Ein Groschengrab
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 16. Februar 2009, 07:30 Uhr
ENL5462
Ich war am vergangenen Wochenende in der Normandie. Es hat den gesamten Samstag geschneit. Aber ich habe im Kamin ein Feuer angemacht und einen ruhigen Abend genossen.
Am Sonntag kam eine Reporterin der New York Times zum Mittagessen.
Ich schreibe einen Beitrag über die Amerikaner, die diese großen Häuser in Frankreich gekauft haben", erklärte sie, Ich würde ihre Geschichte gerne meinen Lesern berichten."
Es ist eine traurige Geschichte", begann ich, "eine Geschichte des Leids, der Mühen und einer Dummheit, die eines Bankers würdig wäre."
"Das Wort Chateau bedeutet, wie sie vermutlich wissen, auf Englisch money pit" (Groschengrab). Man wirft sein gesamten Geld hinein und dann kommen die Leute von der Steuer und die Ortsansässigen und sie graben es dann wieder aus. Man beginnt in guter Form... mit einem Chateau in Ruinen.
Und am Ende steht man da, mit einem Chateau in guter Form, aber man selbst ist ruiniert. Aber es ist in Ordnung. Das Gleichgewicht des weltweiten Geldsystems bleibt so erhalten. Das Geld wird von den schwachen Händen in stärkere Hände umverteilt... es ist alles Teil des Gesamtbildes."
Warum haben sie das Gebäude nicht einfach verkauft", fragte sie.
Das Geld muss zirkulieren
Oh... so läuft das nicht. Die Welt des Geldes meine ich. Die Leute tun es nicht, weil sie davon reicher werden. Geld muss zirkulieren. Wenn man kein Geld hat, dann muss man welches bekommen. Wenn man Geld hat, dann muss man es loswerden. So läuft es einfach. Sicher, man WILL das Geld nicht loswerden. Zumindest nicht bewusst. Aber man hat immer irgendeine Schwäche... einen schwachen Punkt im Deich, der ihr New Orleans umgibt. Und an dieser Stelle wird die Überflutung dann beginnen."
Wissen Sie, ich habe während des Booms wie alle anderen auch ein wenig Geld verdienen können. Aber als ein Untergangsprophet unter den Ökonomen konnte ich es nicht wie jeder andere während der Krise verlieren. Ich wusste, dass die Aktien fallen würden. Und selbst bei Öl war mir klar, dass es dort eine Blase gab. Also konnte ich keine Aktien von Lehman Bros halten. Ich konnte nicht in Derivate investieren. Ich wusste, dass Madoff etwas im Schilde führte... obwohl ich natürlich nicht wusste, was."
Nachdem ich so viel Zeit damit zugebracht habe, darüber nachzudenken, wie gefährlich und absurd die Finanzmärkte sind, konnte ich mein Geld nicht einfach vollständig in die Wall Street investieren. Ich hätte mich wie ein Idiot gefühlt. Ich musste eine originellere Möglichkeiten finden, mich von diesem Geld zu trennen."
Im Interesse der Menschheit
Alle die leichten Möglichkeiten, mich von meinem Geld zu trennen, blieben mir verschlossen. Und jeder vernünftige Mensch hätte dieses Gebäude schon lange fallen gelassen. Es ist kalt hier. Es ist harte Arbeit. Es ist ein Problem nach dem anderen. Aber ich brauchte das. Ich komme jedes Wochenende hierher, wenn ich kann... ich schneide die Bäume... ich streiche die Fenster... ich repariere die Wände und die Installationen. Und jeden Tag werde ich dabei ärmer.
Sie sehen, das Chateau spielt eine wertvolle Rolle. Ich habe eine Schwäche für alte Steine... für alte Gebäude... und für alten Wein. Die Götter haben mich entdeckt... und sie haben dieses Gebäude vor mich gestellt... wie ein Flasche Jim Beam vor einen Trinker. Und man kann sich mit den Göttern nicht streiten. Abgesehen davon muss man den großen Geldkreislauf weiter in Gang halten. Ich bleibe nicht aus persönlichen Gründen dabei, sondern im Interesse der menschlichen Rasse."
Verstehen Sie?"
Hmm... ich vermute schon..."
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