Ein Helikopter, der schreiben kann
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 30. März 2006 12:00 Uhr
ENL5454
*** Achja, ... Ben "Helikopter" Bernanke macht seinem Spitznamen, dem ich ihm verpasst habe, alle Ehre ... ich sehe deshalb weiterhin keinen Grund, das "Helikopter" wegzulassen. ("Helikopter" deshalb, weil Bernanke einmal gesagt hat, zur Not würde er zum Erreichen von Inflation einfach Geld aus Hubschraubern abwerfen lassen.)
Während alle Welt am Dienstag auf die Ergebnisse der Fed-Sitzung gewartet hat – völlig zu Recht –, habe ich mich parallel einmal mit den weniger publik gewordenen Äußerungen Bernankes beschäftigt. Denn da ich mir ein Bild von diesem Mann machen möchte (bzw. bereits gemacht habe – er ist für mich eine Luftnummer –, aber meine Ansichten laufend überprüfe), finde ich, dass gerade solche nicht so im Rampenlicht der Öffentlichkeit stehenden Äußerungen sehr aufschlussreich sein können.
Und gerade habe ich gelesen, dass ein vor wenigen Tagen geschriebener Brief Bernankes an einen amerikanischen Abgeordneten veröffentlicht worden ist. In diesem Brief hat Bernanke sinngemäß Folgendes geschrieben hat:
Das chronische US-Handelsbilanzdefizit müsse nicht zu einem Einbruch des Dollars führen – aber selbst wenn der Dollar einbrechen würde, dann könnte die US-Wirtschaft das locker bewältigen. Deshalb müsse ein Dollar-Einbruch auch nicht notwendigerweise die Finanzmärkte, Produktion oder Arbeitsmarkt stören. (Quelle: www.uspoliticstoday.com)
Na, super. So eine Aussage vom obersten amerikanischen Währungshüter! Stärkt nicht gerade mein Vertrauen in den Dollar. Stellen Sie sich mal vor, Jean-Claude Trichet, der Vorsitzende der Europäischen Zentralbank, würde sagen, es wäre kein großes Ding, wenn der Euro einbrechen würde.
Ich finde, gerade solche Äußerungen von Bernanke sagen viel mehr über seine Einstellung aus als seine offiziellen Mitteilungen nach Fed-Sitzungen. Für mich ist das Fazit: Ich bleibe vorsichtig, was den Dollar betrifft. Aufgrund dieses Währungsrisikos meide ich US-Aktien und US-Anleihen unverändert.
*** Der afghanische Christ Abdul Rahman ist ja zum Glück inzwischen frei gelassen worden (das muss man sich mal vorstellen: Ihm drohte die Todesstrafe, nur weil er zum Christentum konvertiert war.)
Die Lage der afghanischen Christen bleibt aber weiterhin prekär – daran ändert auch die Freilassung nichts. Quelle:
http://www.spiegel.de/ politik/ ausland/ 0,1518,408529,00.html
Es geht ja nicht nur um Abdul Rahman (obwohl mir das Wort "nur" in Bezug auf ein Menschenleben nicht behagt) ... dieser Fall hat publik gemacht, dass es in Afghanistan (und nicht nur dort) leider eine neue Form von Apartheid gibt: Diesmal eine religiöse Apartheid.
Leider wird ignoriert, dass im Glauben kein Zwang sein soll/kann.
Unter Freunden muss man so etwas doch ansprechen dürfen! Und die deutsch-afghanischen Beziehungen waren immer freundschaftlich: Afghanistan war z.B. das erste Land, das kurz nach dem Ersten Weltkrieg – als Deutschland international isoliert war – einen Staatsbesuch in Berlin organisierte. Und die deutschen Truppen sind heutzutage in Afghanistan, um zu helfen, nicht mehr und nicht weniger.
Ich war vor ein paar Tagen bei einer Lesung von Roger Willemsen, der über seine Afghanistanreise berichtete (war sehr interessant, er hat einiges erlebt, z.B. mit einem Taliban Ovomaltine getrunken). Wie groß der Andrang des deutschen Publikums war, und wie groß die Sympathie für dieses Land (kann mich da nur anschließen), und die Bereitschaft, ehrlich zu helfen! Ob das in Afghanistan bekannt ist? Und ob in Afghanistan bekannt ist, wie sehr die Christendiskriminierungen diese Freunde irritieren?
Viele Grüße,
Michael Vaupel