Ein kleiner Leitfaden fürs Sektor-Trading
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 10. Dezember 2008, 16:00 Uhr
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Liebe Leser,
wie versprochen habe ich heute einen Artikel für all die von Ihnen, welche gerne mehr zum Sektor-Trading wissen möchten. Ich werde in einem Beitrag natürlich nicht alle interessanten Aspekte dieses tiefen Feldes abdecken können, jedoch habe ich darauf geachtet, Ihnen auch ein paar weiterführende Links und Literatur zu nennen. Wer darüber hinaus (gerne auch während des Studiums des weiteren Materials) Fragen an mich hat, kann diese gerne jederzeit per E-Mail an mich senden.
Der zweite Artikel bietet Ihnen weitere Hintergrundinformationen zu unserem Geld- und Wirtschaftssystem. Nachdem wir uns letzte Woche im Schnelldurchlauf angesehen haben, woher der Geldbegriff und Banknoten historisch eigentlich kommen, werden wir heute ein wenig weiter an das "Eingemachte" gehen (Hierzu habe ich übrigens ein interessantes Video für Sie gefunden!)
Sektor-Trading: Eine Zusammenfassung
Prinzipiell gibt es in Ihrer Situation zwei verschiedene Wege, welche Sie einschlagen können, wenn Sie mehr über Sektor-Trading lernen möchten. Einerseits gibt es die Möglichkeit, sich mit frei erhältlichen Indizes, welche Marktsektoren gut abbilden, selbst eine Art Sektorenmodell der Märkte zu erstellen und dann etwa anhand von geeigneten Sektor ETFs (d.h. breite und repräsentative Streuung ohne Klumpen im Bereich der Top Holdings) zu betrachten, wie sich diese Kategorien gegenseitig verhalten. Dies ist natürlich nicht ganz einfach und erfordert unter Umständen einiges an Arbeit und sehr viel Zeit (ich weiß, wovon ich spreche, da ich mir einmal selbst ein paar Routinen in diesem Bereich programmiert habe, bevor ich dann zu einem kostenpflichtigen Dienstleister, welcher auch von einigen institutionellen Anlegern genutzt wird, wechselte und nur noch kleine Teile selbst programmiere...).
Die andere Variante ist es, auf vorgefertigte Sektorenmodelle zurückzugreifen (wie ich es aktuell zum Teil tue), was allerdings dann kostenpflichtig ist. Es gibt im Internet kostenpflichtige Datenanbieter, welche täglich derartige Modelle für die Finanzindustrie erstellen und verfolgen. Die meisten hiervon werden Sie im US Bereich finden. Die Kosten für ein detailliertes Sektormodell können sich allerdings leicht auf fünfstellige Beträge und deutlich mehr im Jahr belaufen, je nachdem wie genau Sie eben vorgehen möchten und welche Daten Sie benötigen bzw. haben möchten. Für Einsteiger gibt es natürlich auch günstigere Lösungen. Im deutschen Bereich gibt es z.B. Programme zur Erstellung entsprechender Charts, wie etwa den Bull's Eye Broker (ich habe keinerlei Geschäftsbeziehung zur Kundenwerbung mit irgendwelchen Daten-, Sofware oder Chartanbietern. Ich nenne hier lediglich Optionen, welche Sie ggf. selbst näher recherchieren und nutzen können, wenn Sie Interesse haben).
Was ist die Lösung zwischen diesen beiden Extremen?
Zugegeben, es ist sehr schwer hier ein Patentrezept aufzuzeigen. Ich halte zwar Sektor-Trading für einen der interessantesten und lukrativsten Wege, an der Börse Geld zu verdienen, jedoch ist diese Art sicher nicht für jeden Anleger geeignet. Wie können Sie also herausfinden, ob dies Ihrer Mentalität überhaupt entspricht (ohne zu viel Zeit oder Geld zu investieren)?
Ich würde Ihnen folgendes Vorgehen empfehlen:
1) Informieren Sie sich näher über die Methodik der Sektorrotation (z.B. durch Erlernen der Point & Figure Technik)
2) Sehen Sie sich einmal einen kostenpflichtigen Chart-/Sektormodell-Dienst im Probe-Abo an (z.B. Investor's Intelligence, o.ä.). Das kostet meist nicht viel, doch können Sie so einen sehr guten Eindruck gewinnen, was es bedeutet, nach dieser Methodik zu arbeiten. Besonders wichtig an diesen Chart-Diensten ist die große und gut balancierte Vielzahl an Sektor-Indizes, welche es im freien, kostenlosen Bereich kaum in der Fülle und Präzision gibt. Die Kosten für deren Erstellung sind einfach zu hoch.
