Ein günstiges Land
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 05. November 2007 07:30 Uhr
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Der Aktienmarkt ist wieder gestiegen. Der Dollar ist zurückgegangen. Noch vor zwei Jahren hat es vielleicht unglaublich geklungen, aber Öl scheint bereit zu sein, auf 100 Dollar zu steigen … Gold hat bereits die 800er Marke überschritten.
Oh weh, oh weh ... der Dollar liegt bei unter 1,44 Dollar für den Euro. Aber wen kümmert das? Die Experten sagen uns, dass ein niedrigerer Dollar es den amerikanischen Exporteuren leichter macht. Amerikanische Unternehmen würden gedeihen, sagen sie.
Von der Zentralbank hatte man bereits im Vorfeld erwartet, dass sie bei dem Treffen am Dienstag den amerikanischen Exporteuren einen Gefallen erweisen würde. Bernanke ist wegen der Probleme am Immobilienmarkt deutlich besorgter, als wegen eines fallenden Dollar. Sie haben mit Sicherheit Recht. Niemand scheint sich wegen des fallenden Dollars besonders große Sorgen zu machen.
Ein Dollar ist ein Pfund ist ein Euro ist ein Peso. Meine Taxifahrt vom Kölner Hauptbahnhof zum Hotel in Bad Godesberg hat 70 Euro gekostet. In Buenos Aires wären es 70 Pesos gewesen, in den USA wäre der Preis ungefähr 70 Dollar gewesen.
In Paris habe ich am Montag mit einem Kollegen zu Mittag gegessen. In London hätte uns das Essen ungefähr 40 Pfund gekostet … in den USA ungefähr 40 Dollar … und 40 Peso in Argentinien. In Paris haben wir 40 Euro bezahlt. Aber die effektiven Kosten variieren mit den Währungen. Amerikaner sind erstaunt darüber, wie viel es kostet, in Europa zu leben … und positiv überrascht, wenn sie ihre Mittagsessensrechnung in Argentinien genauer ansehen. Argentinien ist ein günstiges Land.
“Nun, für euch Ausländer ist es vielleicht günstig”, sagte Gabriela zu mir, “aber für uns ist es nicht günstig.“ Die Gehälter sind dort auch geringer. Ich habe einen Teil meiner Verlagsarbeit nach Buenos Aires ausgelagert, weil ich dort unten für weniger Geld die Leute anstellen kann. Und um mit meiner Zeit besser zu haushalten, springe ich von hieraus direkt zu meiner Prognose: Die Ausländer werden bald ihre Arbeit IN die USA auslagern.
Aha … damit bin ich der übrigen Meute voraus, oder nicht?
Aber schauen Sie nur einmal, was gerade passiert. Der Dollar fällt. Er mag sanft fallen. Es mag eine Rallye geben. Oder er kann hart fallen. Aber eine Sache ist fast sicher: Er wird in der Zukunft weniger wert sein als heute.
Jeder denkt, dem Aktienmarkt ginge es gut … aber sehen Sie nur, was er in Bezug auf wahres Geld – Gold – geleistet hat. Richard Russel hat mich daran erinnert, dass man am 18. Januar 1980 eine Unze Gold für 835 Dollar kaufe konnte. Am selben Tag war der Dow nur ein wenig höher – bei 867 Dollar. Mit anderen Worten, hätte man fast den gesamten Dow für eine Unze Gold kaufen können.
Ach, wenn ich doch damals nur schon da gewesen wäre, um Ihnen den Trade des Jahrzehnts zu verraten – verkaufen sie Gold und kaufen Sie den Dow. Sie hätten zusehen können wie Ihre Aktien auf über 13.000 Dollar klettern … während Gold auf 270 Dollar fällt, zu dem Zeitpunkt, zu dem man seine Dow-Aktien gegen 43 Unzen Gold hätte tauschen können. Was für ein Geschäft!
Dummerweise wurde das Internet erst später erfunden … Dieser Newsletter war noch nicht erfunden … und Ihr Herausgeber hatte sowieso noch nicht im Sinne den Aufruf zu starten. Er war überzeugt, genauso wie die anderen Gold-Bugs, dass Gold weiterhin steigen würde. Er lag natürlich absolut daneben und der Dow stieg … nicht nur ein Jahrzehnt … sondern zwei Jahrzehnte.
Aber 20 Jahre sind eine lange Zeit, wenn man unter einem Bärenmarkt bei seinem Lieblingsrohstoff leidet. Es gibt dem Menschen einen Grund zum Nachdenken … und es gibt ihm die Zeit dazu. Wenn er noch solvent ist … und noch in compus mentis … dann hat er am Ende gegenüber den anderen Sterblichen einen großen Vorteil. Er hat über einen so langen Zeitraum einen so großen Fehler gemacht, dass das Gesetz des Durchschnittswertes anfängt, zu seinen Gunsten zu arbeiten. Niemand kann auf ewig dumm sein.
Irgendwann muss es ihm dämmern. „Hey …“, sagt er zu sich selbst, „Märkte steigen … und fallen.“
Und somit, und mit dem Selbstbewusstsein des eben erst Beschämten, hat der Herausgeber dieser Zeilen im Januar 2000 seinen Trade des Jahrzehnts verkündet: Verkauft den Dow, kauft Gold. Seither hat sich der Goldpreis mehr als verdoppelt … und der Dow ist nur ein kleines bisschen nach oben geklettert. Anstatt der 43 Unzen Gold für den Dow, erhält man heute nicht einmal 18.
