Ein hoffnungsvolles Zeichen
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 13. Januar 2005 18:00 Uhr
ENL5454
Da ich heute auf einer Redaktionssitzung war und etwas spät zurückgekommen bin, kann ich Ihnen heute nur die Texte der amerikanischen Korrespondenten liefern.
Viele Grüße
Jochen Steffens
Bill Bonner sieht hoffnungsvolle Zeichen:
Irgendetwas Bemerkenswertes ist Ende letzten Jahres geschehen: Die US-Konsumenten haben zurückgesteckt. Im November sind die Konsumentenschulden deutlich gesunken, so stark wie seit 60 Jahren nicht mehr.
Ich werde darauf zurückkommen ... aber zunächst einmal gibt es noch mehr Zeichen dafür, dass die westliche Zivilisation in Gefahr ist. Aus Rom kommt die Nachricht, dass die Italiener in Bezug auf das Rauchen verrückt geworden sind. An öffentlichen Orten ist das Rauchen nun verboten – darunter Restaurants und Bars, so die International Herald Tribune. Die französische "Liberation" fügt hinzu, dass Polizisten eine Strafe von 550 Euro verhängen können, wenn man "eine Zigarette in der Anwesenheit von Kindern oder einer schwangeren Frau anzündet". Ich kann nur raten, was für eine Strafe eine schwangere Frau erhalten würde, die sich eine Zigarette anzündet – vielleicht öffentliche Steinigung.
Aber die Italiener sind ein zivilisiertes Volk; vielleicht werden sie das Gesetz einfach ignorieren.
Währenddessen geht es in Paris gegen die Prostituierten. Einer der schmierigen Genüsse dieser Stadt ist es, dass man nachts den Bois de Boulogne langfahren kann, und die halbnackten Frauen – oft Männer, die sich wie Frauen kleiden – begaffen kann, die ihre Körper anbieten. Nicht, dass ich jemals diese Dienste in Anspruch genommen hätte, aber es ist schön, zu wissen, dass es sie gibt – nur für alle Fälle.
Und dennoch vertreibt ein law-and-order Politiker die Prostituierten aus dem Park Wohin sie gehen, weiß ich nicht, aber es ist schwer zu glauben, dass die Franzosen mit dieser Art von moralischer Reinheit lange klar kommen können.
Betrug, Humbug und Mumpitz werden immer Hand in Hand mit der Menschheit gehen – im 21. Jahrhundert nicht weniger als in den Jahrhunderten zuvor. In Italien und Frankreich da liegt meine Hoffnung für die Zukunft daran, dass die Leute dort sich generell wenig an Gesetze halten. Aber die USA waren vor gar nicht langer Zeit ein freies Land. Die Leute da haben weniger Erfahrung mit dummen Gesetzen; sie tendieren dazu, Gesetze ernst zu nehmen. Das ist der Grund, warum die USA für viele Europäer so naiv und unzivilisiert erscheinen.
In Frankreich nehmen die Bürger ihren Käse wichtig und ignorieren den Code Civile, wann immer sie es können. In den USA ist wirklicher Käse praktisch gegen das Gesetz, ... und die Amerikaner nehmen die Gesetze sehr ernst.
Was mich zum Fed-Gesetz von 1913 bringt. Das wurde verabschiedet, als die meisten in Urlaub waren, und es gründete die Fed als amerikanische Zentralbank, ohne das explizit so zu sagen. Die Fed basierte auf der Annahme, dass eine Gruppe von Bankern das Geld der Leute besser schützen könne als diese Leute selbst. Es war ein Gesetz, das die Welt – oder zumindest die USA – zu einem besseren Ort machen sollte.
Aber der Dollar hielt seinen Wert in den 100 Jahren vor Existenz der Fed fast unverändert. In den 92 Jahren danach ist seine Kaufkraft auf 5 Cent eines damaligen Dollars geschrumpft.
Warum nun sind die Konsumentenschulden im November gefallen? "Sie warten einfach für bessere Schnäppchen zu Weihnachten", so die Analysten. Aber Weihnachten kam und ging ... und die Weihnachtsverkäufe blieben etwas unter den Erwartungen, und die Gewinne verschwanden, wegen aggressiver Produkte.
Ist das der Beginn von irgendetwas Großem? Oder nur eine Eintagsfliege? Ich weiß es noch nicht ... aber bald werden wir es wissen.
Und was werden die Welt-Verbesserer von der Fed tun, wenn das der Beginn einer Konsumzurückhaltung in den USA ist?