Ein kleines Glas Whiskey
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 18. Juni 2010, 07:30 Uhr
ENL5454
Paul Krugman meint, mit Ausgabenkürzungen solle man warten, bis es der Wirtschaft wieder gut geht. Nun, während die Arbeitslosigkeit zunahm, erhöhten die Amerikaner bestehende Hypotheken auf ihre Häuser und kauften sich eine Rekordzahl neuer Autos. Und das ist der Grund, warum die US-Regierung ihre Ausgaben erhöht hat...und ihre Defizite (enorm)....nachdem die Steuereinnahmen zu Beginn des neuen Jahrtausends zu kollabieren begannen. Und das ist der Grund, warum das Handelsbilanzdefizit immer größer und größer wurde - sogar als der Dollar fiel. Zu Beginn des Jahres 2009 schien die gesamte Nation - ihre Aktien, ihre Währung, ihr Militär und ihre Konsumenten - auf dem Weg in den Untergang zu sein.
Die meisten Volkswirte werden Ihnen sagen, dass das wirtschaftliche System der USA von der Stimmung der Fed, also der Zentralbank, kontrolliert wird. Aber manchmal passieren Dinge, sogar dann, wenn die Zentralbanker Amerikas nicht besonders in der Stimmung für diese Dinge sind.
Wenn die Fed-Gouverneure es für notwendig halten, dass in den Geschäften und Fabriken der Nation ein bisschen mehr los sein sollte, dann verordnen sie ein kleines Glas Whiskey", wie es der ehemalige Fed-Vorsitzende Norman Strong einmal ausgedrückt hat. Wenn die Fed-Gouverneure hingegen in einer ruhigen Stimmung sind, dann nehmen sie die Whiskey-Flasche weg, und die Party ebbt langsam ab. Seit dem Zweiten Weltkrieg schienen die Stimmungswechsel der Fed ziemlich gut mit dem Auf und Ab der Wirtschaft zu korrespondieren.
Ein Mitarbeiter des ehemaligen Fed-Vorsitzenden Alan Greenspan, John Taylor, hatte diese Beobachtung kodifiziert, in der sogenannten Taylor-Regel". Wenn sich die Wirtschaftslage und die Inflation belebten, dann stiegen auch die Zinssätze, die die Fed für Übernachtkredite verlangte. Und wenn sich die Wirtschaftslage und die Inflation abkühlten, dann kamen auch die kurzfristigen Zinssätze der Fed runter. Aber manchmal passieren eben Dinge, auch wenn die Zentralbanker Amerikas gerade nicht besonders in Stimmung für diese Dinge sind.
Trotz der Flut von Geld und Kredit und der weit verbreiteten Erwartung einer Erholung weigerten sich die Märkte in den ersten Jahren des 21. Jahrhunderts zu kooperieren. Was immer auch die US-Wirtschaft kränkeln ließ - es schien sich nicht mit ein oder zwei Schluck Whiskey heilen lassen. Das erste Mal in der Nachkriegsgeschichte erwies sich eine laxe Geldpolitik - und sogar die aggressivste in der Geschichte der Fed - als Flop!