Ich gehe davon aus, dass wir erst halb durch den Zyklus hindurch sind. Der Dow und Gold werden sich wieder begegnen, irgendwann in der Zukunft. Vermutlich irgendwo in der Mitte – bei ungefähr 7.000 … wenn sich die Investoren von den amerikanischen Aktien abgewendet haben und der Dollar gefallen ist … und wenn die Spekulanten den Goldpreis in schwindelnde Höhen getrieben haben.
Und dann, diesmal dürfen Sie mir trauen, liebe Leser, werde ich daran denken, das “Gold verkaufen, den Dow kaufen”-Signal zu geben. Zumindest hoffe ich das.
In der Zwischenzeit wird Amerika günstiger. Und die Amerikaner werden vermutlich ärmer. So werden die weltweiten Konten bereinigt. Amerikaner schulden dem Ausland ein Vermögen. Während ihr Papiergeld herabgesetzt wird, wird auch das Vermögen, dass sie schuldig sind, herabgesetzt. Sie werden weniger schulden. Aber sie werden auch weniger besitzen – weil der Wert ihrer eigenen Dollarrücklagen … und ihrer Dollareinkommen … auch sinken wird. Die Menschen im Ausland werden diese Situation auf zweierlei Art auszunutzen wissen. Sie werden die amerikanischen Anlagewerte zu geringen Preisen kaufen. Und sie werden ihren Vorteil aus den geringen amerikanischen Löhnen schlagen, indem sie einen Teil ihrer Geschäfte im geringen Lohnbereich nach Amerika auslagern.
Amerika ist schon heute ein günstiges Land, aber ich gehe davon aus, dass es noch günstiger werden wird.
Damals, Anfang September, schätzte Frederic Mishkin, ein Senator der Zentralbank, dass die Hauspreise bis Ende 2008 um 20% zurückgehen würden und dass dadurch das Bruttoinlandsprodukt innerhalb von drei Jahren um bis zu 1,5% sinken würde.
Das erschien mir nicht besonders viel ... und mit Sicherheit nicht genug, um sich Sorgen zu machen. Aber Mishkin fühlte sich wie ein Passagier der Titanic, er wollte die Rettungsboote finden.
“Die Währungsbehörden haben die Mittel, die negativen Auswirkungen eines Rückgangs der Hauspreise auf die Wirtschaft einzuschränken”, sagte Mishkin zu seinen Kollegen.
Und dann sprach sich Ben Bernanke in einer Rede am 19. August zu dem Thema „Geldpolitik unter unsicheren Bedingungen“ dafür aus, eher früher als später zu handeln, wenn die Risiken offenkundig werden.
“Die Intuition legt nahe, dass stärkere Aktionen durch die Zentralbank garantiert sein sollten, um ganz besonders kostspielige Ergebnisse zu vermeiden“, sagte er vor einer Gruppe, die von der Zentralbank in St. Louis organisiert wurde.
Dem Gedanken folgten Taten: “Starke Aktionen” sind das, was die Zentralbank unternommen hat. Die Investoren am Aktienmarkt sind als Folge dessen beruhigt. Die Devisenmärkte stecken in Schwierigkeiten. So weit, so gut. Das soll heißen, dass es bislang noch niemanden zu beschäftigen scheint, dass der Dollar seinen Wert verliert. Die Leute halten immer noch Billionen davon… sie verdienen sie… sie investieren sie… und die Menschen im Ausland legen sie sogar zurück… und sie alle scheinen überzeugt, dass es sich hier lediglich um eine vorübergehende Schwäche handelt. Andernfalls würden sie doch mit Sicherheit versuchen, den Dollar los zu werden, oder nicht?
Mein alter Freund Rick Ackerman kommentiert:
„Wir sind lange Zeit davon ausgegangen, dass der einbrechende Dollar die Weltwirtschaft mit sich reißen würde. Aber vielleicht waren wir da zu pessimistisch. Schließlich ist der Dollarindex seit 2002 um 45% gefallen, aber das Leben geht weiter. Als der Dollar am vergangenen Freitag auf neue historische Tiefstwerte abrutschte, schien es noch nicht einmal vielen Leuten aufzufallen. Mehr noch, wenn es ihnen auffiel, hielten sie es sogar für einen Grund zu feiern. Der Dow Industrials schoss um 135 Punkte nach oben, als die Aktien auf ganzer Linie stiegen – ganz besonders die Edelmetallaktien, die jetzt vielleicht doch endlich anfangen, die Ängste zu wiederzuspiegeln, dass es nichts geben könnte, was den Dollar davon abhalten wird, noch weiter zu fallen. Vielleicht sogar noch deutlich weiter.“
„Vor einigen Jahren, als die Bulle fett wurde, nachdem sie kurzfristig auf unter 300% eingebrochen war, schlug Larry Kudlow auf einer Meinungsseite im Wall Street Journal vor, dass Gold sein Gleichgewicht bei ungefähr 330 Dollar pro Unze finden würde. (Wenn mich die Erinnerung nicht trügt). Jeder höhere Wert würde bedeuten, dass die amerikanische Geldpolitik zu locker ist, erklärte Kudlow, und jeder geringer Wert würde bedeuten, dass das Geld zu knapp ist. Heute schießen die Werte auf mehr als 800 Dollar hoch, so dass ich davon ausgehe, dass der krankhaft optimistische Kudlow, und ungefähr auch jeder andere, der im Who is Who der Wirtschaft auftaucht, sich dieser Wahrscheinlichkeit einfach angepasst hat. Gold-Bugs haben sich auch angepasst, auf ihre eigene und schlaue Art, und sie sind bereit, einen gewaltigen Glücksfall entgegen zu nehmen. Wie das zeitlose Sprichwort der Trader sagt: „Wer zuerst in Panik ausbricht, gewinnt.“
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