Ein gutes Leben in Argentinien
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 21. April 2009, 07:30 Uhr
ENL5454
Zuletzt habe ich gedacht, dass es im Leben nur drei wirklich wichtige Entscheidungen gibt, die man treffen muss: Was man tut, mit wem man es tut, und wo man es tut.
Buenos Aires ist eine grosse Stadt mit vielen verschiedenen Wohngegenden. Ich wohne in der Gegend Palermo Soho.
Ich habe in vielen verschiedenen Städten gelebt und viele weitere besucht. Ich kann mich nicht daran erinnern, an einem Ort gelebt zu haben, der so erfrischend lebendig und so gemütlich war. Die kopfsteingepflasterten Straßen werden von Gebäuden flankiert, die nur ein oder zwei Stockwerke hoch sind. Einige haben Fassaden der Belle Epoque oder klassische Fassaden. Die meisten sind moderner, in allen Stilrichtungen - aber sie tendieren in Richtung des zeitgenössischen Chic.
Es ist eine Gegend, die mit einem Mangel an urbaner Planung gesegnet ist. Die Häuser, die Wohnungen, die schicken Läden, Bars, Supermrkte, Restaurants, Autowerkstätten - man kann hier alles in einem einzigen Wohnblock finden. Die Bürgersteige sind normalerweise rauh, sie sind geflickt, vernachlässigt, repariert und seit vielen Jahren überarbeitet. Es gibt auch sehr viele Blumen - von den erhabenen alten Ahornblumen an der Thames Bridge zu den kleineren, neueren Arten, die ich nicht identfizieren kann.
In einer Entfernung von ein bis zwei Blocks zu meinen Hotel, gibt es eine Menge Läden, in denen man etwas essen kann - von einer einfache Pizzeria zu sehr ernst zu nehmenden Restaurants. Das Wetter ist zu dieser Zeit des Jahres perfekt, deswegen sitzen die Leute den ganzen Tag lang draußen. Sie nehmen Morgens einen Kaffee... dann rutscht das Mittagessen in den frühen Nachmittag... und das Abendessen reicht bis 10 Uhr abends. Die Nachtclubs öffnen nach Mitternacht... Wenn ich morgens aufwache, dann sind die Zecher immer noch auf den Straßen unterwegs.
Ich bin zum Mittagessen in ein Lokal an einer Straßenecke in der Nähe meines Hotels gegangen. Argentinien ist berühmt für diese Lokale, es war ein Steak-Restaurant. Das Restaurant hatte ein Dach, das aber den Bürgersteig ging und man hatte Tische und Stühle darunter aufgestellt. Ich habe auf weißen Tischdecken diniert... und die Leute beobachtet, die vorbei schlenderten... überwiegend Familien mit kleinen Kindern und einige Touristen. Es war so angenehm... ich habe mich gefragt, warum ich in Europa bleiben soll, wo alles doppelt so teuer ist... und das Wetter nur halb so gut.
Tag und Nacht spazieren die Menschen auf den Straßen... sie gehen einkaufen... sie gehen in Cafes und in Kunstgalerien.
Eines Morgens habe ich eine Flöte gehört. Es klang wie Pan, der die Wassernymphen ruft. Ein Man fuhr langsam die Straße auf einem Fahrrad hinunter, auf dem er einen Wetzstein befestigt hatte, so wie man ihn zum Schürfen von Messern verwendete. Die Flöte war seine Möglichkeit, die Menschen wissen zu lassen, dass er in der Gegend ist.
Eine Frau putzte den Bordstein auf der anderen Straßenseite. Sie hat einen Schuhladen mit einem großen blauen Bogen auf dem Dach. Im Fenster war das ausgestellt, was ich als Tennisschuhe bezeichnen würde, auch wenn sie nicht wirklich zum Tennisspielen gemacht sind. Sie sind Nachbildungen der Schuhe, die ich in den Fünfzigern und Sechzigern getragen habe. Sie müssen wieder sehr gefragt sein. Jeder Schuhladen hat Tausende von ihnen, in allen Farben, von Fuchsia bis blass silbern.
Warum ziehen wir nicht nach Buenos Aires?, ich stellte Elizabeth diese Fangfrage. Es ging auch sofort los.
Bist du verrückt? Wir sind von den Vereinigten Staaten nach Europa gezogen. Wir haben das schon miterlebt. Hast du vergessen, wie schwierig es war, sich einzuleben? Nach all den Jahren haben wir jetzt endlich einen Freundeskreis... wir haben etwas zu tun... wir haben uns so eingerichtet, wie wir leben wollen. Nun, fast so, wie wir es wollen. Selbst nach 15 Jahren sind wir noch nicht vollständig angekommen.
Warum sollten wir das alles noch einmal durchmachen wollen?
Ich werde darauf zurückkommen, wenn ich eine gute Antwort habe, lautete mein Rückzug.