Ein echtes Wirtschaftsphänomen
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 4. März 2010, 07:30 Uhr
ENL5462
Die Krise lebt und es geht ihr gut - danke für die Nachfrage.
Offiziell heißt es, die Krise sei vorbei. Das sagen alle. Die Zentralbanker und die Vertreter des Finanzministeriums haben sich selbst schon gratuliert. Es ist nun schon ein Jahr vergangen, seit es nicht zum Ende der Welt kam. Diese Gesellen erklären sich selbst dafür verantwortlich.
Bernanke sagte, dass er die monetären Hähne noch eine Zeitlang weit geöffnet lassen wolle... aber das läge nur daran, dass die Erholung noch so zerbrechlich sei. Er spricht auch von einem Ausstieg" aus den Konjunkturprogrammen, da die Wirtschaft jetzt wieder auf die Beine kommt.
Unsinn, Gewäsch, Betrug!!
Die Berufsgruppe der Wirtschaftswissenschaftler hat sich der Vernachlässigung ihrer Pflichten schuldig gemacht. Sie sollten den Leuten sagen, dass diese Erholung ein Betrug ist. Sie sollten die Anleger warnen, dass der Markt jeden Tag auseinanderbrechen könnte. Und sie sollten Gold kaufen und die amerikanischen Schatzbriefe verkaufen... und den Politikern erklären, dass man sich den Weg aus einer Krise nicht ebnen kann, indem man trügerische Dollar für verschwenderische Projekte ausgibt.
Doch sie klopfen einander auf die Schultern... und loben sich selbst dafür, dass sie den Planeten vor seiner Zerstörung bewahrt haben.
Aber was ist wirklich passiert? Und was ist jetzt los?
Ich bin froh, dass Sie fragen.
Zum einen handelt es sich um ein echtes wirtschaftliches Phänomen - um eine Krise. Sie lebt und es geht ihr gut. Die Haushalte werden ihre Schulden los. Die Unternehmen sparen Geld an. Die Menschen verlieren ihre Arbeitsplätze und die Sparraten sind wieder auf dem Weg nach oben.
Fast alles läuft nach Plan.
Krisen sind Zeiten der fallenden Preise. Die Märkte stellen immer fest, was eine Sache wert ist. In einer Krise stellen sie fest, dass Vermögenswerte - Aktien und Immobilien in erster Linie - nicht annähernd so viel wert sind, wie die Leute gedacht hatten.
Und das ist auch der Grund, warum meine Krisenwarnflagge immer noch weht. Die Preise sind scharfen, unangekündigten Einbrüchen ausgeliefert, bis sie irgendwann auf ein echtes Krisenniveau fallen. Da das noch nicht wirklich passiert ist... gehe ich davon aus, dass es noch passieren wird.
An der Front es Arbeitsmarktes hat diese Krise mehr als 6 Millionen Menschen um ihre Stellen gebracht. Und jeden Monat stellen sich noch mehr Menschen in den Schlangen der Arbeitslosen an. Soweit so gut. Die amerikanische Wirtschaft brauchte nicht so viele Menschen, die Küchenarbeitsplatten aus Marmor einbauen oder so viele Menschen, die Hypotheken finanzieren. (Wenn man doch nur etwas tun könnte, um auch die Lobbyisten los zu werden.)
Aber die schlimmste Sache an der Krise ist, dass sie die Menschen ohne Arbeit so lange gefangen nimmt. Aus vielen von ihnen werden Lebenslängliche" werden... sie werden nie wieder arbeiten.
In dieser Hinsicht gleicht dieser Krise der zwanzigjährigen japanischen Krise der Jahre 1990 bis 2010. Nachdem die Blase geplatzt ist, stellten die Japaner, die schneller alterten, als irgendeine andere Rasse vor ihnen, fest, dass sie mit dem Geldsparen nun würden ernstmachen müssen. Also haben sie ihre Ausgaben eingeschränkt... und gespart. Die heimischen Ausgaben sind zurückgegangen. Glücklicherweise hat der Rest der Welt - insbesondere die Amerikaner - immer noch Geld ausgegeben, als hätte man den Verstand verloren. Und Japan ist eine vom Export angeführte Ökonomie. Wie dem auch sei - nachdem die eigenen Verbraucher es nicht eilig hatten, kam die japanische Wirtschaft weder besonders schnell weiter noch besonders weit.
Die Japaner haben ihre gewaltigen Ersparnisse direkt oder indirekt in japanische Regierungsanleihen gesteckt... und der Regierung geholfen, die gewaltigen Konjunkturprogramme zu finanzieren. Dabei handelte es sich natürlich um Geldverschwendung. Die Wirtschaft hat sich nie erholt... und jetzt soll die Regierung Bruttoschulden haben, die im nächsten Jahr 200% des Bruttoinlandsprodukts entsprechen, heißt es vom Internationalen Währungsfonds.
Um dies in einen Bezug zu setzen: Amerika soll im nächsten Jahr 100% des Bruttoinlandsprodukt erreicht haben. Großbritannien ist den Vereinigten Staaten dicht auf dem Fersen mit einer Verschuldung in Höhe von 94% des Bruttoinlandsprodukts.
Und jetzt treten auch die Amerikaner in den Modus ein, in dem sie für ihren Ruhestand sparen. Die größte Kohorte der Alten - die Baby-Boomer - müssen zügig mit dem Sparen anfangen um ihren Ruhestand noch finanzieren zu können. Sie schränken sich ein... nicht nur zwischenzeitlich... sondern auf Dauer. Und sie werden nie, nie wieder ihr Geld so ausgeben, wie in den Zeiten der großen Blase zwischen den Jahren 2003 und 2007. Das sieht nach einer sehr beständigen Krise aus...
Eine andere Sache, die auf eine Krise hindeutet, ist der Mangel an Krediten. Die Bankenkredite fallen immer noch. Die Haushalte schränken sich ein, weil sie aus den Schulden herausmüssen... und sie sparen Geld für den Ruhestand. Die Unternehmen schränken sich auch ein. Neuen Projekten geht es während einer Krise normalerweise auch nicht gut. Kleinunternehmer müssen kämpfen... und sie scheitern. Großunternehmer erhalten Bailouts und Subventionen. Krisen sind Zeiten, in denen man weder Kreditnehmer noch Kreditgeber sein will.
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