Ein Blick auf das Gold-Öl-Ratio
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 22. Oktober 2008, 20:00 Uhr
ENL5454
Als eifriger Daily-Leser erinnern Sie sich sicher: im August schrieb ich zum letzten Mal von der Gold-Öl-Ratio. Diese Ratio gibt das Verhältnis zwischen Gold- und Ölpreis an, oder anders ausgedrückt: sie gibt an wieviele Unzen Gold ein Barrel Öl kostet. (oder umgekehrt: wieviele Barrel Öl man für eine Unze Gold aufbringen muss)
Der Durchschnittswert dieser Ratio lag in den letzten Jahrzehnten bei 15,7.
Ein deutliches Kaufzeichen ergibt sich wenn das Verhältnis zwischen 8 und 10 liegt. Ein deutliches Verkaufszeichen wenn das Verhältnis bei über 20 liegt.
Am 7.August lag das Verhältnis bei 7,3. Die Unze Gold kostete damals 870 US-Dollar, das Barrel Öl 120 US-Dollar.
Damals schrieb ich, dass also entweder der Ölpreis auf 60 US-Dollar fallen müsste, unter der Bedingung, dass der Goldpreis bei 870 US-Dollar verharrt oder der Goldpreis auf 1711 US-Dollar steigen unter der Bedingung, dass der Ölpreis bei 118 US-Dollar verharrt.
Ich gebe zu, ich hatte eher auf das zweite Szenario gehofft. Doch leider kam es anders, denn die Rohölpreise sind im Zuge der Rezessionsängste mittlerweile stark eingebrochen.
Und damit sind wir wieder am Punkt: Gegenwärtig liegt die Gold-Öl-Ratio bei 11.
Das Barrel WTI Rohöl notiert gegenwärtig bei 67,22 US-Dollar.
Zwar ist eine Ratio von 11 immer noch kein überhöhter Wert, doch was mir diese Ratio im Augenblick sagt ist folgenden: sollte die Rohölpreise noch weiter massiv abgeben, dann wird auch der Goldpreis weiter fallen müssen.
Nehmen wir also an, ein Szenario wie es sich schon viele vorstellen können tritt ein: Rohölpreise fallen auf 50 USD pro Barrel und der Goldpreis auf 650 USD pro Unze. Damit hätten wir eine Ratio von 13, die unserem Durchschnittswert schon sehr nahe kommt.
Doch was passiert, wenn die Rohölpreise tatsächlich auf 50 USD fallen? Dann haben wir den Salat, namens große Deflation, vielleicht sogar bis hin zur Depression. Mal abgesehen davon, dass bei solchen Ölpreisen wohl schon längst einige Produktionsstätten still gelegt worden sind. Ich gehe davon aus, dass bereits bei Preisen unter 65 US-Dollar pro Barrel ein Großteil der OPEC-Produzenten große Probleme bekommt. Kein Wunder, dass die OPEC gegenwärtig verzweifelt Förderkürzungen unterschiedlichen Ausmaßes in den Raum wirft.
Es ist ein Szenario wie ich es nicht gut heißen mag, mal abgesehen davon, dass selbst wenn es eintritt, es längerfristig wieder dazu führen wird, dass die Konjunktur angeheizt wird und die Preise dann auch wieder steigen. Nur könnte das dann eben länger dauern!
Wichtiger ist in meinen Augen, die Rohölpreise jetzt zu stabilisieren! Aber wie auch immer, ob die Preise nun noch auf 50 USD fallen oder nicht, am Ende werden sie sowieso wieder steigen, und dann muss auch die Währung Gold wieder steigen.
Wenngleich Gold, wenn mittelfristig endlich ein Ende von USD-Nachfrage und Panik-Deleveraging abzusehen ist durchaus das Zeug hat, sich von den übrigen Märkten abzukoppeln und einen erneuten Aufwärtstrend zu beginnen. Vermutlich wohl aber von einem niedrigeren Level aus.
So long liebe Leser...soll ich Ihnen was sagen?!...ich hoffe fast, dass der Goldpreis auf 650 US-Dollar einbricht und ich günstig nachkaufen kann....ich mag Gold, wirklich! ...bis morgen
Ihre Miriam Kraus
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