Ein letzter verzweifelter Versuch – Teil 3
James Howard Kunstler in Traders Daily
vom 9. Oktober 2008, 12:00 Uhr
ENL5454
Der Grund für unsere Energiedebatte ist so hohl und so idiotisch, weil wir dieser grundlegenden Wahrheit, dass der amerikanische Lebenstandard in den Vorstädten keine Zukunft hat, nicht ins Gesicht blicken können.
Diese gerade moderne Phantasievorstellung, die in beiden politischen Parteien vorherrscht, ist das, was sie heute als "energieunabhängig" bezeichnen. Damit meinen sie, dass wir auf ewig so werden leben können, und das mit Mitteln, die von Öl unabhängig sind. Und das ist ganz einfach nicht richtig.
Wir müssen profunde Veränderungen bei allem, was wir tun, hinnehmen, von der Art, wie wir die Landschaft bewohnen bis hin zu er Art und Weise, wie wir unsere Lebensmittel produzieren. In letzter Zeit haben die einzigen Veränderungen, an denen wir überhaupt Interesse gezeigt haben, die Frage betroffen, was wir in unsere Autos füllen. Aber das wird uns nicht retten, nicht im Geringsten. Unsere Unfähigkeit, über irgendetwas anderes zu sprechen, außer über die Autos, wird uns noch stärker in die Armut und in die Unruhen treiben.
Der Immobilienmarkt wird nicht wieder zur alten Form zurückkehren. Niemals. Nicht so, wie wir ihn kannten. Und das Projekt der Vorstädte ist auch vorbei. Diese Version des amerikanischen Traums liegt hinter uns. Wir werden besser dastehen, wenn wir die Träumerei eine Zeitlang ganz einpacken und anfangen, uns auf die Realität zu konzentrieren - das ist der Teil des Tages, an dem wir wach sind und in der Lage, wirklich etwas zu tun. Wir haben viel zu bewältigen und viel zu tun.
Die Übernahme von Fannie und Freddie durch die Regierung stellt lediglich eine weitere Überkleisterung unseres grundlegenden Problems dar - dass bis wir neue Möglichkeiten gefunden haben, ein Staat zu sein, anders leben und auf andere Weise an anderen Dingen arbeiten, die übrigen Länder der Welt kein Vertrauen in uns haben werden und auch nicht in das Papier, das wir herausgeben und wir werden auch nicht wirklich Vertrauen in uns selber haben.
Ich habe schon immer geglaubt - und das auch schon lange gesagt - dass wir es nicht durch diese Krise schaffen werden, ohne auch eine Phase der Mühsal zu durchlaufen. In diese Phase treten wir jetzt ein. Und selbst wenn der Aktienmarkt nach den Ankündigungen des Deals für Fannie und Freddie (und weil man fälschlich glaubte, dass die Probleme damit vorbei seien) um 500 Punkte nach oben geklettert ist, so stehen wir doch erst am Anfang dieser sehr schmerzhaften Phase der Schuldumwandlung.
Ich selbst gehe davon aus, dass wir vor den Präsidentschaftswahlen noch ein finanzielles Blutbad erleben werden. Und das Geschäft mit Fannie und Freddie könnte der Ort sein, an dem die Sache ins Rollen kommt.