwiegend und konsequent sind: Zuerst muss es den Banken gut gehen, dann irgendwann denkt man an die Bevölkerung, oder eben auch nicht, wenn gerade keine Wahl ist. Wenn nun reihenweise in der Inflation die Banken massiven Schaden erleiden, weil die Hypotheken an Wert verlieren... warum sollte man dann plötzlich "systemrelevante" Geldhäuser abschreiben, wenn man es jetzt schon nicht tut? Viel mehr wird man etwas gegen die "unfairen" Vorteile der Immobilienbesitzer unternehmen und eben gerade diese finanziell (wie bereits damals) zur Ader lassen und dies als "gerechten" Akt gegenüber der Masse der Bevölkerung, die keine Immobilien besitzt, verkaufen ("Belastung der Reichen"). Soweit zumindest meine Prognose.
Ich kann damit natürlich falsch liegen (auch wenn ich es in dem Fall nicht glaube), aber mir persönlich wäre das Risiko solch eines Szenarios deutlich zu hoch, als es darauf ankommen zu lassen.
Beste Grüße und ein angenehmes Wochenende,
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Bernd Mollerus (07.05. 2010 18:49 Uhr):
Immobilien in einer Krisensituation ohne Kredite zu halten ist sicher sehr vernünftig. Ihr negatives Szenario ist aber erst relevant, wenn alles kaputt geht; es gibt nämlich sehr viele Wählerstimmen mit Immobilienhintergrund. Da ist es viel einfacher, Banken, dann Versicherungen, dann Versorger usw. zu verstaatlichen ohne eiinen nennenswerten Preis dafür zu bezahlen.
Antworten- Antwort von Alexander Hahn (08.05. 2010 23:15 Uhr):
Sehr geehrter Herr Mollerus, herzlichen Dank für Ihren Kommentar. Es gibt auch sehr viele negative Wählerstimmen gegen die Bankenpakete. Es gab auch sehr viele gegen die Euro-Einführung, gegen Lissabon, gegen Afghanistan, gegen Hartz IV, gegen die Agenda 2010, gegen Mehrwertsteuererhöhungen in den letzten Jahren, uvm. Hat sich dadurch etwas geändert? Nein. Banken, Versicherungen, etc. halten das Heft in der Hand in der BRD und auf internationaler Ebene. Eine Verstaatlichung dieser Firmen halte ich für äußerst unwahrscheinlich. Viel lieber wird man die Masse der Immobilienbesitzer scheren, denn diese haben keine Lobby in Berlin und ein Großteil der Mittelschicht in der BRD interessiert sich primär für den Konsum und maximal oberflächig für das, was auf der Weltbühne im Detail abläuft. Ihre Ansicht kann ich daher nicht teilen (was natürlich nicht bedeutet, dass ich letztlich Recht haben muss). Beste Grüße Alexander Hahn
- Antwort von Alexander Hahn (09.05. 2010 11:57 Uhr):
Nachtrag: Mit "keine Lobby" meinte ich natürlich relativ gesehen im Vergleich zur Macht der Bankenlobby. Beste Grüße Alexander Hahn
- Antwort von Alexander Hahn (08.05. 2010 23:15 Uhr):
- Kommentar von ulf (26.12. 2010 11:36 Uhr):
Hallo Herr Hahn, mir verschließt sich leider immer noch warum in Zeiten einer hyperinflation-Schulden nicht positiv sein sollen!?Müssen denn nicht Gehälter zwangsweise mit steigen?Es geht doch kein Mensch für 1200,-€ im Monat arbeiten wenn es dafür nur noch ein Spar Menü in der Fast Food Kette gibt.
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