Ein moderner Barbar
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 12. März 2003 18:00 Uhr
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*** Warren Buffett: "Gelegentlich erfordert erfolgreiches Investieren in Inaktivität." Buffet denkt, dass gerade eine solche Zeit ist. Nun, ja ... wenn man seine Aktien bereits verkauft hat. Wenn nicht, dann erinnere ich Sie daran, dass ich "fuchsienfarbenen Alarm" gegeben habe. Verkaufen Sie Ihre Aktien. Kaufen Sie Gold und in Euro notierte Anleihen. Dann können Sie so passiv sein wie ein US-Kongressabgeordneter.
*** Oh là là ... wird der japanische Nikkei-Index jemals einen Boden finden? Jetzt ist er schon unter 8.000 Punkte gefallen ... und bereits vor 10 Jahren haben die Investoren gedacht, dass er einen Boden gefunden hätte.
*** Meine Tochter Maria arbeitet ja als Model – und diese Woche kann man sie im Frauenmagazin "Madame Figaro" sehen. Mit der Insel Mauritius im Hintergrund.
*** Krieg, Krieg, Krieg ... es scheint, als ob jeder nur noch darüber redet. Letzte Nacht war ich in Paris bei einem amerikanischen Stammtisch (wie Sie wissen lebe und arbeite ich seit ein paar Jahren mit meiner Familie in Frankreich), und das Gesprächsthema war natürlich Krieg.
"Habt Ihr gesehen, was sie mit diesen Gefangenen machen ... Wisst Ihr, diese Leute werden als mögliche Terroristen verdächtigt und verhaftet. Sie müssen sich lange hinknien, und sie dürfen nicht schlafen ... ich weiß nicht ... aber das klingt barbarisch." Es ging um Gefangene in amerikanischen Gefängnissen.
"Den Leuten in den USA scheint das zu gefallen ... sie denken, dass sie den Krieg gegen den Irak unterstützen."
"Aber ich verstehe es nicht ... die sind drüben wohl alle ein bisschen verrückt geworden. Habt Ihr mitbekommen, dass sie einen Typen verhaftet haben, der in einer Shopping-Mall mit einem Anti-Kriegs T-Shirt rumgelaufen ist? Und dass sie an Flughäfen jetzt auch alte Großmütter kontrollieren? Ich meine, glaubt wirklich jemand, dass meine Oma eine Terroristin sein könnte?"
"Tja, das ist eine Art Hysterie ... eine Hexenjagd ... wie das in der McCarthy-Zeit der Fall war." (In dieser Zeit Ende der 1940er, also relativ kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, kam es zu der sog. "Kommunistenjagd" in den USA).
Da griff ich ins Gespräch ein: "Jetzt wartet mal eine Minute. Jeder vergleicht die McCarthy-Zeit mit einer Hexenjagd. Aber man sollte sich auch einmal in die damalige Lage versetzen. Die Sowjetunion hatte damals gerade die deutsche Armee besiegt, sie hatte Atombomben und an der Spitze stand Josef Stalin, ein schlimmerer Diktator als Saddam Hussein. McCarthy suchte nicht nach Hexen; die gibt es nicht. Er suchte nach Kommunisten, von denen es in den USA immerhin ein paar gab. Auch wenn es überzogen war, in den späten 1940ern in Hollywood nach Bolschewisten zu suchen – das war wahrscheinlich weniger dumm, als heute davon auszugehen, dass jede Großmutter und jedes Mädchen in einem Flugzeug eine potenzielle Terroristin sind."
*** Sogar in der Bar, in der ich gestern zu Mittag einen Imbiss zu mir nahm, war der Krieg das Gesprächsthema Nummer 1. Zwei ältere Gentlemen kamen mit einem Schachspiel herein. Sie setzten sich an einen Tisch in meiner Nähe, bauten das Spiel auf und bestellten jeder ein Bier. Einer hatte einen kleinen Hut auf, und er hatte seine Augen immer auf das Spielbrett gerichtet. Der andere redete ohne Unterlass und stand manchmal auf.
"Mist ..." sagte er, nachdem er eine Figur verloren hatte.
"Sie Dir das an ... meine Seite des Spielfelds sieht aus wie ein Schlachtfeld ... sieh Dir all die gefallenen Soldaten an ..." sprach er zu sich selbst.
"Das erinnert mich an die Schlachten von Chlodwig (Frankenkönig von 466 bis 511). Ich weiß nicht, warum ... aber ich habe gerade an Chlodwig gedacht ... wir denken, dass er ein großer König war. Aber in Wirklichkeit war er nur ein Barbar."
"Aber Bush ... weißt Du, er ist auch ein Barbar ... ein moderner Barbar."