Ein Drittel der US-Maisernte wird verwendet für...
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Agrar-Rohstoffe
vom 10. August 2010, 12:00 Uhr
ENL5462
Die US-Regierungsorganisation EPA (Environmental Protection Ageny) hat ein Programm mit dem schönen lyrischen Namen RFS2 verabschiedet.
RFS steht für „Renewable Fuels Standard".
Finde ich höchst interessant, denn da geht es um die Beimischungspflichten von Ethanol zu Benzin. Und Ethanol ist eins „meiner" Themen. Solche Programme können auch sehr direkte Auswirkungen auf die Preise der „Inputs" der Ethanol-Herstellung haben.
Zum aktuellen Programm, hier die Kernpunkte:
Für das laufende Jahr schreibt die EPA vor, dass 8,25% des Benzin-Angebots in den USA mit Ethanol (= Alkohol) gedeckt werden müssen. Das entspricht einer Nachfrage von 12,95 Milliarden Gallonen Ethanol.
(Eine „Gallone" als US-Maßeinheit entspricht ca. 3,786 Litern.)
Wenig überraschend für diejenigen, die sich mit der Thematik beschäftigen: Der weitaus größte Teil dieses Ethanols soll durch aus Mais hergestelltes Ethanol gedeckt werden. Und zwar satte 12,0 Mrd. Gallonen. Einige Hundert Millionen Gallonen durch Einsatz von Weizen, Zuckerror (Importe).
Und dann ein Bereich, den ich sehr, sehr interessant finde. Fällt noch kaum auf, aber jetzt ist er da: Es sind 100 Mio. Gallonen aus der Quelle „Zellulose Ethanol" vorgeschrieben.
Und da kristallisiert er sich heraus - meiner Ansicht nach der Königsweg! Denn Ethanol aus Zellulose, das bedeutet nichts anderes als Ethanol dass aus Ernteresten wie Blättern, Stängeln. Und das ist famos! Dann besteht keine direkte Konkurrenz zur Nahrungsproduktion mehr.
Die Tatsache, dass dieses Jahr als erstes Jahr überhaupt die EPA Ethanol aus der Quelle „Zellulose Ethanol" einplant, zeigt, dass in diesem Bereich die Forschungsphase nun Ergebnisse gebracht hat.
Es gibt einige Pilot-Anlagen, die nun in den USA die Produktion aufnehmen bzw. vor kurzem aufgenommen haben.
Doch bleiben wir zunächst bei Ethanol aus Mais. Wie gesagt, dieses Jahr verlangt die EPA da 12,0 Milliarden Gallonen Ethanol aus dieser Quelle. Dafür notwendig werden ca. 4,3 Mrd. Scheffel Mais sein.
Zum Vergleich: Laut Schätzung des Landwirtschaftsministeriums werden in den USA dieses Jahr ca. 13,151 Mrd. Scheffel Mais geerntet werden. Wenn davon 4,3 Mrd. in die Ethanol-Produktion gehen, entspricht dies einem Anteil von 32,7%.
Mit anderen Worten: Fast ein Drittel der gesamten Maisernte der USA gehen in die Herstellung von Ethanol.
Dieses eine Drittel der Ernte der Mais-Ernte steht dann natürlich nicht mehr der Nahrungskette zur Verfügung.
Und genau das ist ja auch der Haupt-Kritikpunkt an der Verwendung von Mais für die Ethanol-Produktion.
Nun zum neuen Bereich, Zellulose-Ethanol...
...nein, mehr dazu morgen.
Bis dahin!
Ihr
Michael Vaupel
Diplom-Volkswirt
Chefredakteur Trader´s Daily
ähnliche Beiträge:
- US-Maisernte weiterhin in Schwierigkeiten
- Königsweg „Zellulose-Ethanol“?
- Der Düngemittelsektor ist ein gigantischer Wachstumsmarkt
- Mais-Update
- Eine Frage des Engagements
- China und Nickel
- Gold: Die Anti-Investition – Teil 3 von 3
- Reis ist das wichtigste Nahrungsmittel für 50 % der Erdbevölkerung
- Kupferpreis: Bullish
Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Wolfgang Boeck (10.08. 2010 12:44 Uhr):
Lieber Herr Vaupel, Ihre Freude über die Verwendung von Ernteresten und ähnlichem zur Ethanolgewinnung steht auf schwachen Beinen, denn aller Humus / Mutterboden auf unserem Planeten ist aus Pflanzen- (und Moos) -resten entstanden. Dieses input zur Erhaltung und Vermehrung kann durch Kunstdünger oder technische Massnahmen unmöglich ersetzt werden! Wenn ich dann erfahre, wie rasch der verfügbare Kulturboden jetzt schon (einige % jährlich) zerstört wird, kann ich mich über diese "ökonomische" Verwendung von Pflanzen"abfällen" überhaupt nicht freuen. Ich ahne ja, dass Ihnen diese Zusammenhang noch nicht offenkundig war - doch das sollte nun vorbei sein. Liebe Grüsse
Antworten - Kommentar von hajo (10.08. 2010 18:31 Uhr):
Herr Vaupel, bei allem Respekt, aber die Verwendung von Nahrungsmitteln für industrielle Anwendungen = Benzin etc. ist solange noch Menschen an Unterernährung sterben ein Verbrechen an der Menschlichkeit. Ich weiß, dass gerade Sie sich auch in Afrika für die Hilfe zur Selbsthilfe eingesetzt haben (vermutlich auch noch tun, wofür meine Anerkennung). Aber, auch wenn Sie hier in einem Börsenbrief schreiben sollte Ihre menschliche Einstellung die Oberhand haben. Gruß, hajo
Antworten
Artikel weiterempfehlen