Ein Appell: Bleiben Sie am Ball!
Andreas Wolf in DAX Daily
vom 20. November 2008, 08:00 Uhr
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Liebe DaxDaily Leser,
der aktuelle Verlauf der Aktiencharts erinnert viele von Ihnen sicherlich an den Jahreswechsel 2002/2003. Damals litten die Märkte noch unter den Ausläufern des Platzens der Internetblase und der aufziehenden Unsicherheit hinsichtlich des möglichen Irakkrieges. Das das Thema Irakkrieg fünf Jahre später noch zu den vereinzelten Schlagzeilen bei den Nachrichtenagenturen gehören würde, hatten viele befürchtet, aber nur Wenige tatsächlich erwartet. Eine neue Krise an den Aktienmärkten hatte aber mit Sicherheit nur sehr geringer Anteil der Anleger auf der Rechnung. Man muss es aber an dieser Stelle noch einmal erwähnen: Es ist noch keine 12 Monate her, da kratzte der DAX an seinem alten Rekordhoch bei 8.100 Punkten, nun hat er sich fast halbiert. Die Geschwindigkeit des Absturzes ist damit noch atemberaubender als jener vor knapp acht Jahren, als der deutsche Leitindex sich immerhin zwei Jahre Zeit nahm, um diese Strecke zurück zu legen.
Auch ich muss an dieser Stelle eingestehen, nicht mit dem Tempo der Erosion der Kursniveaus gerechnet zu haben. In Ergebnissen spiegelt sich das eindeutig wieder und muss ausgesprochen werden. Das denkbar Unklügste wäre es aber, die aktuelle Situation als auf Jahre hinaus festzuschreiben und bisher gemachte Erfahrungen durch erneute Abstinenz zu entwerten. Zunächst einmal gilt es, die aktuelle Lage möglichst zu genau zu erfassen und weiterführende Szenarien zu entwickeln. Alle Beteiligten, vom Privatanleger bis zum Hedge-Fonds-Manager, stehen dabei vor der schwierigen Situation, keine abspielbaren Vergleichsszenarien zu haben. Das Einzige, dem man sich bedient, ist jenes der großen Depression aus den Dreißiger Jahren. Hier liegt der Pferdefuß: Der Vergleich hinkt, denn die Welt hat sich seither radikal verändert, auch wenn menschliche Verhaltensweisen bis zu einem bestimmtem Punkt (leider) gleich geblieben sind.
Vor fünf Jahren wollte niemand mehr ein Pfifferling auf den deutschen Aktienmarkt geben, von zehn bis fünfzehn Jahren gingen die durchschnittlichen Schätzungenbis zu einem Widererreichen der alten Bestmarke von 8.000 Punkten aus. Ich will nun die Stimmung nicht besser machen als die Lage ist, aber im Hinblick auf die zu bewältigenden Zukunftsaufgaben der Globalisierung und der wachsenden Weltbevölkerung werden auch in Zukunft effiziente Aktienmärkte mit allen Formen von Derivaten gebraucht werden. Im Gegensatz zu vor siebzig Jahren dividiert diese Krise die Nationen dieser Erde auch nicht erneut auseinander, sondern schweißt sie noch mehr zusammen. Koordinierte Aktionen von Zentralbanken und Politik sind vor diesem Hintergrund sehr positive Signale.
Und nicht zuguterletzt: Vor siebzig Jahren gab es kein Internet. Noch nie war der Bedarf der Menschen,ob Profiinvestor oder Privatanleger, nach Information, Aufklärung, Diskussion und Zukunftsanalyse höher als heute. Das zeigt: Mit einer vermeintlichen Niederlage (am Aktienmarkt) finden sich Investoren nicht mehr ab. Die berühmten Lehrsätze aus den Einführungen zum Aktieninvestment beginnen zu wirken: Das Geld am Aktienmarkt ist nicht verloren, es hat nur ein Anderer. Wer jetzt die Nerven behält, die Weltuntergangszenarien umkehrt, die Chancen dieser Krise und die daraus entstehenden nächsten Trends erkennt, wird in wenigen Jahren zu den Gewinnern gehören. Bleiben Sie am Ball, es lohnt sich!
