Ein Geschenk nur für Griechenland?
Mr N. N. in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 27. April 2010, 07:30 Uhr
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Die mögliche Hilfe der Bundesrepublik Deutschland für das finanziell schwer angeschlagene Griechenland soll offiziell über die Staatsbank KfW erfolgen. In Planung ist offenbar ein Kredit an die Hellenen im Volumen von bis zu 8,4 Milliarden Euro für das Jahr 2010. Der Bund soll wiederum nur für das Kreditvolumen als Bürge in Erscheinung treten.
Griechenland vor neuen harten Einschnitten?
Deutschland wird helfen, wenn die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt sind", sagte am gestrigen Montag die deutsche Bundeskanzlerin. Dazu würden auch weitere Sparmaßnahmen zählen. Der griechische Finanzminister sprach indes am Montag in Athen von einem neuerlichen drakonischen Sparprogramm, das aufgelegt werden müsse. Details werden aber erst nach Abschluss der Verhandlungen mit EU und IWF bekannt gegeben. In den griechischen Medien wird indes schon munter über die möglichen Einschnitte spekuliert. Unter anderem soll angeblich der Kündigungsschutz gelockert werden, die Mindestrente von 450 auf 360 Euro gekürzt, die Rente mit 67 bzw. allgemein die Besteuerung der Altersrenten eingeführt werden.
Tropfen auf den heißen Stein"
Dennoch stellt sich einmal mehr die Frage, ob sowohl die Nothilfen als auch die geplante Haushaltskonsolidierung ausreichen, um den gigantischen Finanzierungsbedarf des Mittelmeerlandes abzudecken. Aktuelle Schätzungen gehen von einem Finanzierungsbedarf von deutlich mehr als 200 Milliarden aus. Selbst der Wirtschaftswissenschaftler Prof. Rudolf Hickel (u.a. Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat von Attac) spricht bzgl. der Finanzhilfen von einem Tropfen auf den heißen Stein. Griechenland fehle es vor allem an einem tragfähigem Konzept, wie es seine Wirtschaft wieder auf die Beine bringen könne.
Skeptischer Eurokritiker
Der ehemalige Hamburger Wirtschaftssenator Prof. Wilhelm Nölling ist noch skeptischer. Er geht davon aus, dass Griechenland das Geld nicht zurückzahlen werde. Vielmehr handele sich bei der Finanzspritze um ein Geschenk. Ein Schelm, wer in diesem Kontext an ein Geschenk u.a. auch für die deutsche Finanzindustrie denkt. Laut BIZ sind Commerzbank, Hypo Real Estate, Allianz und co mit einem Volumen von 43 Milliarden Dollar Gläubiger der Hellenen.
Griechische Staatsanleihen weiter im freien Fall
Trotz des freitäglichen Hilfsantrags befindet sich der griechische Bondmarkt aber weiter im freien Fall. Am Montag explodierte die Rendite für zweijährige griechische Staatanleihen zeitweise auf sage und schreibe 14,6 Prozent. Der Risikoaufschlag gegenüber zweijährigen deutschen Bundesanleihen ist auf den historischen Rekord von 13,72 Prozent empor geschnellt.
Gold in Euro auf Rekordkurs
Ferner geht die Flucht der Investoren in den Gold-Hafen weiter. Gold in Euro notierte auf einem neuen Rekord bei 867 Euro. Eine Unze Krügerrand kostete um die 890 Euro. Aus dem Edelmetallhandel wird weiter von reger physischer Nachfrage berichtet. Diverse massive Einzelkaufaufträge legen weiter die Schlussfolgerung nahe, dass noch immer massive Vermögensumschichtungen (mit einer Höhergewichtung von Gold) vorgenommen werden.
Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Brigitte Smolka (27.04. 2010 12:23 Uhr):
Glaubt denn wirklich jemand, dass Griechenland in der Lage sein wird, irgendwann den Kredit zurückzahlen zu können? Wahrscheinlicher ist doch, dass nach wiederholten Umschuldungsversuchen darauf spekuliert wird, Kredite gar nicht mehr zu bedienen. Gehen wir in die Geschichte zurück: Die Fälle, wo Länder außerstande waren, ihre Darlehn abzulösen, sind kaum noch zu zählen. Warum nur ist es nicht möglich, Länder, die sich den Zutritt in die EURO-Zone auf nicht gerade hanseatische Weise 'erschlichen' haben, auszugliedern? Jedes Notprogramm wird sich wieder als ergebnislos herausstellen. Hilfeaktionen bringen nichts; wer miserabel wirtschaftet, soll auch die Konsequenzen tragen. War ich früher schon ein absoluter Gegner, was den EURO und die angeblichen Vorteile anbelangt, bereiten mir die Zukunftsperspektiven für diese Monopoly-Währung nur graue Haare. Ich wünschte, es gäbe einsichtige Politiker, die uns schon morgen unsere D-Mark wiederbringen, aber bitte zum festen Umrechnungskurs 1,95586. Schon die Einführung des EUROs war in Deutschland eine Währungsreform. Wir haben eine harte Währung in einen Hexentopf geworfen, umgerührt und daraus einen nicht genießbaren Einheitsbrei gelöffelt. Befürworter des EURO, die das bestreiten (siehe Altkanzler Kohl), lade ich gern ein, mir das Gegenteil zu beweisen. Bei aller offenen Bereitschaft für ein gemeinsames Europa: die angebliche Weitsicht damaliger Politiker hat diese EURO-Zone in ein Desaster geführt. Und wenn man es genauer betrachtet, warum Deutschland mit Frankreich quasi Wortführer für die EURO-Einführung war, begreift man schnell den Kuhhandel dahinter. Warum sollten Politiker und Staatsleute heute klüger agieren. Das kann ich mir einfach nicht vorstellen. Bestimmte Verantwortungsträger der damaligen politischen Bühne haben sich als Synonym für Pleite und Mißerfolg, um nicht zu sagen Katastrophe, herauskristallisiert. Ein Referendum muss her, damit Volkes Stimme endlich gehört wird!
