Ein Blick auf den Goldpreis in Euro
Alexander Hahn in Investoren Wissen zum Thema Goldpreisentwicklung
vom 30. Juli 2010, 16:00 Uhr
ENL5454
es ist wohl kaum jemandem entgangen, dass der Goldpreis konsolidiert.
Derartige Phasen sind völlig normal in längeren Trends und die Frage ist natürlich, wie tief der Preis noch fallen kann?
Um hier ein wenig nach einer Antwort zu suchen, betrachte ich heute mit Ihnen zwei Faktoren.
- Den Wechselkurs EUR/USD
- Den Goldpreis in USD
Beginnen wir also mit einer kurzen Betrachtung von EUR/USD:
Ein Blick auf den EUR/USD-Wechselkurs
Um einen vernünftigen Zeitpunkt für einen Kauf von Gold in Euro zu finden, sollte natürlich auch der Wechselkurs mitspielen, da dieser gerade in Zeiten hoher Volatilität im Bereich EUR/USD maßgeblich zu Preisverschiebungen beim Goldpreis in Euro führen kann.
Wie Sie alle aus den Medien sicherlich wissen, setzte der Euro zu einer Erholungsbewegung an und notiert aktuell bezüglich des US-Dollars im Bereich von ca. 1,30.
Die erste Frage, welche sich also stellt, ist, wie weit die Erholungsbewegung noch laufen wird. Betrachten wir hierzu den aktuellen Tageschart des amerikanischen EUR/USD-Preistracker-ETFs "FXE":
Abb.: Aktueller Tageschart des amerikanischen EUR/USD-Tracker ETFs "FXE"
Hier fallen natürlich ein paar Dinge auf:
Zunächst einmal haben wir einen RSI im 70er-Bereich, was deutlich zeigt, dass der Euro kurzfristig recht gut gelaufen ist. Eine kleine Verschnaufpause ist auf diesem Level deutlich wahrscheinlicher als etwa in der neutralen Zone (50er-Bereich).
Darüber hinaus ist der MACD ebenfalls dabei abzuflachen. Einen Schnitt der beiden Linien oder gar ein Überrollen haben wir im MACD natürlich noch nicht, doch nähern sich diese aktuell immer weiter an.
Ein weiteres, auf den ersten Blick weniger offensichtliches Anzeichen ist an den Bollinger-Bändern erkennbar. Bei starken Ausbrüchen weiten sich diese in der Regel; in Konsolidierungsphasen sinkt der Abstand der beiden Bänder. Was hier auffällt ist, dass der Kurs schon mal am oberen Bollinger-Band abprallte und darauf hin einen kleinen Rücksetzer bildete. Dies war aber nicht weiter tragisch, da das obere Band seine Krümmung noch nicht geändert hatte. Dies ist in der jetzigen Situation allerdings der Fall, was aktuell eher den Eindruck vermittelt, dass die Preisbewegung in eine höchstens leicht aufwärts gerichtete Seitwärtsphase übergehen wird, da eine solche Richtungsänderung des Bands häufig auf eine beginnende Kontraktion der Bänder und damit Preiskonsolidierung hindeutet.
Größere Kursstürme scheinen mir hier im kurzfristigeren Bereich somit aus rein technischer Sicht erst einmal etwas unwahrscheinlicher.
Betrachten wir nun als zweites den Goldpreis:
Ein Blick auf den Goldpreis in USD
Auch bei der Betrachtung des Goldpreises in US-Dollar greife ich nochmals auf einen sehr bekannten ETF ("GLD") zurück. Sehen wir uns auch hier zunächst einmal den aktuellen Tageschart an:
Abb.: Aktueller Tageschart des amerikanischen Goldpreis-Tracker ETFs "GLD"
Wie Sie sehen, habe ich hier einige Punkte markiert. Beginnen wir beim Force-Index ganz oben:
Sah es einige Tage so aus, als würde der Verkaufsdruck immer weiter abnehmen, brach der Force-Index seinen Aufwärtstrend und verharrt weiterhin im roten Bereich. In anderen Worten, es herrscht nach wie vor ein Verkaufsdruck auf den Gold-ETF und eine Erholung ist hier noch nicht erkennbar.
Ähnlich zeigen sich MACD und RSI. Beide sind zwar schon ein gutes Stück nach unten gelaufen, jedoch deutet sich eine Trendwende hier noch nicht an.
Lediglich das untere Bollinger-Band (rosa) scheint dem ETF einen sehr kurzfristigen und vorübergehenden Boden zu verleihen. Ich würde hier aber noch nicht vom Ende der Korrektur sprechen wollen.
Aus meiner Sicht ist es recht wahrscheinlich, dass letztlich die Gegend um die 200-Tage-Linie (grünes Rechteck im obigen Chart) als eine vorläufige Endzone für die aktuelle Korrektur dienen dürfte.
Was bedeutet dies nun für den Goldpreis in Euro?
Nun ist natürlich keinesfalls gesagt, dass das vermutete letzte Tief des Goldpreises in US-Dollar in der Gegend des grünen Rechtecks zeitlich mit dem lokalen EUR/USD-Hoch zusammenfällt. Würde man dies jedoch annehmen, ergäbe sich:
- EUR/USD etwa bei 1,30
- Gold in USD etwa bei $1,110
Damit ergäbe sich ein "idealisierter Zielpreis" von rund 854 Euro pro Feinunze Gold. Das ist natürlich alles nur relativ grob über den sprichwörtlichen Daumen gepeilt und sehr optimistisch. Fällt der Euro gegen den US-Dollar vorher wieder, dürfte der Boden der Goldpreiskorrektur gleich wieder etwas weiter oben liegen.
Wenn Sie noch physisches Gold kaufen möchten, sollten Ihnen klar sein, dass Sie niemals den Zeitpunkt auf den Euro genau treffen werden. Natürlich könnte man aktuell noch etwas warten, aber wer Gold als das sieht, was es ist (Versicherung), ist sicher auch nicht schlecht beraten, bereits jetzt zu beginnen, langsam und sukzessiv zuzukaufen - wohlwissend, dass die Korrektur bzw. Konsolidierung auch noch etwas anhalten kann.
Für kurzfristigere Trades halte ich die Situation für noch etwas zu früh.
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