Ein Leserbrief
J. Christoph Amberger in Baltimore in Traders Daily
vom 7. Oktober 2009, 12:00 Uhr
ENL5454
Hin und wieder bekomme ich auch mal Post von Traders Daily-Lesern, die mir zeigen wollen, was sie so alles im Psychologiekurs an der Volkshochschule gelernt haben, oder mich mit Urbanen Mythen aufklären wollen, wie das Leben in den USA doch gefälligst zu sein habe.
So schrieb mir Herr R.:
"Ich bin inzwischen pensioniert, war Leitender Angestellter im Bayerkonzern und habe daher sehr viele Bekannte, die, sagen wir mal, sich zur elitären Klasse zählen. Sie können es sich kaum vorstellen, wie in dieser Klasse der Anti-Amerikanismus um sich gegriffen hat."
"Mich erinnert das an meine Studienzeit in Hamburg, als ich in einen Kreis von Diplomanden und Doktoranden geriet und nach wenigen Worten meinerseits über die damalige üble Rolle der Gewerkschaften zum Kapitalistenknecht abgestempelt wurde. Ich habe erlebt, wie sich Anfang der Siebziger unter den SPD-Regierungen mein Gehalt als Wissenschaftlicher Assistent innerhalb von zwei Jahren mehr als verdoppelte, weil das große Füllhorn ausgeschüttet wurde, das zuvor die CDU-Regierungen gefüllt hatten. Unverschämte Forderungen der Gewerkschaften ließen die Inflation nach oben schießen, und als ich 1971 bei Bayer begann und dort ein zinsloses Darlehen als Uni-Absolvent erhielt, das ich eigentlich gar nicht brauchte, konnte ich für Festgeld 11% bekommen, bei 7% Inflation."
"Dies ist die eigentliche Basis der heutigen deutschen Misere; denn nun ist die Substanz verbraucht, große Teile der Bevölkerung haben das Arbeiten verlernt, und wir nähern uns allmählich DDR-Verhältnissen. Da aber schon mehr als 50% der deutschen Bevölkerung in irgendeiner Weise Empfänger von Transferleistungen sind, wird sich daran auch nichts ändern, es wird weiter Rot-Grün gewählt, da verspricht man sich am ehesten die Fortsetzung dieses Lotterlebens. Die damit verbundene unglaubliche Verschuldung des Landes nimmt man ja so direkt nicht wahr. Herr Eichel war ja auch nicht Mathematiklehrer!!"
"Nachdem Deutschland bereits eine Vielzahl an Technologien an das Ausland verloren hatte (Motorräder, Fahrräder, Kameras, Textilien, Farbstoffe, die ganze HiFi-Industrie und vieles andere), gab man die technologischen Kerngeschäfte politisch gesteuert bewusst auf (Kernenergie, Stammzellenforschung, Gentechnologie, moderne Transportmittel). Dafür haben wir jetzt Tausende von Windmühlen, die Ökosteuer ('ich tanke für meine Rente') und ein zunehmend desolater werdendes Straßennetz mit Schlaglöchern, wie ich sie zuletzt bei uns in der Nachkriegszeit sah."
"Meine Kinder machen bei der Greencard-Lotterie der USA mit weil auch sie die Zeichen der Zeit erkannt haben."
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Ralf Schulz (07.10. 2009 12:29 Uhr):
Dieser Beitrag wurde bereits am 10.09.2008 gebracht - und ist seitdem weder zeitgemäßer noch zutreffender geworden. Ich finde das ziemlich peinlich!
Antworten - Kommentar von Marmann Reinhard (07.10. 2009 13:09 Uhr):
Leider Realität.
Antworten - Kommentar von Jürgens (07.10. 2009 13:54 Uhr):
Sehr geehrter Herr R . . . , Sie sollten sich bei Ihren Ausführungen vielleicht einmal folgende Frage stellen: Wer, glauben Sie, hat denn den jetzigen Ist-Zustand weltweit hergestellt? Waren es die (wie sagten Sie - von den Gewerkschaften übelst geführten) Massen oder die "elitären" Gesellschaften? Wenn Sie sich diese Frage ernsthaft beantworten, erübrigt sich jeglicher Kommentar. Gruß J. Jürgens
Antworten - Kommentar von Klaus Hertel (07.10. 2009 14:58 Uhr):
Ich stimme inhaltlich voll zu ! In ähnlicher Weise ist ja das Römische Reich untergegangen, ganz so naiv waren die Römer allerdings nicht! Wie immer gilt: Jeder ist seines Unglückes Schmied! Und: meine Enkel tun mir leid. KH
Antworten - Kommentar von Siegfried Park (07.10. 2009 16:47 Uhr):
Ja! Der gute Mann hat recht!
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- Kommentar von Lothar Wolf (07.10. 2009 18:30 Uhr):
Lieber Christoph, Sie Kasper, ausser der Greencard-Lotterie der USA hat der Leser in keiner Weise gesagt wie das Leben in den USA doch gefälligst zu sein habe. Kommen Sie mal nach China, da können Sie lernen was man in USA verlernt hat. Mit herzlichen Grüßen aus Shanghai Lothar Wolf
Antworten - Kommentar von Frank (07.10. 2009 19:38 Uhr):
Das große Teile der Bevölkerung sich an das Lotterleben gewöhnt haben, geht an der Realität vorbei. Durch das staatlich geförderte Lohndumping, genannt Hartz IV, gehen seriöse Firmen die auskömmliche Löhne zahlen pleite. Dagegen werden unseriöse Firmen, die sittenwidrige Löhne zahlen, durch Hartz IV Zahlungen (an die Mitarbeiter) gefördert. Dadurch kommt es zu hohen Transferleistungen und Arbeitsplatzabbau. 5 Mio. inoffizielle Arbeitslose sollen zu Faul zum Arbeiten sein.? Ist das wirklich Ihre Meinung?
Antworten - Kommentar von schön manfred (07.10. 2009 20:58 Uhr):
Herr Amberger hat völlig recht. Was in dieser unserer Bananen-republik abgeht spottet jeder Beschreibung. Wir Bürger werden in einem nie gekannten Umfang bevormundet. Die Schar der Intelligenten, die nichts mehr arbeiten und trotzdem mehr haben als viele Familienväter die treu und brav arbeiten gehen wird immer größer. Der Sozialneid wird immer größer. Alles läuft darauf hinaus, daß immer mehr Faulenzer auf Kosten der immer weniger Fleißigen leben. Reichtum für alle. Reichtum besteuern. Doofer gehts nimmer.
Antworten - Kommentar von Alex Kronert (08.10. 2009 12:40 Uhr):
Einer der die Zeichen der Zeit wirklich erkannt hat duerfte wohl kaum sein Heil im Lotteriespiel suchen.
Antworten - Kommentar von Alex Kronert (08.10. 2009 12:43 Uhr):
Einer der die Zeichen der Zeit wirklich erkannt hat duerfte wohl kaum sein Heil im Lotteriespiel suchen.
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