Antworten - Kommentar von Rainer Dumont du Voitel (27.04. 2010 13:57 Uhr):
Die Griechenland aufzuerlegenden Einschränkungen sehen aus wie eine Generalprobe für das, was auch den Bürgern und Regierungen der meisten anderen EU-Länder bevorsteht. Wenn der Kuchen sich verkleinern soll, wird die "Verteilungsgerechtigkeit" bei diesen Einschnitten umso wichtiger. Um das Lebensminimum und damit den sozialen Zusammenhalt nicht zu gefährden ist zudem eine nichtlineare Komponente vorzusehen, die die niedrigsten Renten und Einkommen schützt. Ausserdem müssen die Kürzunge mit Anreizen kombiniert werden, damit die Menschen nicht die Hände resigniert in den Schoss legen, sondern neue Chancen erkennen und nutzen. Das gilt vor allem für junge Menschen, die Dynamik und Perspektiven benötigen, damit das System fortbestehen kann. Leichter gesagt als getan.
Antworten - Kommentar von Rummel (27.04. 2010 14:29 Uhr):
Egal was kompetente Fachleute an Argumenten anführen, oder die Bürger sagen, dass alles interessiert die ver-antwortlichen Politiker überhaupt nicht. Weitere deutsche Steuermilliarden werden in ein Fass ohne Boden ver-senkt, auf Nimmerwiedersehen!Während in D kein Geld für das Nötigste mehr vorhanden ist, werden Milliarden ins Ausland verschenkt, nur um angeblich den Euro zu erhalten, der von Anfang an eine Mißgeburt war, und wenn es nach dem Willen der deutschen Bürger gegangen wäre NIE eingeführt worden wäre. Aber auch das wird von den Verantwortlichen tunlichst verschwiegen oder abgeleugnet. Die Verantwortung für die Misere will, wie in der laufenden Finanzkrise, jedoch keiner, weder Banker noch Politiker, übernehmen! Der Dumme ist wie üblich der Steuerzahler der dafür mit immer neuen Steuerlasten und Ab-gaben traktiert wird. Es stellt sich die Frage wann die Bürger endlich aufwachen?
Antworten - Kommentar von Dr Heinemann (27.04. 2010 18:50 Uhr):
Es ist nun schon das zweite Mal innert kürzester Zeit, dass die Bundesregierung den Willen des Volkes missachtet. Erst verstärkt sie den Militäreinsatz in Afghanistan, schickt Menschen in den Tod und verschwendet unser Steuergeld. Und nun will sie unser Steuergeld aus dem Fenster nach Griechenland werfen. Griechenland hat nach neuesten Schätzungen einen Finanzbedarf von mindestens € 350...450 Mrd. und schon Ende Mai braucht Griechenland Geld für den 2. Kredit. Das Geld bekommen wir niemals mehr zurück. Generalstreik in Griechenland, Pensionen mit 30 Jahren, die Wirtschaft desolat und überall Koruption. In Deutschland haben Hartz IV-Kinder zu wenig Geld, Millionen leben unter der Armutsgrenze, Geld für Bildung ist nicht da und die Bundeswehr macht Krieg. Außerdem haben wir selbst € 1,6 Billionen Schulden. Also haben wir zwei Möglichkeiten: 1. Wir beginnen schon einmal damit, Schriftsätze für eine Klage vor dem BGH zu verfassen So kann die Klage bei Erlaß des Gesetzes schnellstens eingereicht werden. Daruüber hinaus starten wir schon jetzt im Internet eine Petition beim Bundestag gegen die Griechenlandhilfe. Oder 2. Wir sehen die Sache locker. Wir spenden Griechenland immer Geld bis wir selbst nichts mehr haben. Dann geht der Euro den Bach runter und wir führen die DM wieder ein. Wir haben die Wahl.
Antworten - Kommentar von Peter Harting (02.05. 2010 19:25 Uhr):
Das Beste an diesem Artikel ist die Reaktion, die er hervorgerufen hat. Vor Einführung des Euro hat Prof. Hankel in seinen Vorträgen vor dem Euro aus den Gründen gewarnt, die jetzt eingetreten sind. Hankel war für die Bundesregierung kein Unbekannter aber wahrscheinlich dafür ein Unbequemer. Auf der anderen Seite leuchteten damals die Augen von Theo Waigel, dem Finanzminister, wenn er nur das Wort EURO aussprechen durfte! - Aber bitte: Um neue, bessere Institutionen zu schaffen, brauchen wir Tatkraft und Ideen. Außerdem Charaktere, die bis zum bitteren Ende Verschwiegenheit bewahren, wenn es sein muss. Es fragt sich, obwohl es tröstlich ist, in diesem Forum Gut- und Gleichgesinnte zu finden, ob es noch ratsam ist, hier öffentlich sein Wort für die Vernunft einzulegen. Der Feind derselben hat seine Ohren überall und kennt, wenn seine Stunde kommt, kein Erbarmen.
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