Ein landesweiter politischer Stromausfall
Dr. Marc Faber in Traders Daily
vom 16. Juni 2008, 12:00 Uhr
ENL5462
Auch wenn ich nicht immer mit den Ansichten des Kolumnisten Thomas Friedman übereinstimme, so muss ich doch seiner Kritik der amerikanischen Energiepolitik in jeder Hinsicht zustimmen. In einem seiner jüngsten Beiträge, mit dem Titel „Die Energie, ernst zu sein" nimmt er Hilary Clinton und John McCain in die Verantwortung, weil sie vorgeschlagen haben, dass die Bundesabgabe auf Benzin in diesem Sommer ausgesetzt werden soll.
Laut Friedman ist es „großartig zu sehen, dass wir Amerikaner doch endlich in einer Hinsicht Einigkeit bei der Energiepolitik des Landes erleben. Dummerweise ist die Idee, die zur Einigkeit führt, so lächerlich, so unwürdig derer, die anstreben die USA anzuführen, dass es einem den Atem raubt."
"Hillary Clinton hat sich dazu durchgerungen, sich hinter John McCain zu stellen, bei dem Versuch, durchzusetzen, dass die Bundesabgabe für Benzin in der Höhe von 18,4 Cent pro Gallone, während der Reisezeit im Sommer ausgesetzt wird. Das ist keine Energiepolitik. Das ist Geldwäsche: Wir Amerikaner leihen Geld von China und verschiffen es nach Saudi-Arabien und nehmen einen kleinen Anteil für uns selbst, während es durch unsere Benzintanks fließt. Was ist das für eine Möglichkeit, ein Land aufzubauen."
Wenn der Sommer dann vorbei sein wird, dann werden wir unsere Schulden gegenüber China erhöht haben. Der Transfer von Wohlstand nach Saudi Arabien wird zugenommen haben und auch unsere Beiträge zur Klimaerwärmung, die wir dann an unsere Kinder weitervererben werden.
Nein, nein, nein, wir bekommen einfach das Geld, indem wir das Große Öl besteuern, sagte Clinton. Doch selbst wenn das möglich wäre, dann wäre es eine schreckliche Möglichkeit, wertvolle Steuerdollar auszugeben - indem man diese auf dem Weg an den Strand verbrät, anstatt sie in Fortschritt zu investieren.
Der McCain-Clinton Ferien-Benzin-Vorschlag ist ein perfektes Beispiel für das, was der Energieexperte Peter Schwartz vom Global Business Network als die wahre amerikanische Energiepolitik von heute bezeichnet. „Die Nachfrage maximieren, das Angebot minimieren und den Rest von denjenigen kaufen, die uns am meisten verachten..."
Wenige Leute wissen es, aber seit fast einem Jahr streitet sich der Kongress darüber, ob man die Steuervorteile für Investitionen in Solarenergie und die Produktion von Windenergie erneuern soll oder nicht. Die Streitereien wurden so giftig geführt, dass es dem Kongress nicht gelangt, einen Stimulus für die Wind- und Solarenergieproduktion zu verlängern, als er im Dezember das Energiegesetz von 2007 erließ.
Öl und Gas haben ihre Kredite behalten, aber die Kredite für die Wind- und Solarenergie hat man im Dezember auslaufen lassen... diese Kredite sind wichtig, denn sie stellen sicher, dass die Investitionen in Wind- und Solarenergie auch dann noch profitabel sind, wenn die Preise für Öl wieder fallen - was häufig passiert.
Damit entwickeln sie neue Energietechnologien und helfen dabei, auf dem aktuellen Stand zu bleiben, so dass sie auch ohne Subventionen weiter wettbewerbsfähig bleiben... das ist so alarmierend, sagt Rhone Resch, der Präsident der Solar Energy Industries Association, dass die Vereinigten Staaten bereits einen Punkt erreicht haben, an dem die Prioritäten des Kongresses durch die Politik so verzerrt werden, „dass er der nächsten großen weltweiten Technologie den Rücken zukehrt" - einer sauberen Energie - „aber das ist genau das, was gerade passiert."
Während alle Präsidentschaftskandidaten über den Stellenverlust in Ohio fluchten, ies es niemandem aufgefallen, dass Amerikas wichtigstes Unternehmen für Solarenergie, First Solar aus Toledo in Ohio, die größte Fabrik in Ostdeutschland aufmacht - mit 540 gut bezahlten Stellen für Ingenieure.
Und das, weil es Deutschland gelungen ist, einen boomenden Solarmarkt aufzubauen und Amerika nicht. [In Deutschland und Japan gibt es Anreizprogramme über 20 bzw. 12 Jahre für Solarenergie - Anm. des am. Verfassers] 1997, sagt Resch, war Amerika mit einem 40%igen Anteil der weltweiten Produktion in der Solarenergietechnologie führend. „Im vergangenen Jahr machten wir weniger als 8% aus und auch davon bestand ein großer Teil aus der Produktion für die Märkte im Ausland."
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