Ein interessanter Vergleich: Dax 5000 = Dow 11.000 Punkte
Jochen Steffens in Investors Daily zum Thema Dax 30
vom 07. März 2006 18:00 Uhr
ENL5454
Ich habe für Sie wieder ein kleines Schmankerl entdeckt. Es geht hierbei um die Frage, auf welche Art und Weise überwindet ein Kurs eine psychologisch überaus wichtige Marke. Sie wissen, der Dow kämpft aktuell mit der 11.000 Punkte Marke. Interessant wäre doch zu wissen, ob es ein Muster gibt, welches sich an solch markanten Marken wiederholt. Ich hatte hier schon den Vergleich mit der Entwicklung im vorherigen Jahr, als der Dax die 5000 Punkte Marke überwunden hat, genannt. Nachdem der Dow gestern doch wieder deutlich unter die 11.000 Punkte Marke gefallen war, habe ich mir den Bruch der 5000er Marke im Dax einmal genau angeschaut und entdeckte eine erstaunliche Parallelität:
Das sieht doch fast aus, wie kopiert. Im großen Chart sehen Sie, wie sich der Dax an der 5000 Punkte Marke verhalten hat (August bis November 2004). In dem Ausschnitt sehen Sie die aktuelle Entwicklung im Dow Jones an der 11.000er Marke(November bis März 2004-05).
Die identische Entwicklung
Zunächst ist der Dax genau an diese 5000er Marke gelaufen um daran zu scheitern. Der Dow lief an die 11.000er Marke und scheiterte ebenfalls. Danach kam es zu einem Gedaddel, auch das ist bei beiden Indizes ähnlich. Es folgte ein Kurseinbruch unter das letzte Tief. Anschließend wurde im Dax die 5.000 Punkte und im Dow die 11.000 Punkte Marke überwunden. Aber nur leicht. Es folgte ein scharfer Einbruch, sowohl im Dax, als auch im Dow mit einer kleinen Zwischenerholung.(Wobei der Einbruch im Dow etwas stärker war)
Zum Schluss kommt es zu einem massiven Bruch der jeweilig psychologisch wichtigen Marke. Der Dax geht auf die 5150 Punkte Marke und der Dow steigt auf 11150 Punkte. Im Dax wie im Dow dachten alle zu diesem Zeitpunkt: "Nun haben wir es endlich geschafft!"
Doch es kommt natürlich anders – wer hat je davon gehört, dass die Börse einfach sei? Der Dax schmierte damals massiv ab und rutschte sogar unter das letzte Hoch. Mitten in diesem Einbruch befinden wir uns aktuell im Dow. Auch im Dow ist es nach diesem eindeutigen Ausbruchsversuch nach oben zunächst einmal zu einem starken Abverkauf gekommen.
Nimmt man diesen Vergleich, dann kann dieser Abverkauf im Dow auch noch durchaus bis zur 10700 Punkte Marke kommen, bevor es dreht und die 11.000er Marke endgültig nach oben verlassen wird. (Obwohl er natürlich auch jederzeit vorher drehen kann)
Zweifel führten zum Ausbruch
Vielleicht erinnern Sie sich noch: Damals, als der Dax nach dem deutlichen Bruch wieder unter die 4800 Punkte Marke rutschte, wurde alles und jeder bearish. Selbst ich, der damals sehr bullish eingestellt war, hatte in diesem Moment mit Zweifeln zu kämpfen. Ich habe Ihnen davon berichtet, jedoch gleichzeitig immer wieder betont, das "eigentlich" alles bullish sei und ich diesen Abverkauf nicht verstehe und übertrieben finde. Mit dieser Einschätzung habe ich dann letzten Endes auch Recht behalten.
Genau das gleiche passiert aktuell. Wie Sie wissen, bin ich für die amerikanischen Indizes bullish. Aber natürlich, wenn der Dow nun weiter fallen wird, werde/würde auch ich meine Zweifel kriegen.
Ein Vergleich macht noch keinen Sommer
Natürlich sind das alles nur Hinweise. Die Börse funktioniert nicht immer nach gleichen Mustern, aber doch wieder ausreichend oft, um solche Vergleiche heranziehen zu können. Einige werden sich noch an meinen Vergleich der Charts 1997 und 2004 im Dax erinnern, der schließlich auch aufgegangen ist. Man kann also solche Vergleiche als Hinweis nehmen, sollte Sie jedoch nicht überbewerten! Wenn sich zeigen sollte, dass sich diese beiden Charts weiterhin ähnlich entwickeln, dann kann man diesen Vergleich natürlich als Signalgeber für einen Einstieg nutzen.
Moment – ich bin (noch) nicht bearish!
Ich habe nach meinem gestrigen Newsletter mehrere Mails erhalten, die "meine bearishe Meinung" teilen. Moment! Ich bin immer noch nicht bearish! Der Dax ist immer noch in einem klaren Aufwärtstrend. Ich erwarte immer noch Kurse von 6000-6200 Punkten. Immer noch ist kein guter Zeitpunkt, um short zu gehen. Das möchte ich betonen.
Wir befinden uns immer noch in einer normalen Konsolidierung. Aber (das "aber" musste ja jetzt kommen): Es mehren sich deutliche Hinweise, dass die Dynamik der Rally im Dax ihr Ende finden wird, es zu den prognostizierten Mittelabflüssen kommt. Das wiederum passt zu meiner seit Wochen geäußerten Einschätzung, dass die amerikanischen Indizes den Dax in diesem Jahr schlagen werden, zumindest bis September/Oktober 2005.
Ab Oktober sollte es dann für den Dax bis zum Jahresende weiter gehen – wenn nicht irgendeine geopolitische Krise all diese schönen Prognosen zunichte macht.