Ein imaginäres Kneipengespräch
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 05. September 2007 12:00 Uhr
ENL5454
Wenn wir beide - Sie, liebe(r) Leser(in), und ich - zusammen in einer gemütlichen Kneipe bei einem Bier sitzen würden – dann würden Sie mich wahrscheinlich fragen, in was man jetzt investieren kann.
Den nahe liegenden Billigwitz (Bier, hat immerhin 4,9%) würde ich mir verkneifen, und auf Höherprozentiges verweisen.
Ja, Sambuca ist mit 40% auch nicht schlecht…
…aber 100% sind noch besser. Also reiner Alkohol.
Nichts anderes ist Ethanol.
Und genau das würde ich als Anlegemöglichkeit empfehlen. Ethanol.
„Warum?” würden Sie dann vielleicht fragen.
Ich würde einen Zug von meinem Bier nehmen und ausführen:
“Ethanol wird in den USA eine ganz große Sache. Dazu gibt es konkrete Zahlen: 2005 verwendeten die USA 14% ihrer Mais-Ernte für die Produktion von Ethanol (denn in den USA wird Ethanol aus Mais hergestellt).“
„2006 war dieser Anteil schon auf 19% gestiegen. „Und im laufenden Jahr dürften es satte 27% sein.“
„Wir sprechen hier also von diesen Wachstumsraten: 35% in 2006 und 42% in diesem Jahr.“
„Übrigens sind das Zahlen vom amerikanischen Landwirtschaftsministerium, und nicht von einem windigen Börsenbrief-Schreiber.“
Jetzt würden Sie diese Zahlen vielleicht auf sich wirken lassen, und möglicherweise fragen: „Aber ich habe gehört, dass in den USA dieses Jahr verstärkt Mais angebaut wird, die Farmer können doch ihre Anbauflächen ausbauen?“
Darauf würde ich antworten können (das sage ich jetzt so leicht, wo die Zahlen vor mir liegen, ob ich das in der Kneipe auch noch auswendig wüsste weiß ich nicht):
“Dazu zwei weitere offizielle Zahlen, vom US-Landwirtschaftsministerium: In den USA geht das gesamte Ackerland seit Jahren zurück. 1997 gab es in den USA 445,32 Mio. Ar landwirtschaftlich genutztes Land. 5 Jahre später waren es noch 434,16 Mio. Ar. Damit ist die Anbaufläche um 11 Millionen Ar zurückgegangen.“
„Jede Erhöhung der Anbaufläche für eine bestimmte Pflanze kann so nur auf Kosten der Anbaufläche einer anderen Pflanze gehen.“
Jetzt würde ich noch einen Schluck Bier nehmen und vermelden:
"Also, einerseits Ethanol. Und dann: Rohwaren überhaupt. Rohwaren, die sogenannten Agrar-Rohstoffe. Denn die notieren real noch auf dem Niveau der 1970er."
"Und jetzt steigt die Nachfrage drastisch. Gleichzeitig gehen die Anbauflächen weltweit zurück."
"Setzen Sie auf steigende Rohwarenpreise."
Ihr
Michael Vaupel