3) Wenn Sie sich entscheiden, tatsächlich einen Chartdienst regelmäßig zu nutzen, so verfeinern Sie Ihre Kenntnisse und gewinnen Sie mehr Erfahrung mit der Methodik (etwa durch Papertrades zur Übung)
Sollten Sie eher selbst ein "Bastler-Typ" sein und sich einen eigenen Analyseansatz zusammenstellen wollen, so gebe ich Ihnen gerne im folgenden Abschnitt ein paar erste Anregungen.
Ecksteine eines eigenen Marktmodells
Ein Punkt im Vorfeld: Sie sollten zur Umsetzung der folgenden Punkte über gewisse Programmier-Grundkenntnisse verfügen, denn sonst wird es schwer. Aus meiner Sicht lässt sich von Hand kaum ein detailliert und effizient genuges Modell erstellen, mit dem Sie stets sicher die Übersicht über eine differenziert gewählte Menge von Sektoren behalten können, ohne wirklich viel Zeit aufzuwenden.
Falls Sie also etwas Programmierung möchten und genug Zeit und Ehrgeiz haben, hier ein paar Anregungen zur logischen Strukturierung (nicht vollständig, lediglich etwas als gedankliche "Starthilfe" gedacht):
1) Suchen Sie sich für die Kernmärkte (USA, Europa, etc.) geeignete Stellvertreterindizes aus (USA etwa S&P 500 equal weight), welche die Märkte repräsentativ abbilden. Kapitalisierungsgewichtete Indizes (wie etwa der Dow Jones Industrial Average) scheiden prinzipiell aus. Sinnvoll ist Gleichgewichtung, da Sie ja wissen möchten, was in der Marktbreite geschieht.
2) Definieren Sie sich eine Reihe von wichtigen Sektoren und suchen Sie sich ETFs, welche diese verlässlich abbilden (etwa durch breit gestreute Körbe an Werten im Portfolio des ETFs). Nutzen Sie diese ETFs als Sektorindizes (oder greifen Sie auf vorhandene Indizes zurück).
3.) Erstellen Sie Einzelcharts für den Verlauf der jeweiligen Sektoren; erstellen Sie Vergleichscharts für die relative Stärke. Sie können hier z.B. die Formel Sektorkurs/Stellvertreterindex(Markt) * 100 wählen und dies auf einem Chart (etwa P&F) darstellen.
4.) Definieren Sie Stellvertreterindizes für weitere Anlageklassen (Anleihen, Rohstoffe, etc.)
5.) Erstellen Sie auch hier relative Stärke Charts
Prinzipiell haben Sie nun ein (zwar relativ oberflächiges) aber erstes, umsetzbares Modell, welches Ihnen gestattet, Sektoren individuell und gegen den Markt zu betrachten. Solch eine Vorgehensweise kann natürlich noch extrem ausgebaut werden, aber ich wollte Ihnen an dieser Stelle nur einmal ein paar theoretische Anstöße geben.
Wenn Sie mehr zum Sektortrading wissen möchten, so kann ich Ihnen die Point & Figure Methodik sehr empfehlen. Auch bieten zahlreiche Chartdienste detaillierte Einführungen in diese Thematik an. Interessante und empfehlenswerte Materialen sind aus meiner Sicht:
--> Die Chartschule bei Stockcharts.com (kostenfreies Material zu P&F Charts, nur in Englisch)
--> Chartdienste wie Investor's Intelligence (ich habe keinerlei Geschäftsbeziehungen zu II)
--> Bücher, welche die Point & Figure Methodik lehren (etwa Tom Dorsey "Sicher anlegen mit Point & Figure" aus dem Finanzbuch-Verlag)
Ich hoffe, allen Interessierten von Ihnen eine kleine Orientierung im Bereich "Sektortrading" gegeben haben zu können, und wünsche Ihnen viel Erfolg beim weiteren Verfolgen dieser interessanten Vorgehensweise.