Ein Helikopter, der sprechen kann
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 16. Februar 2006 12:00 Uhr
ENL5454
Da hat Ben "Helikopter" Bernanke nun also seine erste Rede als Fed-Vorsitzender hinter sich. Er sprach gestern vor einem Komitee des US-Kongresses, und seine Rede wurde von der Finanzwelt mit Spannung erwartet.
Sie haben nichts verpasst: Bernanke überraschte niemanden (was allgemein erleichtert aufgenommen wurde), und er gab auch keinen Hinweis darauf, wie lange der Zinserhöhungszyklus der Fed noch laufen wird.
Eins ist so gut wie sicher: Bei der nächsten Fed-Sitzung am 28. März (der ersten, die Bernanke als Fed-Vorsitzender leiten wird) wird es eine weitere Zinserhöhung um 25 Basispunkte geben. Die große Frage ist allerdings, wie es dann weitergehen wird ... war es das dann mit den Zinserhöhungen, oder gibt es noch eine oder sogar zwei weitere?
Das ist die Frage, die die Analysten weltweit – zu Recht – beschäftigt. Aber:
Während die Finanzwelt sich mit dieser Frage beschäftigt, geht etwas anderes – meiner Ansicht nach sogar Wichtigeres – nahezu völlig unter:
Die erste Amtshandlung von Bernanke ist nicht die abzusehende Zinserhöhung am 28. März ... sondern ein Ereignis, das am 26. März stattfinden wird. Bernanke hat nämlich veranlasst, dass ab diesem Tag die Veröffentlichung der Daten zur amerikanischen Geldmenge M3 eingestellt wird.
Was das bedeutet? Es bedeutet, dass kritische Volkswirte wie meine Wenigkeit keinen Zugriff mehr auf die Geldmengendaten haben. Der Protest weniger wird so gut wie gar nicht wahrgenommen (sicherlich ganz in Bernankes Sinne).
Für mich ist so gut wie sicher, dass diese Maßnahme bedeutet, dass Bernanke die US-Geldmenge weiter massiv ausweiten möchte. Wenn das nicht so wäre, dann könnte er die Daten ja auch weiterhin veröffentlichen (was er aber nicht tut).
Damit könnte er kurzfristig den US-Konsum weiter anfachen – dafür wird er aber auch die Inflation wieder anfachen. Und dem Dollar schaden. Die negativen Effekte für den Dollar möchte er aber verschleiern, und zwar dadurch, dass die Daten zu M3 nicht mehr veröffentlicht werden. Natürlich verschläft die Mainstream-Finanzpresse diesen Punkt.
Was für eine Luftnummer, dieser Ben "Helikopter" Bernanke!
Ich hatte mir vorgenommen, ihn im Trader's Daily diesen Spitznamen "Helikopter" zu geben. Wegen seines Vorschlags, zur Not einfach aus einem Hubschrauber Dollarscheine über amerikanische Städte regnen zu lassen, wenn die Wirtschaft angekurbelt werden müsste (ohne Rücksicht darauf, dass dies die Inflation fördern würde).
Denn schließlich sei die "Notenpresse" die Geheimwaffe der Fed, so Bernanke. Pardon: So Ben "Helikopter" Bernanke.
Viele Grüße,
Michael Vaupel