Ein etwas anderer Blick auf Barack Obama
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 5. November 2008, 16:00 Uhr
ENL5454
Liebe Leser,
ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich bin nur froh, dass der Zirkus um die US Wahl endlich sein Ende gefunden hat.
Barack Obama ist, wie für mich schon die ganze Zeit zu erwarten war, neuer Präsident der USA und nun geht es schon los, das große Spekulieren, was diese Wahl für Konsequenzen für Börse und Wirtschaft hat.
Hier trennt sich aber auch schon mein Weg von den meisten Artikeln, die Sie in den nächsten Tagen in den Zeitungen und Magazinen lesen werden, denn ich distanziere mich ausdrücklich von den naiven Hoffnungen, welche gerade in Deutschland auf Herrn Obama projeziert werden (Die Naivität gipfelt wohl im Vergleich von Barack Obama und John F. Kennedy...).
Bevor Sie mir nun als evtl. Obama-Fan an die Gurgel springen oder schon wütend darüber nachdenken, wie Sie einen Brandbrief an mich gestalten könnten, sehen wir uns doch einmal an, wer dieser sich "jung und dynamisch" gebende Senator eigentlich in Wirklichkeit ist und besonders, wer hinter ihm steht.
"Change we can believe in" oder nur eine weitere Marionette der Eliten und Netzwerke?
Es ist natürlich in einem kleinen Artikel wie dieser Kolume unmöglich, alle Facetten des neuen Präsidenten auszuleuchten. Einen Punkt, das prekäre Thema "Nationale Sicherheit und Außenpolitik," möchte ich Ihnen aber keinesfalls vorenthalten, denn letztlich kann neben der Finanzkrise gerade diese Thematik starke Auswirkungen auf die Märkte haben. Auch möchte ich hier von der leider weit verbreiteten Denkweise abweichen, der US Präsident handle völlig autonom; ich sehe Herrn Obama, wie alle seine Vorgänger im Amt auch, als wesentlich gestaltet durch seine Berater, die er um sich sammelt, und verzichte daher auf die rosa rote Brille des "Obama-Fans". Damit mir niemand Polemik oder unerwiesene Behauptungen vorwerfen kann, bin ich so frei, einige Belege für meine Punkte mit einzufügen.Sie finden die entsprechenden Quellen am Ende des Artikels.
Sehen wir uns doch einmal Herrn Obamas engsten Kreis an, die sog. "Arbeitsgruppe für nationale Sicherheit" (1)
Prinzipiell besteht diese Gruppe aus einer Vielzahl ehemaliger Clinton-Berater, ehemaliger Bush-Funktionäre, sowie den Architekten der letzten Angriffskriege (ich empfehle zu diesem Thema besonders die ARD Dokumentation "Es begann mit einer Lüge", u.a. einsehbar unter http://www.youtube.com/watch?v=HBHefedY4fw ).
Da wäre einmal James Steinberg, ehemaliger Berater für nationale Sicherheit. Dieser machte sich u.a. einen Namen als Verfasser eines Dokuments "Präventivkrieg, ein nützliches Werkzeug" (2). Hierin äußert er sich u.a. wie folgt:
Unilateralismus ist nicht die einzige Alternative.....regionale Organisationen und eine neue Koalition demokratischer Staaten bieten Wege, den Einsatz von Gewalt zu legitimieren wenn der Rat daran scheitert, seiner Verantwortung gerecht zu werden
Als Konsequenz betont Steinberg ausdrücklich:
Ein Problem der Bush-Doktrin ist folglich nicht, dass sie übermäßig von präventiver Gewalt abhängig ist, sondern dass sie deren Gebrauch zu eng konzipiert
Der Irak-Krieg wird also nicht als Fehler gesehen, sondern nur die Art- und Weise, wie man die Sache aufgezogen habe, sei eben nicht ganz optimal.
Zum Hintergrund: James Steinberg ist derzeit ein Dekan an der Universität von Texas und war bisher involviert in diversen Hintergrundnetzwerken wie dem CFR, der trilateralen Komission, dem Brookings Institute, der RAND Corp. sowie der Bilderberg-Gruppe. Bei all diesen Institutionen handelt es sich um teilweise obskure Gruppen und sog. "Think Tanks" welche Sie unbedingt kennen sollten, um einige Geschehnisse in der US Politik hinreichend differenziert (und von der übersimplifzierten Darstellung der Massenmedien unabhängig) bewerten zu können.
Steinberg ist aber mit seinem Hintergrund kein Einzelfall. Ein weiteres Mitglied dieser Gruppe ist Madeline Albright, welche nach einem Sturm der Empörung gezwungen war, sich für ihren 1996 geäußerten Kommentar zu entschuldigen, dass "der Preis" einer halben Million toter irakischer Kinder auf Grund der Sanktionen "es wert" sei.
Dies sind allerdings nur zwei Beispiele von mindestens fragwürdigen Vertretern einer illustren Gruppe. Wer mehr sehen möchte, sollte sich einmal die folgenden, sehr interessanten Links kritisch zu Gemüte führen:
http://www.youtube.com/watch?v=BIPNBJeXirI
http://www.youtube.com/watch?v=769SVGpyaD0
Um es kurz zu machen: Ich erwarte vom neuen US Präsidenten nicht wirklich viel an Veränderung. Viel mehr sehe ich ihn als angehenden Konkursverwalter eines Staates, der aktuell auf sehr gefährlichem Terrain steht.
Und von "Change" kann ich bei Herrn Obama wirklich überhaupt nichts sehen. Vielmehr dürfte die Globalisierungsagenda und die Politik der "speziellen Interessen" fortgesetzt werden, eben mit neuem Gesicht und ein paar geänderten Facetten. Das übergeordnete Ziel bleibt jedoch das gleiche. Wahrscheinlich wird es aber erst einmal wieder etwas dauern, bis die Massen das erkennen werden. In diesem Sinne rate ich Ihnen, die Wahl des neuen Präsidenten und besonders die zahlreichen Berichte in den Medien nicht überzubewerten. Sollten sich wirklich fundamentale Dinge tun, werden wir das noch früh genug sehen.
Beste Grüße
Alexander Hahn
(1) http://my.barackobama.com/page/community/post/samgrahamfelsen/gG5SZ7/
(2) http://www.brookings.edu/opinions/2005/1204iraq_daalder.aspx?rssid=daalderi
P.S.: Da wir gerade beim Thema Politiker sind: Wer genug von der Wichtigtuerrei des französischen Präsidenten hat und über diesen etwas lachen möchte: http://de.youtube.com/watch?v=YuJ4HP2r6us (Übersetzung auf der rechten Seite in der Kommentar-Sektion)