Ein kluger Mann und ein Idiot
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 18. September 2007 07:30 Uhr
ENL5454
Ben Bernanke ist ein kluger Mann ... und ein Idiot. Der kluge Mann sprach vor einer Menschenmasse in Berlin und lieferte eine so klaren, ehrliche Einschätzung der weltweiten Finanzsituation, dass ich sehr überrascht bin, dass darauf kein Einbruch des Aktienmarktes folgte.
Bernanke wies darauf hin, dass der große Boom zu weiten Teilen eine Folge des Sparens von Seiten der Ölproduzenten und der asiatischen Exportländer war. Er hat es nicht erklärt, aber dieses Geld hat die Amerikaner von der Notwendigkeit befreit, selbst Geld zurücklegen zu müssen. Stattdessen haben sie das Geld von den Sparern im Ausland geliehen – während ihr eigenes Geld für den Konsum verwendet wurde. Er hat auch nicht die wahren, langfristigen Konsequenzen dieser finanziellen Arbeitsteilung beschrieben: Die Menschen im Ausland werden zu reichen Produzenten und Sparern, die Amerikaner werden (gemeinsam mit ihren angelsächsischen Cousins und Cousinen in Großbritannien und Australien) zu armen Konsumenten und Schuldnern.
Was er erklärte war, dass dieses leichte Geld vermutlich “im Laufe der nächsten Dekaden“ verebben wird, wenn die ölexportierenden Länder und die produzierenden Länder in Asien anfangen, einen größeren Teil des eigenen Outputs zu konsumieren. China wird beinahe mit Sicherheit in den nächsten Jahren weniger sparen und mehr ausgeben. Unvermeidlich wird das für die Amerikaner Druck bedeuten, selber mehr zu sparen ... und weniger zu konsumieren. Es wird außerdem höhere Zinssätze in den Vereinigten Staaten zur Folge haben, sowie einen Dollar von geringerem Wert und geringere Preise für amerikanische Anlagewerte.
Vor zwei Jahren hat der Idiot Bernanke gesprochen und er ist auf das gleiche Phänomen zu sprechen gekommen. Aber damals bezeichnete er es als den „Überschuss weltweiter Ersparnisse“ und ermutigte zu der Wahnvorstellung, dass die Amerikaner den Sparern einen guten Dienst erweisen würden, wenn sie das Geld nähmen. Er ließ es damit als einen gnädigen und heilsamen Austausch erscheinen. Sie erledigen das Sparen ... wir das Ausgeben. Sie das Produzieren ... wir das Konsumieren. „Sie schwitzen“, sagte ein Finanzexperte, „wir denken.“
Der Betrug dahinter hatte ungefähr die gleiche Auswirkung auf die amerikanischen Investoren und Konsumenten, wie das Auffinden eines umgekippten Schnapslasters auf der Straße. Schon bald deckten sich die Finder mit so vielen Flaschen ein, wie sie tragen konnten – und die Party konnte anfangen.
“Wir sind so schlau, wir müssen keine harte Arbeit mehr verrichten”, sagten sie zu sich selbst. „Wir sind solche Genies, wir brauchen nicht mehr zu sparen. Wir sind so ‚erfinderisch’ ... wir sind so ‚kreativ’ ... wir haben die ‚dynamischste Wirtschaft’ und die ‚flexibelsten’ Märkte der Welt. Nun, wir wollen der Sache ins Auge blicken – wir sind einfach schlauer als alle anderen.“
Doch mittlerweile ist die Polizei am Ort des Geschehens angekommen und die Leute übergeben sich hinter den Büschen. „Die Party ist vorbei“, schreibt die Financial Times. Und die Zentralbank sagt, sie würde darüber nachdenken, den Referenzzinssatz bei ihrem Treffen in dieser Woche zu senken – genau wie ich es vorhergesehen habe. Die weniger kreditwürdigen Kreditnehmer Amerikas (und die Kreditgeber), sehen heute nicht mehr so aus wie Genies. Sie sehen eher aus wie die Großmäuler, die sie schon seit je her gewesen sind. Plötzlich erscheinen viele der größten Spieler von der Wall Street und aus Greenwich nicht mehr so klug. Und die Europäer klopfen sich selbst auf die Schultern – „Seht ihr ... die Amerikaner sind Dummköpfe“, sagen sie zueinander, „genau das, was wir immer schon gesagt haben.“