Ein Blick auf Europas Banken
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 25. September 2008, 20:00 Uhr
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Liebe Leser,
die Bankenkrise - was bedeutet das für uns? Wir blicken mit Verachtung auf das Geschäftsmodell der US-amerikanischen Investmentbanken, wir zeigen mit dem Finger auf die US-amerikanischen, nimmersatten Wall-Street-Pleitegeier, fast lächeln wir hämisch darüber wie die sich ihre Suppe selbst eingebrockt haben und fühlen mit dem US-Amerikaner, der nun die Suppe auslöffeln soll. Nebenbei fühlen wir uns sicher und überlegen - denn was geht uns schon die US-amerikanische Bankenkrise an?! Wir haben es ja schon immer gewusst, dass die sich mit ihrer Renditegier einmal das eigene Grab schaufeln würden.
Doch, vergessen wir dabei nicht etwas? Vergessen wir dabei nicht, dass das Finanzsystem ein globales ist? Vergessen wir dabei nicht, dass wenn das US-amerikanische Finanzsystem fällt, auch der Rest nicht ungeschoren davon kommen wird? Vergessen wir nicht, uns zu fragen wie es - abseits der Aussagen von Durchschnittspolitikern - denn tatsächlich um unsere eigenen Banken bestellt ist?
Ich mag den Spruch: Jeder kehre vor seiner eigenen Tür! Und so habe ich mich heute gefragt wie es denn tatsächlich um die Sicherheit der europäischen Banken bestellt ist, ob sie tatsächlich so unbeteiligt von der US-Krise sind, wie die Beruhigungspille Politik behauptet?
Nun, eine erste Antwort steht für mich außer Zweifel: das Finanzsystem funktioniert nur als Ganzes. Fällt ein so bedeutender Teil wie die US-Banken weg, dann stürzt der Rest der Reihe nach mit um. Das ist die Dominotheorie, die in der vergangenen Woche zu den massiven Panikreaktionen der Banken und dem Stichwort der Bankenkrise" geführt hat. Diese Bankenkrise ist noch nicht vorbei, denn noch immer fehlt das Vertrauen der Banken untereinander. Doch, das System hält durch, denn Ben und Henry kämpfen noch und man erwartet, dass sie TARP durch den Kongress boxen werden. Wobei wir hier keinen falschen Hoffnungen erliegen sollten, denn wenn der Kongress sich zuviel Zeit lässt oder die Summe beträchtlich gekürzt wird, dann fängt das Spiel wieder von vorne an und lässt die Mauern des Systems erzittern. Natürlich ist und bleibt das Ganze eine harte Nuss für die US-amerikanische Wirtschaft, doch ohne TARP werden sie die Nuss wahrscheinlich nie mehr aufkriegen.
Doch genug...ich wollte nicht von den Amerikanern schreiben, sondern über die Europäer. Denn diese zittern auch, auch sie vertrauen sich untereinander größtenteils nicht mehr, auch sie sind ein Teil des faktisch am Boden liegenden Interbankenmarkts.
Die Frage ist doch warum? Schließlich sind unsere Großbanken keine Investmentbanken, haben doch hoffentlich von Ausnahmen abgesehen, größtenteils die Finger von diesen faulen Papieren gelassen.
Die Antwort ist einfach: auch unsere Großbanken sind ein Teil des Systems, auch sie arbeiten mit Fremdkapital, auch sie sind auf den täglichen Liquiditätsstrom angewiesen.
Wenn diesem Liquiditätsstrom - der normalerweise durch die Leitungen des Interbankenmarktes pulsiert - das Licht ausgeknipst wird, dann sitzen sie ebenfalls - aber ganz schön - im Dunkeln.