Daniel Wilhelmi ist als langjähriger Börsenjournalist aus Printmedien, zahlreichen Vorträgen und dem TV, z.B. „3sat-Börse“ oder „heute-journal“, bekannt.
Daniel Wilhelmi in Profit Radar zum Thema Dax 30
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Heute möchte ich das Thema „China und Konsum" mal von einer anderen Seite betrachten. Derzeit läuft ja die Quartalsberichtssaison. Und die fällt für die DAX-Konzerne alles andere als schlecht aus. Denn - und da schließt sich der Kreis zu unserem übergeordneten Thema - viele deutsche DAX-Konzerne profitieren überdurchschnittlich von dem Konsum-Boom in den Emerging Markets.
Ein Musterbeispiel für diese Ausrichtung auf die Schwellenländer ist Henkel - einer der kleineren DAX-Konzerne. Die Düsseldorfer fliegen seit Jahren unter dem Börsen-Radar. Aber es ist eine meiner persönlichen Lieblingsaktien im DAX. Wie fast immer in den letzten Quartalen konnte Henkel mit seinen neuen Zahlen voll überzeugen.
Wenn man sich nur die Zahlen von Henkel für das zweite Quartal 2012 im Vakuum anschaut, muss man denken, dass es gar keine EU-Schuldenkrise oder globale Wachstumssorgen geben kann. Das Unternehmen konnte im abgelaufenen Quartal sowohl Umsatz als auch Gewinn steigern.
So wuchs der Nettogewinn um rund 35 Millionen Euro auf 401 Millionen Euro. Das ist ein Anstieg von 9,9 Prozent und lag über den Analystenerwartungen. Der Umsatz stieg um 6,4 Prozent auf 4,2 Milliarden Euro (das organische Wachstum lag bei vier Prozent). Kein Wunder, dass das Henkel-Management die Prognosen für das Gesamtjahr erhöhte. Beim organischen Umsatz rechnet man mit einem Wachstum von vier Prozent.
Noch besser sieht es aber beim Gewinn aus: Der Produzent von bekannten Marken wie Schwarzkopf oder Persil peilt nun einen Gewinnanstieg um rund fünfzehn Prozent an. Die alte Prognose lag bisher nur bei „mehr als zehn Prozent", was in der Analystensprache für ein Wachstum zwischen zehn bis zwölf Prozent steht.
Wie konnte Henkel so ein tolles Ergebnis erzielen? Durch die Emerging Markets. Die Absätze in den Schwellenländern stiegen überdurchschnittlich stark um 8,1 Prozent. Der Gesamtumsatz aus allen Emerging Markets-Regionen lag bei 1,8 Mrd. Euro. Damit macht Henkel inzwischen bereits knapp 43 Prozent seiner Umsätze in den Schwellenländern.
Henkel profitiert vom Binnenmarktboom in China und Co.
Das ist das Geheimnis von Henkel und vielen anderen DAX-Konzernen. Zum Vergleich: Als ich Anfang 2011 mein letztes Buch „BRIC ist die Zukunft" (erschienen im FinanzbuchVerlag) fertig stellte, lag dieser Anteil bei Henkel noch bei rund einem Drittel. Henkel hat den Vorteil, dass man in allen Emerging Markets-Regionen sehr stark aufgestellt ist.
In Osteuropa, dem größten Emerging Markets-Absatzmarkt (Umsatz von 771 Mio. Euro) für Henkel, wuchsen die Umsätze nur um 5,8 Prozent. Dies kann angesichts der engen Korrelation der CEE-Staaten wie Polen, Tschechien oder Ungarn zu Westeuropa nicht wirklich überraschen.
Wichtiger ist, dass die beiden wichtigsten Absatzmärkte in Osteuropa - Russland und die Türkei (zusammen über 220 Mio. Menschen) - weiterhin zweistellig gewachsen sind. Lateinamerika war weitgehend unverändert. Aber in Asien gab es mal wieder ein besonders hohes Wachstum von 11,8 Prozent (auf 657 Mio. Euro).
Hier sorgten vor allem die steigenden Verkäufe in China und Indonesien, zwei der drei größten Binnenmärkte in Asien, für das Wachstum. Interessant ist übrigens auch, dass das höchste Wachstum für Henkel aus der Region „Afrika/Nahost" kommt. Hier stiegen die Umsätze sogar um 20,7 Prozent.
Allerdings von einer niedrigen Basis. Die Umsätze im abgelaufenen Quartal lagen erst bei 279 Mio. Euro. Aber: Immerhin konnte „Afrika/Nahost" damit in den vergangenen drei Monaten „Lateinamerika" überholen. Dies zeigt Ihnen auch, wie stark Afrika wächst - eine Region, die wir bei Taipan ja seit zwei Jahren immer stärker in den Fokus rücken.
Have a successful day,
Ihr
Daniel Wilhelmi