Ein Besuch bei meiner (ehemaligen) Bank...
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 7. August 2009, 16:00 Uhr
ENL5454
Liebe Leser,
gestern besuchte ich wieder einmal die Filiale meiner alten Hausbank (ich ziehe zur Zeit gerade zu einer neuen Bank um) und ich hoffe sehr, dass was ich dort erlebte, nicht die Regel im deutschen Bankgeschäft ist (doch ich befürchte es teilweise...).
Worum geht es?
Am einfachsten ist es wohl, wenn ich den Sachverhalt als sinngemäß rezitiertes Gespräch wiedergebe:
AH steht dabei für mich, FL für den Filialleiter der Bank
(AH betritt auf höfliches Bitten das Büro des Filialleiters der Bank, der erwartungsgemäß versucht, AH davon abzubringen, auch die letzte Liquidität abzuziehen)
FL: "Guten Tag Herr Hahn, wie ich gehört habe, wollen Sie uns verlassen?"
AH: "Korrekt. Dieser Entschluss ist auch endgültig und nicht verhandelbar. Wir können dieses Gespräch daher kurz halten."
FL: "Aber Sie kennen doch die wunderbaren Möglichkeiten gar nicht, die wir für Ihre Liquidität noch parat haben. Möchten Sie nicht wenigstens wissen, was Sie verpassen?"
AH: "Wenn Sie meinen... Aber Sie wissen, dass ich selbst im Finanzbereich sehr aktiv bin und entsprechend hohe Ansprüche an Investments stelle, die nicht immer einfach zu bedienen sind."
FL: "Ja, das weiß ich. Ich hätte hier auch etwas ganz besonderes für Sie!" (FL versucht krampfhaft begeistert zu wirken und schaltet um in "Vertriebsmodus")
AH: "Aha... Und das wäre?"
FL: "Ein besonderer Lebenszeit-Altersvorsorgefonds."
AH: "Herr [...], in aller Freundlichkeit, ich bitte Sie, darüber haben wir doch schon einmal gesprochen. Mein Depot ist kein Abfalleimer für irgendwelche Schrottpapiere mit horrenden Gebühren."
FL: "Der Fonds ist aber wirklich gut."
AH: "Danke, wohl zu gut für mich. Ich passe. Wäre es das dann mit meiner Kündigung soweit?"
FL: "Wir könnten Ihnen natürlich auch eine klassische Inhaberschuldverschreibung anbieten. Zur Zeit bieten wir hierfür sehr gute Zinsen."
AH: "Das denke ich mir, dass Ihre Zinsen aus gutem Grund toll sind... Jetzt habe ich aber langsam genug. Ich habe doch keine Lust auf einen Totalverlust, wenn Ihr Institut eines Tages abgewrackt werden sollte. Außerdem ist Ihre Schuldverschreibung intransparent und die Kreditwürdigkeit Ihrer Bank weiterhin unklar. Was denken Sie eigentlich von mir?"
FL: "Aber dafür gibt es doch den Einlagensicherungsfonds..."
(Hier verschlug es mir nun wirklich die Sprache und ich hätte dem Herren am liebsten derart von deutlich meine Meinung gesagt, dass er sich daran für den Rest seines Lebens ängstlich erinnert - und hierbei sei angemerkt: Ich bin alles andere als ein Choleriker.)
AH: "Ah, Sie sagen also, dass Ihre Inhaberschuldverschreibungen durch den Einlagensicherungsfonds abgedeckt werden? Das unterschreiben Sie mir doch bestimmt in Form eines schriftlichen Beratungsprotokolls, oder nicht?"
FL: "Äh, hmmm, da müssen Sie mich falsch verstanden haben. Ich wollte sagen, dass..."
(AH fällt ins Wort)
AH: "Sie haben gerade bewusst versucht, mich böse zu ver*****en und ich möchte nicht wissen, bei wie vielen Kunden, die es nicht besser wissen, Sie mit dieser Masche gar Erfolg gehabt haben. Dieses Gespräch ist beendet. Ich wünsche Ihrem Arbeitsplatz für diesen Versuch, mich hinters Licht zu führen, und stellvertretend für alle Anleger, die Sie bereits hinters Licht geführt haben, ein rasches Ableben. Das haben Sie mehr als verdient. Vielleicht bringt Sie das einmal dazu, über die von Ihnen verwendeten Vertriebsmethoden nachzudenken."
Feststellungen zum obigen Gespräch
Ich denke, ich muss nicht erwähnen, dass der erwähnte Filialleiter nicht gerade mit Intelligenz gesegnet war zu versuchen, mich derart plump übers Ohr zu hauen, obwohl er bereits wusste, dass ich mich in der Materie entsprechend auskenne und dass ich genau wusste, dass in diesem Fall die Inhaberschuldverschreibungen nicht im entsprechenden Sicherungsfonds abgedeckt werden (dies wusste auch er, wie man an seiner Reaktion erkennen konnte, als er "überführt" war...).
Dieses Gespräch hat mir auch wieder einmal zu denken gegeben, wie viel unseriöse Beratung gestützt auf Vertriebszwang und Absatzziele wohl im Bankenbereich nach wie vor stattfindet. Ich kann Ihnen daher nur raten: Protokollieren Sie sämtliche Beratungen, in denen es um wichtige Dinge geht, und lassen Sie sich diese von Ihrem Bankberater gegenzeichnen.
Manchmal reicht ein wenig Unsinn (siehe die "Einlagensicherung" im obigen Beispiel) schon aus, um eine Anlagesituation in einem komplett anderen Licht erscheinen zu lassen.
Lassen Sie sich nicht hinters Licht führen. Egal, wie lange Sie bei einer Bank schon Kunde sind. Vertrauen ist gut, jedoch Kontrolle ist bei solchen Dingen m.E. stets besser.
Beste Grüße und ein schönes Wochenende,
Alexander Hahn