Ein für den Goldpreis bullisher Faktor
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Goldpreisentwicklung
vom 15. September 2006 12:00 Uhr
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Heute mal eine Verbindung der Themen „Gold“ und „China“.
Wird ja schon fast langweilig, immer auf den hungrigen chinesischen Drachen hinzuweisen, dessen Rohstoff-Hunger kaum zu stillen ist. Ist aber nun mal so. Auch im Fall von Gold steigt die chinesische Nachfrage:
Einer glaubhaften Prognose zufolge könnte die chinesische Nachfrage nach Gold innerhalb der nächsten 5 Jahre von aktuell 200 Tonnen pro Jahr auf 600 Tonnen pro Jahr steigen (Quelle: World Gold Council, China Financial Services).
Auf die weltweite Gold-Nachfrage bezogen wäre das ein Nachfrage-Anstieg von 12%, was eine ganze Menge ist.
Diese Prognose basiert auf der Annahme, dass China in den nächsten Jahren weiterhin ein deutliches Wirtschaftswachstum vorweisen kann. Und auf der Annahme, dass der chinesische Goldmarkt innerhalb der nächsten Jahre für Privatpersonen mehr oder weniger vollständig dereguliert werden wird (noch gibt es da gewisse Hemmnisse).
Denn da soll ein großer Teil der zusätzlichen chinesischen Nachfrage herkommen: Von der Nachfrage chinesischer Privatanleger! Die potenziellen Nachfrager jedenfalls werden immer mehr. Dabei geht es nicht um die Bauern im Westen Chinas, sondern um die Mittel- und Oberschicht, hauptsächlich im Osten und Süden des Landes. Einer Prognose zufolge entwickelt sich in China eine große Mittelschicht – übrigens eine sehr gesunde Entwicklung -, die im Jahr 2010 bis auf 560 Mio. Menschen angewachsen sein könnte.
Warum sollten diese Menschen Gold kaufen?
Laut Wang Zhe (gut, dieser Mann ist nicht ganz objektiv, da er der Präsident der Goldbörse in Shanghai ist, aber auch wenn nur ein Teil seiner Argumentation stimmt, reicht das schon) gibt es dafür diese Gründe:
1. Die Chinesen sind sehr große Sparer (stimmt, es werden durchschnittlich über 20% des Einkommens gespart, oft deutlich mehr). Die Anlagemöglichkeiten sind begrenzt: Der Immobilienmarkt ist an der Ostküste heiß gelaufen, die Preise für Wohnungen in Shanghai und anderen Städten entsprechend hoch und damit nicht unbedingt attraktiv. Die Zinsen für Spareinlagen sind gering. Und meine Favoriten unter den chinesischen Aktien – die Kategorie der H-Aktien – sind für Chinesen noch schwerer handelbar als Gold.
2. Die Chinesen haben historisch gesehen ein besonderes Interesse an und eine Liebe für Gold. Laut chinesischer Tradition wird Gold mit Gesundheit, Glück assoziiert (ok, das ist wohl nicht nur in China so). 3. Laut einer Umfrage, auf die Wang Zhe verweist, möchten 20% der chinesischen Bevölkerung in Gold investieren, und zwar 10-30% ihres Vermögens. Wenn denn die verbleibenden Restriktionen aufgehoben bzw. verringert werden.
Derzeit halten die Chinesen umgerechnet 0,16 Gramm Gold pro Kopf. Wenn sich dieser Betrag nur um durchschnittlich 0,01 Gramm pro Person erhöhen würde, dann wäre das eine zusätzliche Nachfrage von rund 1.300 Tonnen.
Wie gesagt: Die oben zitierte Prognose liegt deutlich bescheidener bei einem Anstieg von 400 Tonnen innerhalb der nächsten 5 Jahre, aber auch das wäre schon ein Anstieg der weltweiten Nachfrage um 12%.
Natürlich ist die steigende chinesische Nachfrage nach Gold nur einer von vielen Faktoren, die den Goldpreis bestimmen.
Aber eins dürfte klar sein: Es handelt sich hier um einen für den Goldpreis bullishen Faktor!
Ich wünsche Ihnen ein angenehmes Wochenende!
Michael Vaupel
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