Ein letztes Wort zum Zins-Dilemma
Thomas Firley in Devisen-Monitor zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 16. Mai 2007 08:30 Uhr
ENL5454
Liebe Leser,
zahlreiche Börsen-Experten, Kollegen, Analysten und solche, die es werden wollen sinnieren zurzeit über die Lage in den USA, insbesondere über die Zins-Lage. Eigentlich wollte ich mich aus dem Thema heraushalten. Aber soviel möchte ich zum US-Debakel loswerden:
Die Fakten werden in den Fed-Protokollen ständig wiederholt, also: Inflationsrisiken bestehen (immer und weiterhin) und was die Konjunktur macht, bleibt zu beobachten. Bernanke und mit ihm die meisten anderen Fed-Mitglieder wollen meines Erachtens das Problem einfach aussitzen. Sie warten ab, ob die Inflation irgendwann einmal risikofreier wird (…) oder ob die Konjunktur eine weitere Zinserhöhung verkraften könnte oder ob die Konjunktur gar einer Zinssenkung (um die Lokomotive am Laufen zu halten) bedarf.
Ich weiß zwar vieles nicht, aber eines weiß ich ganz sicher: Ich möchte nicht in der Haut von Bernanke stecken. Denn dass sich die hausgemachten Verschuldungs-Probleme in den USA von selbst lösen, ist sehr unwahrscheinlich. Umso wahrscheinlicher ist es aber, dass im Nachhinein über Bernanke gesagt werden wird: „Ach, hätte er damals richtig reagiert, hätte er die Krise vielleicht noch vereitelt…“.
Dass er als Held der Zins-Entscheidungen in die Geschichte eingehen wird, bleibt abzuwarten. Indes, je weiter die Zeit voranschreitet, umso unwahrscheinlicher wird auch dies.
Gemeinhin gilt ja, dass steigende Zinsen schlecht für die Börsen seien. Wie wir wissen wurden die US-Zinsen seit 2004 kontinuierlich erhöht. Schauen wir uns den Dow Jones in diesem Zeitraum an:

Sehen Sie ausgeprägte Auswirkungen auf den Kursverlauf durch Zinserhöhungen? Ich nicht. Sicherlich, ein paar Kurszacken und –kapriolen finden wir im Chart. Doch wenn wir uns zurück erinnern, wirkten sich manche Aussagen, die eine Zinserhöhung begleiteten, eher positiv auf die Börse aus. Nämlich dann, als eine damalige Zinserhöhung als die (vielleicht) letzte notwendige zur Bekämpfung der Inflation bezeichnet wurde.
Dummerweise hat dies dem US-Dollar aber gar nicht geholfen, der wohl gegen jede wichtige Währung der Welt an Boden verloren hat….
Ich bleibe dabei: Die Börse braucht eine Erholung, um danach wieder in den Aufwärtsmodus einschwenken zu können. Und diese Erholung sollte jetzt stattfinden. Sollten sich die Weltbörsen dazu entscheiden auch noch eine Sommer-Rally hinzulegen, wird ein böses Erwachen immer wahrscheinlicher.
Warten wir es ab. Als Optimist gehe ich bis zum August/September von dieser Seitwärtsphase aus. Schlecht für Trader, gut für mittel- bis langfristige Kapital-Anleger.
Viel Erfolg
Ihr
Tom Firley
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