Ein bisschen Euro-Snobismus

in Investors Daily
vom


vo unserem Korrespondenten Bill Bonner, derzeit in Baltimore

*** Sowohl der Euro als auch das Gold haben gegenüber dem Dollar eine schöne Performance hingelegt; seien Sie nicht überrascht, wenn es einen Rückschlag geben sollte.


Aber es gibt zwei Gründe, warum diese Trends wahrscheinlich trotz eines temporären Rückschlags nicht so bald enden dürften: Das US-Handelsbilanzdefizit ... und das US-Haushaltsdefizit. Das Handelsbilanzdefizit erfordert nun, dass 1,5 Milliarden aus dem Ausland an die USA geliehen werden – jeden Tag. Ohne genug Geld aus dem Ausland fällt der Dollar. Und wenn er fällt, sehen immer weniger Ausländer in US-Vermögensanlagen einen Vorteil. Im Gegenteil – sie werden diese verkaufen ... was den Dollar weiter fallen lässt, und vielleicht schneller, als die Leute das erwarten. Bis jetzt hat der Dollar gegenüber dem Euro rund 25 % verloren – und dennoch hat sich das US-Handelsbilanzdefizit nicht verbessert. Das bedeutet, dass der Dollar noch deutlich tiefer fallen muss.

"Die Rechnung für die spekulativen Exzesse und die globalen Ungleichgewichte ist noch nicht bezahlt worden", warnt Stephen Roach von Morgan Stanley. Diese Rechnung wird größer durch die Ausgabenerhöhungen und Defizite der US-Regierung. Kein Demokrat schaffte es, ein so hohes Defizit wie die Administration zu George II. zu fabrizieren. Die Ausgaben wachsen derzeit doppelt so schnell wie unter Clinton ... und fast doppelt so schnell wie das BIP. In diesem Jahr werden die Staatsausgaben pro privatem Haushalt 20.000 Dollar übertreffen.

Jeder will etwas umsonst haben. Vorgestern unterschrieb George Bush eine Gesetzesvorlage, die alten Leuten notwendige Medikamente zusichert. "Wir halten unser den Senioren gegebenes Versprechen", war die Aussage. "Auf der Jagd nach Stimmen", wäre eine bessere gewesen. "Zur Hölle mit den Jungen, die dafür die Rechnung zahlen müssen."

Die Amerikaner müssen denken, dass sie die Gesetzesvorlagen der Regierung niemals bezahlen müssen ... genauso wenig wie ihre eigenen. Irgendwie wird das alles schon klappen ... sagen sie sich. Und das wird es auch irgendwie. Aber nicht ohne Bedauern.

Die kurzfristigen Zinssätze werden auf dem tiefsten Niveau seit den 1950ern bleiben, hat die Fed mitgeteilt. Aber wir leben heute in einer sehr anderen Welt, als wir sie in den 1950ern sahen, wie Dr. Richebächer betont. 1959 stiegen die gesamten amerikanischen Schulden (ohne Finanzinstitute) 1,4 Mal so schnell wie das BIP-Wachstum dieses Jahres. 2002 lag dieser Faktor bei 7. Und 1959 liehen sich die Amerikaner "von sich selbst" Geld. Die nationale Sparrate lag bei 12 % des BIP. 2002 lag die Sparrate bei 0,6 % des BIP. Jetzt hängen die USA von der Freundlichkeit der Ausländer ab.

Ich prognostiziere, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis man mit einem Dollar nur noch 60 % eines Euros kaufen kann. Die Ausländer werden Dollar nur noch widerwillig annehmen. Jeder Dollar wird ein Emblem für Unbesonnenheit sein. Im Ausland reisenden Amerikanern wird es peinlich sein, wenn sie ihre Portemonnaies öffnen. *** Gestern fand ich mich nachdenklich. Ich erlaubte mir ein bisschen Euro-Snobismus. Warum scheinen in Europa selbst niedrig bezahlte Arbeiter – wie Taxifahrer oder Fluglinien-Angestellte – so fähig und vorzeigbar zu sein ... während in Amerika diese Jobs von Leuten verrichtet werden, die – im besten Fall – als freundliche faule Säcke beschrieben werden können?


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