Ein Jubiläum ohne großes Tamtam: 10 Jahre Euro
Cindy Bach in Insider Daily zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 4. Januar 2012, 14:30 Uhr
ENL5454
selten wurde ein großes Jubiläum derart leise begangen wie dieses: 10 Jahre Euro und keiner will es feiern. Es ist frostige Stimmung statt Partylaune angesagt, denn unsere Gemeinschaftswährung steht bereits seit Monaten an einer steilen Klippe und der Wind tobt ihr mal von vorn und mal von hinten um die Ohren. Noch konnte sie ihr Gleichgewicht immer wieder zurück gewinnen. Doch viele sehen den Euro schon in die Tiefe stürzen. Andere halten ihn für stark genug, jedem Wind zu trotzen. Wer aber wird Recht behalten?
Nur soviel steht zum Jubiläum dieser Tage bereits fest: 2012 dürfte das "Schicksalsjahr" der Gemeinschaftswährung werden. Denn längst wird nicht mehr nur hinter vorgehaltener Hand erklärt, dass ein Ausstieg einzelner Länder aus dem Euroraum Wirklichkeit werden könnte. Laut EURO am Sonntag geht jedes vierte Mitglied des Verbandes unabhängiger Vermögensverwalter davon aus, dass die Eurozone Ende 2012 anders aussehen wird als heute. 25% der Experten hält es demnach für wahrscheinlich, dass einige hoch verschuldete Staaten dem harten Sparzwang und der damit einhergehenden deutlichen Konjunkturabschwächung Tribut zollen und die Gemeinschaftswährung verlassen müssen.
Hätten Sie vor drei Jahren gedacht, dass der Euro einmal derart in Gefahr geraten könnte? 2009 hat man nämlich schon einmal Geburtstag gefeiert. Auch damals hieß das Jubiläum: 10 Jahre Euro, nur damals feierte man die Einführung des Buchgeldes noch mit lautem Getöse voll Festakten und Lobhuddelei. Davon ist man dieser Tage weit entfernt. Einzig die eingefleischten Euro-Kritiker triumphieren und klopfen sich lobend auf die Schultern, "wir haben es Euch doch gleich gesagt".
Eurokritiker Hankel: "Wenn die EU überleben will,
wird es ein 15-jähriges Eurojubiläum nicht geben"
Einer der eingefleischtesten dieser Zunft ist Professor Wilhelm Hankel. Und der Wirtschaftswissenschaftler wird zum "Jubiläum unter schlechtem Stern" besonders häufig gefragt, wie er denn die Zukunft des Euro sieht. Auch in der EURO am Sonntag, darf sich der zu den profiliertesten Euro-Kritikern Deutschlands gehörende Ökonom mal wieder äußern: "Die Europäische Währungsunion hat längst gezeigt, dass sie nicht funktionieren kann. Letztlich hilft uns aus der Eurokrise nur die Rückbildung der Eurowährungs- in eine Eurowechselkursunion mit nationalen Währungen. Alles andere bedeutet eine Eurorettung um jeden Preis'. Und der ist unbezahlbar. Wenn die EU überleben will, wird es ein 15-jähriges Eurojubiläum nicht geben."
Einer, der direkt an der Front die Umstellung von Mark auf Euro vorantrieb, sieht das ganz anders. Martin Hüfner, ehemaliger Chefvolkswirt der HypoVereinsbank glaubt nicht an ein Scheitern des Euro. Gegenüber der EURO am Sonntag gibt er vielmehr zu bedenken: "Die Eurokrise könnte die Gemeinschaft enger zusammenwachsen lassen und den Euro stählen. Dann könnte ihn so schnell nichts mehr aus der Bahn werfen. Ich tröste mich manchmal mit dem Gedanken: Als Amerika so alt war wie die EU, gab es noch den Bürgerkrieg zwischen Nord- und Südstaaten. An eine gemeinsame Währung hat damals niemand gedacht. Und was ist aus diesem Land geworden?"
Nun ja. Man sollte bedenken, dass auch die USA in einer tiefen Schuldenkrise stecken. Und der Dollar hat in seiner mittlerweile 227 jährigen Geschichte schon viele Krisen bewältigt.1785 wurde der "Dollar" als neue Währung der USA eingesetzt und bereits im Jahre 1787 wurden die ersten Münzen emittiert. Die ersten Dollar-Banknoten aus Papier wurden in den Jahren 1861/1862 in Umlauf gebracht, unmittelbar zum Beginn des großen Bürgerkrieges zwischen Nord- und Südstaaten. Die noch junge Währung wurde also gleich einem massiven Härtetest unterzogen. Und es sollte danach knapp 80 Jahre dauern, bis die Währung im eigenen Land die notwendige Stabilität erhielt. Nicht mal 20 Jahre später, also ab Mitte des 20. Jahrhunderts, wurde der Dollar vorherrschende Reserve- und Handelswährung der Welt. Trotz viele politischer Umbrüche erhielten sich die USA über viele Jahre diese Vormachtstellung.
Der Euro hat diesen langen und mühsamen Weg noch vor sich. Ähnlich wie beim Dollar hat er schon in jungen Jahren eine schwere Krise zu bewältigen. Und vielleicht werden einige Länder dieser Krise zum Opfer fallen. Doch danach wird die Gemeinschaftswährung gestärkt aus ihr hervorgehen.
Ich wünsche Ihnen einen guten Börsentag.
Ihre
Cindy Bach